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Ost und West · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 203 - 204

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Jüdische Porträtminiaturisten
Date
1914-03-01
Page
Seite 203 - 204 (sequence 5)
Language
German
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203 Ernst Lemberger: Jüdische Porträtminiaturisten. 204 theilte. Sein Eifer für die neue Glaubenslehre wurde so groß, daß er bald mehrere jüdische Familien auch für dieselbe gewann. Ich nenne nur beispielsweise Sensburg, Gotthardt, Förchtgott, Westen etc. Er verehelichte sich mit Katharina Friedrich, der Tochter Heinrich Friedrichs, eines Malers. Seinen Lebensunterhalt bezog er anfangs aus einem Galanterie-Krämergeschäfte; allein durch verschiedene Diebereyen und andere häusliche Unfälle wurde er schon nach vier Jahren zum gänzlichen A^erderben gebracht. Um sein und seiner drei ersten Kinder Leben zu fristen, mußte er sich daher zu den geringsten Arbeiten verwenden lassen. Ein glücklicher Zufall führte ihn in die Werkstätte der zwei berühmten Maler Nicol. Groot und Lorenz Theisinger, welche bei ihm wohnten und die Mittags- und Abendkost nahmen, bald den in ihm verborgenen Keim zum Künstler entdeckten, und zur Reife zu befördern suchten. Dazu trug noch vorzüglich der Domdechant Franz Konrad Graf Stadion bei, welcher ihn auch in der Nahrung und Kunst kräftigst unterstützte und sogar die Ernährung seiner Frau und Kinder übernehmen wollte, während er zur höheren Ausbildung nach Rom auf dessen Kosten reisen sollte. Doch diese Begünstigung nahm er aus Liebe zu seiner schönen Gattin nicht an, welche dem hohen Gönner selbst zu gefallen schien. Die große Unterstützung seines stillen Triebes für die Malerkimst spornte ihn zu so unermüdetem Fleiße und Nachdenken, daß er sich selbst allmählich zum Künstler emporschwang. Im Jahre 1766 ernannte ihn der Reichsgraf Erwin von Schönborn zum Aufseher der Gemäldegalerie in Pommersfelden — eine Stelle, an Tercmias David Alexander Fiorino: UiLlnis i ines^L'r.bekannton. welcher Treu noch mehr sich vervollkommnete. Er verwaltete sie bis zum Tode des alten Grafen, worauf ihm sein Sohn unter dem Grafen Hugo Damian von Schönborn nachfolgte. Im höheren Alter war er nämlich sehr schwach am ganzen Körper geworden, weswegen ihn der Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal mit einer schmalen Pension von 150 fl. begnadigte, welche ihm auch der nachfolgende Fürst Christoph Franz von Buseck aus seiner Privatkassa zahlen ließ. Er starb am 8. Juni 1796, nachdem seine Gattin schon neun Jahre, und zwei seiner Kinder zehn Jahre vor ihm verschieden waren. Er hinterließ noch einen Sohn und zwei Töchter." Joseph Marquard Treu malte Porträts in Öl. Heiligenbilder, historische Darstellungen und Miniaturbildnisse. Er war kein Künstler von überragender Bedeutung. Unter den Bamberger Malern jedoch nimmt er immerhin keinen ganz untergeordneten Platz ein. Der Miniaturmaler Johann Nicolaus Treu, sein Sohn, kam am 16. Mai 1734 in Bamberg zur Welt. Er studierte erst Philosophie bei den Jesuiten, wandte sich aber später der Kunst zu. Er wurde würzburgischer Hofmaler und starb 1786. Seine Schwester, Marie Anna, wurde am 26. Juli 1736 in Bamberg geboren. Sie malte Jagdstücke, aber auch Miniaturbildnisse. In erster Ehe war sie mit dem Regierungsadvokaten Gerold und nach dessen Tode mit dem Waisenhausverwalter Georg Ludwig Hemmerlein vermählt. Sie starb 1786. Johann Joseph Christoph Treu, der Bruder von Johann Nicolaus, erblickte 1739 in Bamberg das Licht der Welt. Er starb am 2. Oktober 1798. Er malte nicht in Miniatur, sondern nur in Öl, und zwar: „gewöhnlich nur Schauer, Schrecken und Verwunderung erregende Gegenstände." Rosalie Treu wurde am 18. Februar 1741 zu Bamberg geboren. Sie war die Begabteste unter ihren Geschwistern. Auf Veranlassung des Herzogs von Zweibrücken widmete sie sich der Malerei. Nachdem ihre Geschwister das väterliche Haus verlassen hatten, lag die Erhaltung der Eltern fast ganz allein auf ihren Schultern. Jäck erzählt: ,,..... Der Obersthofmeister Graf von Rotenhan unterstützte sie im 28. Jahre ihres Alters zur Reise nach Würzburg, Mainz, Köln, Düsseldorf, Mannheim, an welchen beiden letzten Orten sie sich bei ihrem Geschäfte zwei Jahre verweilte. Sie kehrte dann nach Bamberg zu ihren Altern zurück, begab sich jedoch auf Veranlassung der Freifrau von Erthal (Schwester des Churfürsten) wieder nach Mainz, wo sie nach einem dreijährigen Aufenthalte 1776 in das arme Clarissen-Kloster wegen ihrer Gewandtheit auf dem Klavier, der Harfe und im Singen aufgenommen wurde, was ihr in dem nämlichen Institute ihrer Vaterstadt, Avegen ihrer Armuth, hartnäckig verweigert worden war. Vier Tage vor dem Verlaufe des Noviziats erklärte sie aber ihren ernstlichen Willen zum Rücktritte in den weltlichen Stand, und kehrte nach Bamberg zu ihren Altern zurück, wo sie ihren Eifer im Portraitmalen von Neuem erprobte. Nach zehn Jahren verehelichte sie sich mit Joseph Dorn, dem viel jährigen Hausgenossen ihrer Altern, mit welchem sie die folgenden Jahre in der vergnügtesten Ehe bis jetzt fortlebt." Joseph Dorn war auch Miniaturmaler. Ob auch er von Juden abstammte, ist mir nicht bekannt. Rosalie Dorn starb am 19. Dezember 1830.

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