Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Ein neues Heine-Buch [Rezension]
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 273 - 274 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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273 Sigmar Mehring: Ein neues Heinebuch. 274 das ist der Gipfel des Witzes — alle zusammen aus dem einen großen Laster herrühren, daß Heine Jude ist Hier haben wir — endlich nun Scherz beiseite! — den Angelpunkt, um den sich bei dem Heineleugner Dr. Werner — es liegt länger kein Grund vor, diesen Namen zu verschweigen — alle Angriffe gegen Heine drehen. Alte, längst widerlegte Beschuldigungen, unbeweisbare Verdächtigungen, gröblich mißverstandene Selbstironien des Dichtersund neu erfundene Unterstellungen häuft Dr. Werner zu einem Müllhaufen von erklecklicher Höhe und stellt sich selbst darauf, um an den Riesen Heine, gegen den er kämpfen will, heranzureichen. Der fremde Herr aus Gießen will dem deutschen Dichter Heine, in dessen Sprache er schreibt und redet, kein Denkmal zubilligen. Um die Berechtigung einer solchen Auszeichnung für Heine haben sich größere Geister gestritten. Und wenn der Gymnasiallehrer auch berühmte Männer für seine Meinung anführen kann, die Dichter Felix Dahn und Rosegger, den Nationalökonomen Professor Adolf Wagner, so steht doch eine stattliche Reihe anderer auf der entgegengesetzten Seite: die Dichter Spielhagen, M. G. Conrad, Lingg, Paul Heyse und Wildenbruch, der Sprachgelehrte Max Müller, der Nationalökonom Professor Lujo Brentano,und dann einer,dessen Name vielleicht doch dem Herrn aus Gießen stärker ins Ohr klingen wird, und das ist Bismarck. Sigmund Münz bezeugt in seinem Buche ,.Von Bismarck bis Bülow" den Ausspruch Bismarcks über Heines Verehrung für Napoleon: „Ich hätte, wäre ich an seiner Stelle gewesen, kaum anders gehandelt. Hätte es mir, wenn ich wie Heine als Jude geboren wäre, gefallen können, daß man um 8 Uhr abends die Tore der Judenstadt abgesperrt, überhaupt die Juden unter die schwersten Ausnahmegesetze gestellt hat? Ein Heine muß naturgemäß in dem Manne, der die französische Gesetzgebung in die Rheinlande brachte, die Ausnahmegesetze insgesamt aufhob, einen Erlöser von martervollem Drucke preisen . . . Und vergessen die Herren denn ganz, daß Heine ein Liederdichter ist, neben dem nur noch Goethe genannt werden darf, und daß das Lied gerade eine spezifisch deutsche Dichtungsform ist?" Der Streit für und wider ein Heinedenkmal wurde im'Jahre 1895 durch die Rundfrage des Mainzer Schriftstellers Hans R. Fischer aufgerollt. Inzwischen hat sich vieles geändert. Der Magistrat von Frankfurt hat auf Herrn Werner, der sich ja gern als Warner aufspielt, Lorelei Teilansicht des Heinebrunnens in New York von Professor Ernst Herter, Berlin. nicht gehört. Die Stadt besitzt seit dem vorigen Jahr ein stattliches Heinedenkmal von Kolbe. — Und auch der Senat von Hamburg hat seine frühere ablehnende Haltung aufgegeben — vielleicht durch Stimmen, wie die1 des Herrn Werner, zur Besinnung gebracht. Hamburg wird ein hervorragend schönes Heinedenkmal erhalten, ein Standbild aus Bronze. Alfred Kerr hat es angeregt. Hugo Lederer hat es geschaffen. Das früher vom Hamburger Senat nicht zugelassene Heine-Denkmal steht seit 1909 in Blankenese im