Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 8 (August 1914)
- Article
- Bei den jüdischen Bauern in Südamerika
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 585 - 586 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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555 Arliuo Bab: Bei den jüdischen Bauern in Südamerika. 586 f. . K itt f«»>1 *-N>* » v.tkt' —. w.r^^»^i^^^iS^^ BK^:^^>?ffl^ ^vvSlfej^r^iÄ&^SS K&^l ftEftäBs^^ In den Weingärten von Medanos Viel wahrscheinlicher ist es der jüngste unserer Erzväter gewesen, und Freunde sowie Bekannte nannten vermutlich in Bialystock, Wilna oder Odessa den heutigen „Don Santiago" schlichtweg „Jankele". Die Fruchthandlungen ersetzen, nebenbei bemerkt, in allen Orten Argentiniens, in deren Nähe es jüdische Bauern gibt, die Kneipe, den Klub oder die Arbeitsbörse. Es ist für jeden Ansiedler unvermeidlich, wenigstens zwei- oder dreimal im Monat nach der nächsten Stadt zu allerhand Einkäufen zu fahren, und man stärkt sich, dort angelangt, gern durch einen frischen Trunk. In den La Plata-Staaten ist dies ganz besonders bequem, denn dasselbe Kaufhaus — Almacen genannt —, in welchem der Kolonist alle seine Bedarfsartikel, Maschinen usw. erhält, hat stets einen Ausschank Alkoholischer Getränke, von dem harmlosen, aber .euren1) Biere bis zum Absinth und ähnlichen Giften. Der jüdische Landwirt ist aber meist kein Freund von Spirituosen, und um sich zu erfrischen, 4'eht er zum Obsthändler, wo er sich an allerhand 'Tüchten labt, die ihm sein eigenes Land noch nicht gibt. Die Fruchthändler tragen dem natürlich gern Rechnung, stellen oft Bänke und Stühle in ihr Geschäft, verkaufen außer Obst und Gemüse, *) Eine Flasche Bier kostet im Detailverkauf 70 Centavos 12 M. Sodawasser und Limonaden, so daß sich bei ihnen dasselbe Leben und Treiben abspielt, wie im Gasthause eines . deutschen Landstädtchens. Es gibt in Medanos eine vollständig organisierte jüdische Gemeinde,- zu welcher auch alle nicht zu entfernt wohnenden Farmer gehören. Die Gemeinde besitzt eine Synagoge, eine Religionsschule, und außerhalb der Stadt einen eigenen Friedhof. Außerdem existiert eine rührige zionistische Vereinigung, ,,Bene Zion" genannt, welche eine ganz stattliche Bibliothek von hebräischen und Jargon-Büchern ihr Eigen nennt, und häufig Versammlungen, Feste und Vortragsabende, die stets mit einer Kollekte für den jüdischen Nationalfond verbunden sind, abhält. Die eigentliche Sehenswürdigkeit von Medanos bilden aber die den Ort umgebenden Sanddünen, welche im Begriff sind, sich in blühende Obstplantagen zu verwandeln, und so der ganzen Gegend eine große ökonomische Wichtigkeit zu geben. Die Anregung zu dieser Kultur ist von einem der ältesten jüdischen Ansiedler, namens Simon Güller, ausgegangen, der sich schon in seiner Fleimat in Bessarabien mit Weinbau beschäftigt hat. Da es, wie schon erwähnt, in der Gegend wenig regnet und der Dünensand in der Sommerhitze leicht die jungen Pflanzen verbrennen könnte, so hat Herr Güller für je vier Hektare große Wasserwindmotore erbaut, die aus den Dünen klares Wasser herauspumpen