Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Jüdische Porträtminiaturisten
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 205 - 206 (sequence 6)
- Language
- German
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205 Ernst Lemberger: Jüdische Porträtmiriiaturisten. 206 Das jüngste Kind von Joseph Marquard Treu, Katharina, kam am 21. Mai 1742 zur Welt. Sie betätigte sich schon mit zehn Jahren — „bald nach dem ersten Genüsse des Abendmales", wie Jäck berichtet — als Malerin. Am 25. November 1769 wurde sie Kabinettmalerin des Kurfürsten Karl Theodor und am 15. Februar 1776 ordentliche Professorin der Düsseldorfer Akademie, Sie heiratete am 4. November 1781 Jakob König, einen reichen Hofbauern zu Schwetzingen, mit dem sie zwei Töchter hatte. Sie starb verarmt, als Witwe, am 11. Oktober 1811 in Mannheim. Wie wir hörten, hatte Marquard Treu einige jüdische Familien in Bamberg überredet, zum Katholizismus überzutreten. Darunter befanden sich auch die Sensburg und Westen. Nachkommen dieser beiden Geschlechter wirkten in Bamberg als Zeichenlehrer. Leopold von Westen, geboren am 15. April 1750 zu Bamberg, widmete sich erst der militärischen Laufbahn. Später begründete er eine Zeichenakademie, wo er Unterricht erteilte. Er starb als Ingenieur-Major am 19. Oktober 1804 in Bamberg. („Sein Leichenzug war der größte seit 1795 in unserer Stadt.") Adalbert Sensburg kam am 13. November 1771 in Bamberg zur Welt. Er studierte bei Westen, der später sein Schwager wurde, erteilte viele Jahren Zeichenunterricht in seiner Vaterstadt, und starb im Dezember 1823. Ein Schüler von Sensburg war Wilhelm Ney, der Sohn des Bamberger Schutzjuden Kallmann Ney. Er kam 1784 zur Welt, wurde bis zu seinem zwölften Jahre im Talmud unterrichtet, besuchte 1795 die jüdische Elementarschule, wo er 1797 bereits einen Preis erhielt, kam dann an das Realinstitut in Augsburg, wo er gleichfalls einen Preis gewann, und ging schließlich als Eleve an die Münchener Kunstakademie. Westen, Sensburg und Ney malten nicht in Miniatur, doch ging mancher geschickte Miniaturmaler aus der von Westen und Sensburg geleiteten Zeichenschule hervor. Ich nenne nur Philipp Joseph Kraus, den aus Bamberg stammenden Porzellan- und Miniaturmaler. Ob aber Kraus von jüdischen Vorfahren abstammte, ist mir nicht bekannt. 1769 kam der frühere „Zehngebotschreiber" Löw Pinhas nach Bamberg, wo er als Miniaturmaler wirkte. Löw Pinhas, der nach 1790 in Bamberg starb, stand in den Diensten des fürstbischöflichen Hofes. Der Hofmaler Löw Pinhas war der Vater des Kasseler Hofminiaturmalers Salomon Pinhas und der Großvater des Miniaturmalers und Zeitungsredakteurs Dr. Jakob Pinhas. Salomon Pinhas starb 1837. Dr. Jakob Pinhas, der im August 1788 zur Welt kam, widmete sich später der politischen Laufbahn. Bis 1850 leitete er die ..Kasselsche Allgemeine Zeitung". Der glänzendste jüdische Porträtminiaturist des XIX. Jahrhunderts war Jeremias David Alexander Fiorino. In meiner ,,Bildnis-Miniatur in Deutsch- Jeremias David Alexander Fiorino: Der Vater des Künstlers. land" veröffentlichte ich von diesem ausgezeichneten Meister eine ganze Reihe Bilder. Den dort publizierten Lebenslauf, den ich hier folgen lasse, verdanke ich den Mitteilungen des Herrn Alexander Fiorino, eines Neffen des Künstlers. Jeremias David Alexander wurde am 3. Mai 1797 in Kassel geboren. Er starb in Dresden am 22. Juni 1847. Sein Vater, David Alexander Fiorino, der aus) Göttingen stammte, übersiedelte später nach Kassel. Fiorinos Mutter, Hanna, war die Tochter des Bankiers und Armeelieferanten Salomon Abraham-Marburg. Auf das Talent des Knaben soll ein Tassenmaler der Kasseler Porzellanmanufaktur aufmerksam gemacht haben. Fiorino kam auf die Kasseler Akademie, wo er bald gute Fortschritte machte. In der ,,Kasseischen Allgemeinen Zeitung" vom 13. Juni 1816 heißt es: „..... Am 28. Mai, dem Namenstage ihres erlauchten Protektors, wurde die diesjährige Ausstellung der Akademie der bildenden Künste von dem Sekretär Herrn Professor Niemeyer eröffnet. . . . Eines vorzüglichen Lobes wurden würdig erkannt: die Herren Wilhelm Körner, Jeremias Fiorino (welche, nachdem sie im vorigen Jahre bereits die großen Preismedaillen erhalten haben, ihr Bestreben nach größerer Vollkommenheit in der Kunst aufs löblichste fortsetzen)." 1818 ging Fiorino nach Dresden, wo der Einundzwanzigjährige seine Studien