Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. Seite 379 - 380

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
Erwiderung des Central-Comités der Alliance auf eine Kritik des Schulwerks
Date
1914-05-01
Page
Seite 379 - 380 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2583875-2584047-2584052-2596619--15594-2596672
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

379 Erwiderung des Central-Comites der Alliance auf eine Kritik des Schulwerks. 380 sehr kurzsichtig sein, wollten sie das nicht bemerken, was selbst den vorurteilsvollsten und mißgünstigsten unter unseren Feinden auffällt. Unmittelbar nach ihrer Begründung empfand die Alliance bereits im richtigen Instinkt die von ihr zu erfüllende Mission der Wiedergeburt der Juden des Ostens. Sie fühlte, daß sie um jeden Preis in diese schläfrigen Gemeinden des Orients und Afrikas eindringen müsse, um sie aus ihrer Trägheit zu ziehen, ihre Apathie aufzurütteln, sie über ihren ernsten Verfall aufzuklären, ihnen den Wunsch einzuflößen, an dem allgemeinen Fortschritt teilzunehmen, ihren geistigen Blick den modernen Ideen zu erschließen — mit einem Wort: sie der abendländischen Zivilisation zuzuführen. Alle unparteiischen Reisenden, die die Gegenden besucht haben, wo die Alliance Schulen geschaffen hat, erkennen die Größe und die Wirkung des von der Alliance vollbrachten Umwandlungswerks. Im Jahre 1910 schrieb Herr Oskar Strauß, der Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, folgendes darüber: „Konstantinopel, den 10. April 1910. Wer mit der Lage unserer Glaubensgenossen in diesem Teil der Welt vertraut ist, muß Bewunderung fühlen für die Größe des Werkes, das die Alliance geschaffen, indem sie unseren Glaubensgenossen Erziehung und moralische Hebung zuteil werden ließ und ihre wirtschaftliche Lebenshaltung erhöhte. Ich habe die Schulen und anderen Institute besucht, die die Alliance in Konstantinopel, Saloniki, Smyrna und vielen Orten eingerichtet hat, und kann aus eigener Anschauung Zeugnis ablegen für das große und edle Werk, das die Alliance geschaffen hat. Die Alliance ist für die Juden des Orients Schirm und Schutz. Der Schutz, den die Regierungen der verschiedenen Staaten ihren christlichen Landesgenossen angedeihen lassen, den gewährt die Alliance den Juden. Ich habe eine Anzahl junger Leute gesehen, die in den Schulen der Alliance erzogen worden sind und sich zu nützlichen Führern ihrer Glaubensgenossen entwickelt haben. Ohne die Vorteile, die die Schulen der Alliance bieten, würden sie in derselben unglücklichen Lage verblieben sein, in der sich die Mehrzahl ihrer Brüder befindet. Die Arbeit, die die Schulen der Alliance geleistet haben, kann nicht genug anerkannt werden. Aber es bleibt noch so viel zu tun übrig, daß es mir eine große Genugtuung sein würde, wenn das, was ich ausgeführt habe, sei es auch nur in geringem Maße, zur Größe, zum Gedeihen und zur Entwicklung des Alliancewerkes beitragen könnte, das für unsere im Dunkel der Unwissenheit schmachtende Brüder im Osten ein Gottesgeschenk und ein Segen geworden ist. Dieses Werk macht den Ruhm und die Ehre des fünfzigjährigen Jubiläums der vornehmsten Gemeinschaft aus, die mit so sichtbarem Erfolg für die Hebung der Söhne und Töchter Israels gewirkt hat/' Herr Strauß hat sein Urteil nicht von seinem Arbeitszimmer aus und nicht aus Berichten von zweiter Hand gebildet, sondern erst nachdem er die Gemeinden der Türkei bereist und mit eigenen Augen diese Umwandlungen festgestellt hatte, die durch die Allianceschulen bewirkt worden waren. Nun klingt der Ton aus einer anderen Glocke, das ist die von einem der angesehensten ottomanischen Staatsmänner ausgesprochene Meinung. Der Brief ist an den Verband ehemaliger Allianceschüler" in Smyrna gerichtet und hat folgenden Wortlaut: „Smyrna, den 3. April 1910 Sehr geehrte Herren! Hiermit bestätige ich den Empfang Ihres gefl. Schreibens vom 29. März, in dem Sie die Aeußerung meiner Meinung über die Alliance Israelite Universelle, über die Feier ihres fünfzigjährigen Jubiläums und über ihr Gesamtwerk erbitten. Der wohlbekannte philantropische Zweck der Alliance kann nicht lebhaft genug von allen anerkannt werden, die die baldige wirtschaftliche und sittliche Erhebung des israelitischen Teils der Menschheit wünschen, der als erster den wahren Gotteskultus verbreitet und eine so glorreiche Vergangenheit aufzuweisen hat. Die hilfreiche Hand, die die Alliance unseren jüdischen Mitbürgern bietet, ist für uns alle sehr wertvoll, weil sie zur Hebung eines Teils des ottomanischen Volkes beiträgt. Indem sie Ihr Wohlleben sichert, wird sie auch Ihre Herzen als getreue Ottomanen gestärkt haben. Genehmigen Sie, meine Herren, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. > Der Generalgouverneur Mahmud Mukthar." In allen großen Kontoren in Konstantinopel, Saloniki, Smyrna, Tanger und Tunis ist der Fortschritt der jüdischen Bevölkerung augenfällig. Ist es dann erlaubt, zu sagen: „Sie werden wieder ebenso schmutzig und elend wie ihre Vorfahren, Trödler, Hausierer, kleine Handwerker, Kommissionäre?" Kann man nicht in der ganzen Türkei, in Persien und in Afrika die von ehemaligen Allianceschülern ausgehende fortschreitende Gestaltung eines Mittelstandes beobachten, der früher nicht bestanden hat, und der jetzt, dank dem Bildungsstand seiner Mitglieder das Handelsgebiet vergrößert, die Geschäftsbeziehlingen zum Abendlande erweitert, sich an der entstehenden Industrie beteiligt und den Griechen und Armeniern das Tätigkeitsfeld streitig macht, auf dem diese bisher die einzigen Gebieter gewesen sind. Die kleinen Hausierer und ungelernten Handwerker vermindern sich mehr und mehr. Dagegen wird mit beträchtlichen Mühen das Erlernen der Handwerke betrieben, die ihren Mann ernähren. Diese langsame Hebung der Volksmasse zu einer besseren Lage gehört zu den vornehmsten Erfolgen der Schule. Aber kümmert sich Professor Philippson darum? Ja, wenn die Alliance Aerzte, Advo-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.