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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 495 - 496

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien
Date
1914-07-01
Page
Seite 495 - 496 (sequence 4)
Language
German
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495 Rahel Edelstein-Friedmann: Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. 496 Grabstein des R. Moses ben Simeon Theomim Leml, (gest. 1639). {Rückwärtige Platte) Bis dann unter Kaiser Ferdinands 111. Nachfolger, Kaiser Leopold, I. das Verhängnis über die Judenstadt am Untern Wörth hereinbrach. Schon im Jahre 1660 hatte der Magistrat der Stadt Wien die Judenhäuser einschliesslich der Grossen Synagoge amtlich einschätzen lassen. Eine abermalige Schätzung derselben im Jahre 1670 ergab eine Wertsumme von 226,000 Gulden. Da Kaiser Leopold sich mit einer Kaufsumme von nur 100,000 Gulden für den Besitz seiner „hofbefreyten Juden" begnügen zu wollen erklärte, beeilte sich die Stadt Wien „das glänzende Geschäft" abzuschliessen. Ja, sie erklärte sich bereit, dem Kaiser ausserdem den Entgang an Judensteuern im Betrage von jährlich 14,000 Gulden zu ersetzen, welche Vergütung die Stadt Wien bis zum Jahre 1815 an den Kaiserhof leisten musste. Erst Kaiser Franz 1. erliess der Stadt Wien diese Judensteuerverpflichtung. Die Juden aber mussten, etwa 4000 Köpfe an der Zahl, ihr Hai) und Gut verlassen und zum Wanderstabe greifen; ihre Häuser und ihr unbeweglicher Besitz wurden von der Stadt Wien konfisziert, ihre Synagoge aber in die Pfarrkirche zum Hl. Leopold umgewandelt. Weder die Protektion der Grossen, noch das Anspornen aller Kräfte, Bitten und Angebot von grossen Summen konnten das furchtbare Verhängnis abwenden, das über eine ganze Gemeinschaft hereinbrach." (S. 482). Bekanntlich hat sich der Strom der Vertriebenen nach Mähren, Böhmen, Schlesien und Galizien gewendet, ein Ausläufer desselben erreichte auch Berlin, wodurch die dort ansässige Judenschaft derart erstarkte, dass eigentlich erst von dieser Zeit der Bestand der Berliner Gemeinde datiert wird. Es waren darunter in der ganzen Judenheit als vornehm und gelehrt bekannte, allerorten hochangesehene Familien, welche als Vertriebene Aufnahme heischten. Zu den „Migorschiei Wina", den Vertriebenen aus Wien, zu gehören, galt lange nachher noch als. ein Beweis edler Herkunft. Auch Max N o r d a u erwähnt in einer Selbstbiographie, dass seine Ahnen mütterlicherseits von den Migorschei Wrina abstammten. Es war eine in jedem Belange ausgezeichnete Gemeinde, welcher die Geldnot Kaiser Leopolds I. ein furchtbares Ende bereitete. Am 17. April 1670, einige Wochen vor der Vertreibung, war Jakob Koppel b. Jeremia Isak-halewy Fränki, eines der begütertsten Mitglieder der Gemeinde, gestorben und von seinen Söhnen im Obern Wörth beigesetzt worden. Ward doch sein Häuserbesitz auf 9200 Gulden geschätzt gegenüber einer Durchschnittsschätzung von 500—3000 Gulden. Die Söhne dieses vornehmen Mannes sollten nun vom frischen Grabe ihres Vaters hinweg die Heimat verlassen, ehe sie durch die Aufstellung eines Grabsteines ihre Kindespflicht erfüllen konnten. Da „haben sie für Geld und gute Worte für ihren Toten durchgesetzt", was für die Lebenden nicht erreicht werden konnte. Sie haben die Stadt Wien „gehorsamblich gebeten und auch hierumb per 4000 Gulden Satisfaktion geleistet", und die Stadt Wien verpflichtete sich zum Schutze des Friedhofes und seiner Denkmäler. So hat eine einzige Tat kindlicher Pietät den Bestand des Friedhofes gerettet. Die Familie Fränki, von welcher auch L. A. Frankl abstammte, wendete sich zunächst nach Fürth in Bayern, um von dort im 18. Jahrb. nach Chrast in Böhmen zurückzukehren. Sechzehn Jahre nach der Vertreibung wurde erst der schlichte Grabstein gestellt, den wir hier im Bilde reproduzieren. Indessen hatte schon Samuel Oppenheimer, der jüdische Hoffaktor unter Leopold I., eine kleine Gemeinde seiner Hausangestellten und Angehörigen um sich versammelt und eine neuerliche Wiener Judenschaft begründet, welche jedoch gesetzlich kein offizielles Daseinsrecht genoss. Synagoge und Fleischbank waren verboten, ebenso jede andere religiöse Institution, das ganze religiöse Leben durfte nur als zum Haushalte des Hoffaktors gehörig, in den engsten Grenzen sich bewegen. Ausserhalb der Schwelle Oppenheimers gab es in Wien kein Judentum. Auch Grabstein des R. Zacharias Mayr, f*( Erbauer und Gründer der Großen Synagoge und Talmudschule, (gest. 1664) (Rückwärtige Pl.itte)

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