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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 527 - 528

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Bericht aus der Türkei
Date
1914-07-01
Page
Seite 527 - 528 (sequence 4)
Language
German
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527 Bericht aus der Türkei. 52i Die Schulen sind zwar nicht geschlossen worden, doch haben beim Aufruf täglich ungefähr fünfzig Schüler gefehlt Diese Patienten sind erst dann wieder in der Schule aufgenommen worden, wenn ein Zeugnis des behandelnden Arztes oder der Sanitätsbehörde ihre vollständige Genesung bescheinigte. Seit einigen Tagen füllen die Lücken unserer Klassen sich allmählich wieder, und das beweist uns glücklicherweise die Abnahme der Kinderkrankheiten. Leider werden wir vielleicht gegen die Cholera zu kämpfen haben, die in der Armee aufgetreten ist. Trotzdem ihr bereits mehrere Soldaten und einzelne Aerzte zum Opfer gefallen sind, hofft man doch, sie dank der energischen, von Anfang an gebrauchten Maßregeln überall, selbst in den Kasernen, mit Erfolg zu bekämpfen. Die Schüler der obersten Klasse; S c h u 1 h i 1 f e. Ohne die Mitarbeit unserer Schüler der ersten Klasse hätte das häufige Fehlen der Lehrkräfte uns in große Verlegenheit bringen können; so sind sie für die Lehrer eingesprungen und haben sich ihrer Aufgabe mit bestem Willen und rührendem Eifer erledigt. Uebrigens haben unsere großen Schüler sich stets nicht allein durch ihren ernsten Charakter und ihre Liebe zur Arbeit, sondern auch durch die große Dankbarkeit für das Institut ausgezeiennet, das für ihre Zukunft sorgt. Sie beaufsichtigen mit den dreimal wöchentlich sich abwechselnden Aufsichtslehrern die Schüler während der Pausen, passen auf die Schüler auf, wenn sie in die Schule kommen und aus der Schule fortgehen; sie überwachen die Sauberkeit der Schulräume und Höfe und spielen auch außerhalb der Schule etwas Aufsichtspolizei, indem sie ihre jüngeren Kameraden dazu anhalten, überall ein anständiges und ordentliches Verhalten zu zeigen. Die Schüler der ersten Klasse bilden immer den ,,Verwaltungsrat" der interessanten jungen Vereinigung, die sich Anfang 1909 unter dem Namen „Schulhilfe" gebildet hat. Sie hat den Zweck, an arme Schüler, die es in der Schule an Fleiß und gutem Betragen nicht fehlen lassen, Schuhzeug zu verteilen, dessen Mangel sich besonders im Winter sehr bemerklich macht. Diese Schillsolidarität stellt einen interessanten Fortschritt dar. Die wenigen Pfennige, die jedes Mitglied als wöchentlichen Beitrag zahlt, schaffen der Vereinigung die Möglichkeit, die zahlreichen Gesuche zu befriedigen, die oft von den Lehrern selbst zugunsten armer fleißiger Schüler eingereicht werden, und haben bereits Ersparnisse, einen Reservefonds von 800 M. ermöglicht, der im Laufe von drei Jahren gesammelt werden konnte. Außer dem Arbeitersyndikat besitzt zurzeit kein Verein in Adrianopel einen so „bedeutenden" Reservefonds. Lr ist auf den Namen des Schuldirektors der Ailiance bei der Bank deponiert, ebenso wie der Reservefonds des Arbeitersyndikats. Die Familien unserer Schüler beobachten "mit Rührung wie ihre Kinder schon in jungen Jahren zur Ausübung der Wohltätigkeit angehalten werden, und unterstützen sie dabei moralisch und materiell. Verband der Klubs. Wie dem Zentralkomitee bekannt ist, existieren außer der ,,Schulbrüderschaft", dem von unseren ehemaligen Schülern begründeten und zumeist von unseren jüngeren Lehrern geleiteten Verein, noch zwei andere Vereine in unserer Gemeinde, deren Begründer ebenfalls zum großen Teil unsere Schule besucht haben und die zwei verschiedene Klub? bilden: den bereits im Jahre 1890 begründeten „Israelitischen Klub" und den Klub „Die Wohlfahrt", der aus dem Jahre 1903 stammt. Jeder hatte für sich allein, aber in sehr freundlichem Einverständnis mit dem anderen bestanden und hatte im engeren Kreise seiner Mitglieder nicht nur genügende Hilfsmittel für den eigenen Bedarf gefunden, sondern auch in verschiedenen Fällen der Gemeinde für ihre Wohlfahrts- und Entwicklungsbestrebungen mit Rat und Tat zur Hand gegen können. Der Krieg hat natürlich alles zugrunde gerichtet und hat die wirtschaftliche Lage aller Klubs sowohl wie der anderen Gemeindeeinrichtungen unsicher gemacht. Am schlimmsten ist es aber in den Unglücksjahren 1912 und 1913 dem „Israelitischen Klub" ergangen. Zu Beginn dieses Winters haben mehrere seiner Mitglieder ihre Geschäfte liquidiert und sind nach Konstantinopel übersiedelt. Nachdem es ein paar Monate nach dem Kriege wieder verhältnismäßig ruhig geworden war, sind die Mitglieder des „Israelitischen Klubs" zu einer Generalversammlung zusammengekommen und haben mit hinreißender und rührender Begeisterung den einstimmigen Beschluß gefaßt, weiter bestehen zu bleiben und die Bande der Freundschaft und Brüderlichkeit zu kräftigen, die sie seit fünfundzwanzig Jahren verbunden hatten. Die Freundschaftsbeweise, die das Zentralkomitee der Ailiance dem Klub stets gegeben, und die vom Verein immer betonte Anhänglichkeit an die Ailiance haben diesen Beschluß der Versammlung noch bestärkt. Man sieht, daß die Kassen des „Israelitischen Klubs" zwar leer gewesen, ihr Herz und ihre Glieder aber voller Tapierkeit und Glut geblieben sind. Das ist nicht gernig einzuschätzen. Es wurde eine Kommission gewählt und ihr die Aufgabe zugewiesen, die Wünsche der Versammlung durchzuführen. Man hatte mich zur ersten Sitzung dieser Kommission eingeladen, die vor allem über die Möglichkeit beriet, den übernommenen Pflichten Ehre zu machen. Ein Mitglied machte einen Vorschlag, der der Mehrzahl in der Versammlung zu gefallen schien, den Vorschlag nämlich, den „Israelitischen Klub" mit dem Tochterklub „Wohlfahrt" zu fusionieren, dessen Lage verhältnismäßig besser war. Zur Unterstützung diese? Vorschlags berief man sich auf die glücklichen Erfolge, die die Fusion der Talmud-Thoraschule mh der Allianceschule für die Gemeinde gezeitigt hat. Daraufhin wurde eine zweite Generalversammlung einberufen und in dieser die Fusion der beiden Klubs einstimmig beschlossen. Man war schon von vornherein über die Stimmung im Klub „Wohlfahrt" informiert gewesen, der dann auch bei den ersten Anfragen mit der Vermischung einverstanden war. Die Schwierigkeiten des Vorsitzes wurden zwischen den alten und den neuen Klubmitgliedern schnell geebnet, und um das Andenken der beiden einzelnen ehemaligen Klubs nicht vergessen zu lassen, trägt der neue Klub den Namen: „Israelitischer und Wohlfahrtsklub". Eine Woche nach der Fusion war der zum Ausgleich für ältere Verpflichtungen gewünschte

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