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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 525 - 526

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Bericht aus der Türkei
Date
1914-07-01
Page
Seite 525 - 526 (sequence 3)
Language
German
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25 Bericht aus der Türkei. 526 »tolz unserer Glaubensgenossen vorstellen, als sie us so berufenem Munde das große Lob Ihrer Tätigeit hörten, das auch alle Ihre hiesigen Veranstalungen in helles Licht setzt. Der erste Besuch Sr. Exzellenz des Valis auf einer Schulinspektionstour galt unseren Schulen, n Begleitung von zwei Generalstabsoffizieren, deren in er, Behor Bey, ein ehemaliger Schüler der \llianceschulen von Konstantinopel ist, zog der ali zwei Stunden lang durch alle unsere Knabenmd Mädchenklassen und examinierte die Kinder iberall in den verschiedenen Zweigen unseres Programms. Es machte ihm Spaß, immer neue Fragen u stellen, die sich mehr an die Intelligenz der Kinier als an ihr Gedächtnis richteten, und er erhielt nimer lebhafte, genaue und klare Antworten. Unjre Mädchenschule erregte seine besondere Bewunderung; die Ordnung und Sauberkeit der kleinen Alädchen, ihre Geschicklichkeit bei der Anfertigung on Handarbeiten entzückten unsere Besucher, die nit ihrem Lob nicht zurückhielten. Nach Beendigung des Examinierens stimmten iiisere Schüler auf dem Schulhof ein gemeinsames patriotisches Lied an. Darauf hielten unsere jungen eute aus der ersten Klasse eine Begrüßungsansprache an Seine Exzellenz in arabischer, türkischer md französischer Sprache. Auf die französische Rede antwortete der Vali in reizender, begeisterter mprovisation und dankte den Kindern für ihre guten Wünsche. Zu den Lehrern gewendet, sagte er: .Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen für das gute verk zu danken, das Sie hier ausüben. Sie können icher sein, hier in Mossul die ersten Samenkörner ler Zivilisation ausgesät zu haben, und ich kann Sie azu nicht genug beglückwünschen." Bei der Verbschiedung wiederholte Seine Exzellenz mir seine Glückwünsche und versicherte mich seiner Mitwirung zum Fortschritt aller Ihrer Schulen in unserem 'ilajet. Sasson. Rh od us. Als Beispiel für das Interesse, das ie Notabein der Gemeinde Ihrem Werk entgegenringen, teile ich Ihnen folgendes mit: 'Die Herren >r. David Gaon, städtischer Arzt, und Kaufmann •ohen, Vorsteher der Gemeinde, haben sich uns •lbst als Lehrer zur Verfügung gestellt, um den chülern der ersten Klasse gratis je eine Unterrichtstunde in der Woche zu geben: Herr Gaon unterteiltet in praktischer Hygiene und Herr Cohen in der Buchführung. Diese zugunsten unserer Schule von vrei angesehenen Mitgliedern der Gemeinde erriffene großmütige Initiative hat auf unsere Glaubensgenossen in Rhodus einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Mit großem Vergnügen und Nutzen plgen unsere Schüler den liebenswürdigen, gemütichen Plaudereien des Dr. Gaon und bringen den ehrstunden Herrn Cohens ein lebhaftes Interesse ntgegen. Es gibt, glaube ich, keine praktischere und lirektere Art, dem Allianecwerk seinen Beistand zu v-'ihen, deshalb haben die Herren Dr. Gaon und "ohen ein volles Anrecht auf unsere aufrichtige Dankbarkeit. Diese Mitarbeit der beiden Notabein der Geneinde am Alliancewerk beweist eine bemerkenswerte Wandlung der Empfindungen der rhodesischen Juden gegenüber Ihren Schulanstalten. Wenn man heute den Präsidenten der Gemeinde von Rhodus mit der Allianecschule so weit fraternisieren sieht, daß er jede Woche eine seiner Mußestunden opfert, um zur Ausbildung ihrer Schüler beizutragen, kann man es sich nicht versagen, um fünfzehn Jahre zurückzublicken und den Riesenschritt zu bewundern, der in verhältnismäßig kurzer Zeit zurückgelegt worden ist. Man erinnert sich noch der schlechten Behandlung und der Scherereien aller Art, denen Ihr erster Schuldirektor in Rhodus von Seiten eines großen Teils unserer Glaubensgenossen ausgesetzt war, als er zur Begründung der Knabenschule hierher gekommen war, und der Steinwürfe, mit denen man vor kaum zwanzig Jahren Ihre armen Lehrer verfolgte, weil sie zum ersten Male gewagt hatten, die kleinen rhodesischen Jungen von links nach rechts schreiben zu lehren. Heute aber haben die Zeiten sich geändert. Das Vertrauen, das alle Glaubensgenossen von Rhodus zu uns haben, die Achtung vor der Alliance und ihren Vertretern machen den rhodesischen Juden alle Ehre, die in so kurzer Zeit einen so großen Fortschritt erringen konnten. Mehrez. * * * A d r i a n o p e 1. Die Wahrheit des alten Sprichworts „Ein Unglück kommt selten allein" hat sich kaum einmal so zutreffend erwiesen, wie augenblicklich in bezug auf die bedauernswerte Provinz Thrazien, die schon seit Jahren von allen Plagen der Erde heimgesucht wird. Seitdem die Jungtürken bemüht sind, das Reich zu heben und ihm kräftigeres und edleres Blut zuzuführen, sind, wie dem Zentralkomitee wohl bekannt ist, über die gesamte europäische Türkei und besonders über die Gegend von Adrianopel die größten Katastrophen hereingebrochen. Cholera und Typhus, wiederholte Ueberschwemmungen und Erdbeben, Bürgerkriege und der Balkankrieg sind mit mathematischer Pünktlichkeit aufeinander gefolgt. Nachdem die Reihe der Uebel erschöpft schien, sieht es beinahe aus, als ob sie wieder von neuem anfangen wollten, denn mit dem Jahre 1914 haben die Epidemien wieder begonnen. Die eben abgelaufene Wintersaison mit ihrem charakteristischen plötzlichen Temperaturwechsel hat jene vielfach in der europäischen Türkei herrschenden endemischen Infektionskrankheietn, wie Typhus und Cholera, und besonders die Kinderkrankheiten Röteln und Keuchhusten sehr schnell verbreitet, und sie sind in diesem Jahre mit erschreckender Heftigkeit besonders in Adrianopel aufgetreten. Noch bevor die städtischen Behörden die Vorbeugungsmaßregeln angewendet oder angeordnet hatten, die die Weiterverbreitung der Krankheiten vermeiden sollten, haben wir uns selbst die Pflicht auferlegt, alle Schulkiassen Tag für Tag auf das genaueste zu untersuchen, um sofort alle Schüler aus der Schule entfernen zu können, die das geringste Symptom einer ansteckenden Krankheit wahrnehmen ließen oder in einem Hause wohnten, das von ansteckenden Kranken bewohnt ^war. Diese von Anfang an bewiesene Vorsicht mit allen dazu gehörigen häufigen Waschungen und Reinigen aller einzelnen Teile jedes Schulhauses haben sicher das Weitertragen der Epidemien unter unseren Schülern in bedeutendem Umfang vermindert. Die Sanitätsbehörden haben ihrerseits ebenfalls verschiedene Verordnungen erlassen und selbst angewendet, die dazu geeignet sind, die Ansteckungsgefahr zu begrenzen.

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