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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 497 - 498

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien
Date
1914-07-01
Page
Seite 497 - 498 (sequence 5)
Language
German
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497 Rahel Edelstein-Friedmann: Die Inschriften des alten Jiuienfriedhofes in Wien. 498 der Friedhof nahm einen privaten Charakter an: er war eine Art Familiengruft, für die Toten der Angehörigen des Hoffaktors bestimmt, und wurde von demselben als sein persönliches Eigentum verwaltet. Er hatte ihn wohl entweder der Gemeinde Wien wieder abgekauft oder durch die FränkhFschen Erben durch Vertrag erworben. In der Inschrift, die Oppenheimers Grabstein schmückt, wird er ausdrücklich Eigentümer und Herr dieses Totenfeldes genannt. Die Grabsteine dieser dem 18. Jahrhundert angehörenden Wiener Juden kommen in der uns vorliegenden Bearbeitung noch nicht vor. Sie sind einer späteren Publikation durch \ VacJ \ stein vorb eha 11en. Die liier vorliegenden Inschriften bieten »•in reiches, zur Kenntnis des jüdischen Gemeindelebens ungemein interessantes Material. 1 >ie Identifizierung der zumeist mit dem Vatersnamen, zuweilen auch mit dem Mutternamen bezeichneten Toten ist, da gewöhnlich weder Geburtsdatum noch das Alter derselben angegeben ist — nur besonders hohes Alter bildet eine Ausnahme —bloss auf Grund des Todesdatums eine keineswegs leichte Sache. Die ein Akrostichon bildenden Inschriften, die den Namen anzeigen sollten, sind oft ungemein schwer zu deuten. Die deiche! at ierten Eintragungen im Totenprotokoll, welches überdies nur von 1648—1669, also nur 21 Jahre läuft, weisen mitunter eine solche Verstümmelung und Verballhornung der Namen auf, dass sie erst wieder auf die Grabstein d. R. Moses ben Simeon Theomim Leml, (gest. 1639). (Vordere Platte.) Grabstein des Samuel Phöbus ben Moses Ahron Lemml Theomirr. Ahnherr großer und angesehener Familien. (Gest. 161S.) richtige Form zurückgeführt werden müssen, ehe eine Uebereinstimmung auch nur versucht werden kann. Und die Grund- und Satzbücher, welche die Bewohnerschaft des Untern Wörth während des einhalbhundertjährigen Bestandes dieses Ghettos fast lückenlos führen, bieten nur ein bestätigendes, aber keineswegs beweisendes Material, weil die Juden schon damals den Behöben gegenüber deutsche Familiennamen trugen, deren jedoch im Gemeindeleben und auf den Grabsteinen keine Erwähnung geschah. Erwägt man noch, dass Väter und Söhne oder Brüder und Brüder nicht immer die gleichen deutschen Namen führten, so wachsen die Schwierigkeiten ins Ungeheuerliche. Dem allen zu begegnen, bedarf der Forscher nicht nur eines eingehenden linguistischen und kalendarischen Wissen, sicherer historischer und kulturhistorischer Kenntnisse und einer frisch zugreifenden, unbeirrbaren Intuition, sondern auch — last not least — eines umfassenden, dem Gedächtnisse stets zur Disposition stehenden literarischen Geistesgutes. Denn nicht nur, dass die jüdischen Autoren in der Vorrede oder mitten im Texte ihrer Werke sich ihrer Herkunft von gelehrten Ahnen rühmen und somit wertvolle, aber nur für den grossen Kenner verwendbare Winke für die Genealogie geben, ist es gar oft das Vorsatzblatt irgend eines halb verschollenen Schriftchens, welches dadurch, dass der Besitzer seinen Stammbaum oder seine Nachkommenschaft, so weit er sie erlebte, abx \ sichtslos auf demselben vermerkte, das letzte und oft das einzige Wort zur Identifizierung dieser oder jener Persönlichkeit zu sprechen hat.

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