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Ost und West · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. Seite 449 - 450

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Article
Die Schulen der Alliance in den Jahren 1913 - 1914
Date
1914-06-01
Page
Seite 449 - 450 (sequence 2)
Language
German
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449 Die Schulen der Alliance in den Jahren 1913—1914. 450 / Larache. Seit ihrer Begründung im Jahre 1902 haben die Schulen in Larache sich fortgesetzt entwickelt; die Schülerzahl ist in den zehn Jahren von 143 auf 267 in der Knabenschule rund von 83 auf 170 in der Mädchenschule gestiegen. Da Larache zu der an Spanien gefallenen Zone gehört, mußten wir hier den spanischen Sprachunterricht weiter fördern und haben für diesen Zweck einen ausgezeichneten Lehrer angestellt. Wir haben auch mehrere spanische Schüler, die den wohlhabendsten katholischen Familien angehören. Magnesia. Unsere Schüler, so schreibt Direktor Elnekawe, sind weiter fleißig gewesen. Sie und ihre Eltern sehen die Notwendigkeit des Unterrichtes ein, sie wissen, daß er ihren späteren Broterwerb bedeutet. In dieser Gemeinde brauchen wir den Eltern nicht erst Predigten zu halten, um sie von der Notwendigkeit des Schulbesuchs ihrer Kinder zu überzeugen.;Wenn auch nicht alle Schüler mit dem, gleichen ßildungsgrad unsere Anstalt verlassen und nicht .alle das vollständige Schulprogramm absolvieren, ßo dürfen wir doch feststellen, daß kein einziges JKind unserer Gemeinde nicht wenigstens drei bis vier Jahre unsere Schule besucht hat. Für manchen vorzeitigen Abgang aus 3er Schule ist die große Armut der Eltern der einzige Grund gewesen. In -der nichtjüdischen Bevölkerung steht unsere Schule fortgesetzt in großem Ansehen. Armenische, griechische und mohammedanische Familien haben uns auch in diesem Jahre wieder eine große Anzahl Kinder geschickt. Unsere nichtjüdische Klientel besteht hauptsächlich aus den Kindern der Eisenbahnbeamten, die sie uns auch aus entfernteren Stationen schicken. Lehrlings werk. Unser Lehrlingswerk schreitet nur langsam vorwärts. Die Stadt Magnesia hat mehr ackerbautreibende als industrielle Bevölkerung. Die Zahl der Handwerke, in denen wir unsere Schüler unterbringen können, ist sehr begrenzt, es kommt dafür nur die Schmiede, die; Tischlerei und der Karrenbau; in Betracht. Vergebens haben wir versucht, den Schülern den Zugang zur Kesselschmiede zu verschaffen, einem in diesem Lande ziemlich lukrativen Handwerk, weil Kupfergeräte hier in jeder Küche gebraucht werden. Aber die Griechen, die dieses Handwerk in Händen haben, halten es eifersüchtig fest, denn sie fürchten die Konkurrenz der Juden. Unsere Vorgänger und wir selbst haben uns Mühe gegeben, Lehrlinge bei Kupferschmieden anzubringen; aber selbst da, wo dies gelungen war, verlieren die Lehrlinge bald die Geduld, denn die Meister verwenden Sie zu gar keiner # richtigen Arbeit, sondern lassen von ihnen nur die Laufereien besorgen. Bei den anderen hier allgemein üblichen Gewerken — Zink-, Schneider- und Schusterhandwerk — suchen unsere Schüler sich selbst die Lehrlingsstellen; sie werden meist von Juden ausgeübt, die Zinkarbeiten ausschließlich von Juden. Mazagan. Direktor Israel Benaroya schreibt uns: Unsere Schüler sind im Durchschnitt gut begabt. Sie haben Frische und guten Willen für das Lernen und meist für alles, was ihnen neu ist. Leider werden diese guten Anlagen oft durch die Gleichgültigkeit mancher Eltern durchkreuzt. Einige von ihnen sind einigermaßen mit ihrer großen Armut zu entschuldigen, sie halten die Kinder für die Hausarbeit zurück oder um etwas zur Bestreitung des Lebensunterhalts verdienen zu helfen. Andere schicken die Kinder lieber in die „Snoga" oder den Cheder, wo sie die Gebete auswendig lernen und wo ihnen der fehlerlose Vortrag des Wochenabschnitts und der Haftarah eingeprägt wird. Glücklicherweise bilden die letzteren nicht die Mehrheit in unserer Gemeinde, und viele wohlhabende Familienväter wissen den Wert der Schulbildung zu würdigen und schicken uns ihre Kinder zu regelmäßigem Schulbesuch. Viele dieser Gemeindemitglieder sind gereist und haben die Alliancesehulen, in Tanger und Tetuan besichtigt. Andere stehen im Briefwechsel mit Kaufleuten dieser Städte, die ehemalige Schüler der Alliancesehulen sind. Sie sind deshalb imstande, die unschätzbaren Vorteile des Unterrichts zu begreifen, und zeigen ein aufrichtiges Interesse für alles, was die Schule betrifft. Mequines. Erst im Jahre 1910 sind in Mequines Allianceschulen begründet worden. Es scheint uns von Wert, ausführlichere Auszüge aus dem Bericht des Direktors Moyal zu geben, weil man bei genauerer Kenntnis der ursprünglichen Verhältnisse in einigen Jahren besser imstande sein wird, die Umwandlung zu würdigen, die die Schulen innerhalb der Gemeinde geschaffen haben werden. Der Meli ah. Der Mellah liegt am äußersten West-Südwestende Von Mequines in einer Senkung am Fuße des Hügels, auf dem sich die Araberstadt erstreckt. Diese für die Luftversorgung sehr ungünstige Lage rnaeht außerdem aus dem Mellah den Aufnahmeplatz für alle Abfälle, die erst durch den ganzen Stadtteil und schließlich bis an die Haustüren geschleift werden, wo sie die Luft verpesten und 'die an den Häusern liegenden Gemüsegärten^ zu fortwährenden Epidemieherden machen. Seit unserer Ankunft in Mequines haben wir im Maßstab unserer bescheidenen Mittel versucht, einige Verbesserungen *in der öffentlichen Hygienie herbeizuführen. Mit Hilfe des Großrabbis und einiger Notabein haben wir unter den Auspizien des Generals Dalbiez ein Reglement eingeführt, dessen hauptsächlichste Anordnungen wir hier folgen lassen: 1. Es 'ist verboten, Schmutz und Abfälle auf die Straßen zu werfen; 2. die Wirtschaftsabfälle werden in Körbe getan und diese den städtischen Straßenkehrern, übergeben, wenn sie mit ihren Eseln vorüberziehen. Die alte „Zebala", das ist der Unratberg, der sich in ungefähr 30 Meter Entfernung vom Mellah auftürmte, ist abgetragen und um 200 Meter weiter hinausgeschoben worden. Endlich habe ich unter den verschiedensten: Vorwänden das Anstreichen der Häuser durchgesetzt, was sonst fast niemals gemacht worden war. Diese 'Anstriche sollen in der Hauptsache hygienischen Zwecken dienen, geben den Häusern ein gefälligeres, sauberes Aussehen und mildern den verfallenen Zustand der Gebäude. Die jüdischen Wohnstätten. Alle Häuser sind in demselben Stil gebaut; um e'inenj

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