Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Ein neues Heine-Buch [Rezension]
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 275 - 276 (sequence 3)
- Language
- German
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275 Sigmar Mehring: Ein neues Heinebuch. 276 Heine*Denkmal im Jahre 1893 von Herrn Robert Visser, Direktor des Düsseldorfer Verkehrs=Vereins, in Französisch*Congo errichtet. Park des Verlegers Campe. Es ist das von dem Dänen Hasselries geschaffene Marmorbild, das die große Heineverehrerin, Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, einst vor ihrem Schloß in Korfu aufstellen ließ, das aber, als Kaiser Wilhelm den Besitz aufkaufte, einem deutschen Achilleus weichen mußte. Es gibt noch einen Heinebrunnen mit dem Marmorbild des Dichters, von Ernst Herter geformt und in einem großen Park von Newyork errichtet. Auf deutschem Boden birgt das Heine-Archiv der Stadtbibliothek von Düsseldorf eine Heinebüste des Düsseldorfer Bildhauers Adolf Schmieding. Dort, in der Bolkerstraße, weist auch das Gebuitshaus des Dichters ein Bronzerelief auf. Preußen verdankt sein erstes Heinedenkmal dem Halleschen Heinebund. Es rührt von dem Bildhauer Paul Schönemann her und zeigt, mit Sockel in einer Höhe von drei Metern, die überlebensgroße Büste des Dichters, wie er in den letzten Leidensjahren aussah. Man hat es im Garten des Vergnügungslokals „Trothaer ^Schlösschen" zu Halle aufgestellt. Berlin besitzt eine Erinnerungstafel an dem Hause Taubenstr 32, wo Heine 1821 gewohnt hat. Im Bürgerpark von Bremen hat man dem Andenken des Dichters eine Ruhebank mit seinem Bildnis gestiftet. Und drei Lehrer aus Bremen haben einem mächtigen Granitblock, der in der Gegend von Summland bei Oldenbüttel in einsamer Heide von hohen grünen Kiefern umragt wird, den Namen Heine eingemeißelt. Auch im Garten einer Villa in Hitzing bei Wien soll eine Heinebüste stehen. Das Ausland beherbergt außer dem Heinebrunnen in Newyork und dem Grabdenkmal des Dichters auf dem Montmartre in Paris auch noch in London ein Erinnerungszeichen, eine Bronzetafel am Hause Craven- Street 22 mit der Inschrift: „Heinrich Heine, deutscher Dichter und Essayist (1799 bis 1856), lebte hier 1827". Ja, sogar am Kongo wurde dem Dichter ein Denkstein gewidmet, in der Wildnis von Mayumbe, und die Verse künden: Hier hat in einer stillen Nacht Ein deutscher Dichter dein gedacht. Den Wohlklang deiner schönen Lieder Gab hier des Urwalds Echo wieder. Erwähnt sei noch von den plastischen Bildnissen eine Heinebüste von Danny Gürtler und das erste, aus dem Jahre 1851 stammende Heinerelief von David d'Angers, das eines der getreuesten Porträts des Dichters sein soll. * * * Wie müssen diese vielen Denkmäler den armen Dr. Werner kränken! - Auf dem Titelblatt stellt sich Dr. Werner als Mitglied des Reichstags vor. Wie kam er dahin? Er schlug sich zu jener Partei, die von Stöcker über Ahlwardt zu .... nun zu Dr. Werner führt. Er ist Gymnasiallehrer in Gießen, und er wird, wenn er seinen Schulbuben Geschichtsunterricht gibt, ihnen wohl auch vom Rheinland erzählen, und daß selbstverständlich auch der Fürst des Hessenlandes dazu gehörte, der ein Zeitgenosse Heines war. Ja, der Jude Heine vergötterte Napoleon. Aber was taten die braven Fürsten des Rheinbundes? Besorgt um ihr Thrönchen verschrieben sie sich mit Haut und Haar dem Napoleon gegen die deutsche Vormacht Oesterreichs. Das war echt deutsch. Dr. Werner übt auch Kritik an Heines Verfahren in Geldangelegenheiten. Heine war unersättlich im Geldgewinn, wird ihm vorgeworfen. Ist er als Millionär gestorben? Hat er, zumal in den letzten zehn Jahren, wie ein Millionär gelebt? Was Heine zu Lebzeiten durch seine Bücher und Unterstützungen seines millionenschweren Onkels erworben hat, ist ein Bettelpfennig im Vergleich zu den ungeheuren Summen, die ... . fremde Leute an Heines Schriften ein Jahrhundert lang verdient haben und immer noch verdienen. Heine ist tot, und man schimpft in Deutschland über die unsaubere Art, in der er sich manchmal Geld zu beschaffen suchte — es war doch meistens kaufmännische Ungeschicklichkeit oder eine bei Künstlern erklärliche unbesonnene Ueberstürzung —, und man zieht Gewinn auf Gewinn aus seinen Werken, die zu den am meisten verbreiteten unserer großen deutschen Dichter gehören. Sie werden vielleicht auch das Schriftlein des Gymnasiallehrers Dr. Werner überleben — trotzdem das Lustigste darin, die Fülle der Zitate nämlich, von Heine stammt. Das Lustigste! Aber auch Lustiges ist drin, auf das, wie schon gesagt, der Verfasser ein Eigentumsrecht hat. Man kann sich des Lachens