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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 529 - 530

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Bericht aus der Türkei
Date
1914-07-01
Page
Seite 529 - 530 (sequence 5)
Language
German
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Aus den Allianceschulen. 530 jeldbetrag zusammengekommen, das alte Schulokal repariert und für die vereinigten Klubs eingerichtet, um darin bis zur Fertigstellung des leuen Klubhauses die Sitzungen abzuhalten. Einer ilten Tradition gemäß findet alljährlich zum Besten der Alliancescliulen ein Fest statt; in diesem Jahre ist dieses Fest in intimerer Form zur Feier der Klubverbrüderung gegeben worden. Ein größeres Fest ist wegen der wenig günstigen Zeitläufte nicht angebracht gewesen. AUS DEN ALLIANCESCHULEN. Saloniki. Herr Venizelos, Ministerpräsident on Griechenland, hat am 6. Mai unsere Schulen besucht. Ich habe eine Delegation des Lokal- Komitees gebeten, dem Empfang beizuwohnen, •lerr Venizelos traf in Begleitung des Stadtpräfekten Herrn Argyropoulo ein. Er inspizierte die Klassen und war sehr befriedigt von den Antworten unserer ScJiüler im Griechischen, im Französischen und in den wissenschaftlichen Fächern. Während er sich' nit den Kindern der fünften Klasse beschäftigte,;ieß ich alle übrigen Klassen in den Schulhof heruntergehen und in Hufeisenform Aufstellung nennen. Ich richtete dann an Herrn Venizelos, der mit -einem Gefolge inmitten der Schüler Platz genommen hatte, einen Willkommensgruß und stattete hm unseren Dank für seinen Besuch ab. Die >chüler stimmten die griechische Nationalhymne ui. Ein älterer hielt eine kleine griechische An-- prache. Herr Venizelos sprach dem jungen Redner eine Anerkennung aus. Er versicherte mir, daß ihm -eit langem der ausgezeichnete Ruf der Allianceschulen bekannt sei und sprach die Erwartung ms, auf unsere Beihilfe bei der Ausbreitung des ■lellenischen Geistes unter den jungen Generationen echnen zu können. Er schätzt ihr Werk und ist iberzeugt, daß es dazu beitragen wird, in Saloniki und allen anderen griechischen, von Israeliten belohnten Ortschaften jene alte hellenisch-jüdische /erbindung wiederherzustellen, die in Alexandrien ine so schöne und reiche Kultur geschaffen hat. .Sie können/' sagte er beim Abschied zu mir, ,auf die Unterstützung der hellenischen Behörden ind besonders auf meinen persönlichen Schutz echnen, den ich Ihnen bei jeder Gelegenheit gern einen werde." Herr Venizelos bat mich, die Kinder iir den Rest des Tages zu beurlauben. Unser uoher Besuch verließ unter dem Gesang der Kinier und den begeisterten Zurufen der draußen ngesammelten Menge die Schule. Tunis. Bis zum Februar 1914 wurden die \naben-Fortbildungskurse der Hafsiaschule von einigen Mädchen besucht, deren Eltern sie zufrüh aus der Schule nahmen, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen sollten. In der Befürchtung, daß die Gegenwart junger Mädchen in den Klassen der jungen Leute zu Unzuträglichkeiten führen könnten, beschlossen wir, einen Mädchen-Fortbildungskursus einzuführen. Diese Einrichtung wurde von der ärmeren jüdischen Bevölkerung freudig begrüßt, und an dem am l.März eröffneten Kursus beteiligten sich über 60 Schülerinnen. Heute ist die Zahl bereits auf 80 gestiegen, und im Oktober wird ein zweiter Kursus eröffnet werden müssen. Schon oft hat man den rührenden Eindruck geschildert, den erwachsene junge Leute hervorrufen, die nach des Tages Arbeit sich auf die Schulbank setzen, um einige Sprach- und Rechenkenntnisse zu erlangen, die ihnen gestatten würden, ihre Lage zu verbessern. Junge Mädchen, Frauen, Mütter, Witwen, darunter Schneiderinnen, Stickerinnen, Dienstboten, alle wollen sie die französische Sprache erlernen, um eine Anstellung bei Europäern zu erlangen und so ihre mageren Einkünfte zu erhöhen. Nachdem die Schülerzahl auf 80 gestiegen war, haben wir die Meldeliste geschlossen. Die Nichtzugelassenen waren fast verzweifelt. Einige sagten : ,,Lassen Sie uns wenigstens an der Tür stehen und zuhören. Wenn Sie wüßten, wie nötig wir es haben, das Französische zu erlernen/' „Wir können sogar keinen Mann bekommen/' vertrauten uns wieder andere an, „die jungen Leute wollen nur Mädchen, die Französisch können/' Die Schaffung dieses Fortbildungskursus füllt somit eine Lücke Ihres Werkes aus. Ihre Schule ist während des ganzen Tages eine Stätte gesegneter Arbeit. Von 7 Uhr morgens an sind Strickerinnen und Stickerinnen an der Arbeit. Um 7 Uhr abends mühen sich Arbeiterinnen, Dienstmädchen über der Fibel ab, die gelernten Worte zu übersetzen und auf die Schiefertafel zu schreiben. BERICHTIGUNG. Sehr geehrte Redaktion! Das Maiheft Ihrer geschätzten Zeitschrift bringt in vjen Mitteilungen des Zentralkomitees der „Alliance Israeite Universelle" eine eingehende Kritik meiner auf diese Institution bezüglichen Bemerkungen in dem „Jahrbuch *ür jüdische Geschichte und Literatur". Ihre "bekannte Gerechtigkeitsliebe wird mir die Aufnahme einer kurzrn Entgegnungnicht versagen. Zunächst erkenne ich den höflichen und ritterlichen Ton des Schriftstückes der Alliance-Ldtung gern und dankbar an. Und nun dessen Inhalt. Ueber die Unterrichtsmethode läßt sich nicht streiten, da muß jeder seine Anschauungen festhalten, soweit sk

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