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Ost und West · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 121 - 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Die Glanzzeit des osmanischen Reiches
Date
1914-02-01
Page
Seite 121 - 122 (sequence 3)
Language
German
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121 Dr. Simon Bernfeld: Die Glanzzeit des osmanischen Reiches. 122 des Morgen- und Abendlandes Eingang fand. Salomo al Kabez pflegte sieh in Safet am Freitag nachmittag in Begleitung gleichgestimmter Mystiker nach der Stadtgrenze zu begeben, um dort die Prinzessin Sabbat" in feierlicher Weise geheimnisvoll einzuholen. Die Prinzessin Sabbat wurde mit dem von ihm gedichteten Willkommengruss empfangen:*) Komme Geliebter entgegen der Braut! Empfangt den Sabbat, lieb und traut!4* An den Sabbat knüpften sicli die messianischen Erwartungen. In der Kabbala kehit nämlich häufig das Bild wieder, dass die messianische Zeit, in der auf Erden Ruhe und Frieden herrschen wird, den ewigen Sabbat bedeute. Deshalb singt al Kabez in der Erwartung des herannahenden messianischen Sabbat: Zionsstadt ersteh doch wieder, Zeige dich im Glorienschein! Willst du mir im Tal der Träume Stets die Vielbeklagte sein? Schüttle ab die Alltagssorgen, Sieh, es naht der Tag dir schon, Da das Volk kommt zu erlösen Isais heissersehnter Sohn. Auf, o Stadt, aus deinem Schlummern, Sieh, es naht in heller Glut Dir ein Licht an jenem Oite, Wo der Glanz des Himmels ruht. Halte ein, o Stadt, die Tränen Allzulang' schon jammerst du Nur aliein in deinen Mauern Wird uns die ersehnte Ruh. Deine Feinde sind vernichtet. Die dich höhnend angeschaut, Und Gott freut sich deiner wieder Wie der Bräutigam der Braut. Wahrend al Kabez so den messianischen Erwartungen dichterischen Ausdruck gab und durch das Sabbatlied alle Gemeinden des Morgen- und Abendlandes mit der Hoffnung auf baldige Erlösung erfüllte, grübelte ein viel tieferer Mystiker und Theosoph, Isaak L u r j a über das WTesen aller Dinge, über Gott und die Natur und über das Herannahen des Gottesreiches, dem eine innere Läuterung Israels vorangehen müsste. Nach seiner Auffassung befand sich nicht nui Israel in Unfreiheit, sondern auch die Schechina Gottes, da nach seiner panth eistischen Weltanschauung die Sünde nicht nur die sittliche Befleckung der menschlichen Seele, sondern auch die Herabsetzung des göttlichen Weesens, die Störung der immerwährenden Emanation Gottes bedeutet. Auch er, der mitten im kabbalistischen Kreise zu Safet lebte, war ein religiöser Dichter. Allerdings kleidete er seine mystischen Gedanken nicht wie al Kabez in die Sprache der Bibel, sondern in die des Sohar, in das eigenartige aramäische Idiom, in dem die Bibel der Kabbpia geschrieben ist. Seine religiösen Dichtungen waren ebenfalls dem Sabbat, dem symbolischen Messiasreich, gewidmet, und zwar den Sabbatmahlen, die er mystisch als Versöhnungsmahle für Gott und Israel symbolisiert. *) Die Uebersetzung des bekannten Sahbatliedes nach •h Schwanthaler, mit einigen Aendemnjren (Winter niul Wünsche III. 94). Unter solchen Umständen, da die führenden Geister der jüdischen Gemeinden der Türkei die günstige Zeit verträumten, konnte man kaum an eine praktische organisatorische Tätigkeit denken. Ein bedeutender Kopf, Jakob Berab, ersann allerdings den Plan, auf palästinischem Boden die religiöse und geistige Einheit des jüdischen Volkes wieder herzustellen. In alter Zeit, während des zweiten Tempels, herrschte der Brauch der Ordination, die man bis auf Moses und Josua zurückführte. Nur ordinierte Gesetzeslehrer, d. h. solche, die von Ordinierten die Ordination erhalten hatten, durften religiöse und richterliche Entscheidungen treffen und Jünger ordinieren. Die Ordination selbst geschah symbolisch durch Händeauflegung, indem der Ordinierende seine Hände auf den Kopf des zu ordinierenden Jüngers legte. Es war dies eine Art Promovierung, die nur in Palästina vorgenommen werden konnte; auch wurde die Promotion in der ersten Zeit nur palästinischen Lehrern erteilt. Die Ordination bestand noch einige Jahrhunderte nach der Zerstörung des zweiten Tempels, hörte aber später mit der Beseitigung des palästinischen Patriarchats auf, da die Lehrhäuser in Palästina durch die politischen Vorgänge ihre Bedeutung verloren und die religiöse Führung in der Judenheit auf das babylonische Gaonat überging. JakobJ Berab wollte nun die Ordination f wieder herstellen und so dem heiligen Lande das Uebergewicht im religiösen Leben wieder verschaffen. Konnte man, so dachte er, nicht an die Wiederberstellung des Tempels gehen, da sich ja bekanntlich auf dem Tempelberg die Omarmoschee befand, und die Errichtung des Tempels an einer andern Stelle nach der religiösen Tradition als unzulässig erschien, so sollte wenigstens das geistige Jerusalem wieder erbaut werden. Das WTort des Propheten, das von Zion die Lehre ausgehe und das Gotteswort von Je usalem, sollte wieder zur W'ahrheit werden. Allerdings standen diesem Vorhaben ein wichtiges Bedenken entgegen. Nach der Tradition konnten nur ordinierte Lehrer die Ordination weiter erteilen, und solche gab es seit einem Jahrtausend nicht mehr. Aber Berab wollte eine Art Notgesetz schaffen und durch die Aussprüche anerkannter Autoiitäten beweisen, dass man, um die seit einem Jahrtausend ruhende Ordination wieder herzustellen, diesmal eine Ausnahme gestatten könnte. Zweifellos wäre eine Wiederherstellung der Ordination auf palästinischem Boden, wenn sie damals zustande gekommen wäre, für die weitere Entwickelung des Judentums von grosser Bedeutung. Jakob Berab selbst war eine anerkannte Autorität, auch gelang es ihm, für seinen Plan den damals schon bedeutenden Gelehrten Josef Karo zu gewinnen. Dieser Mann wrar eine eigenartige Erscheinung; er gehörte unstreitig zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der spanischen Judenheit. Er stammte aus einer Gelehrtenfamilie. Im Jahre 1488 in Spanien geboren, verliess er als vierjähriger Knabe mit seinem gelehrten Vater, Ephraim Karo, die spanische Heimat und lebte einige Zeit in verschiedenen Städten der europäischen Türkei. Später Hess er sich in Safet nieder, wo er zwar dem Kabbalistenkreise persönlich nahe stand, sich aber als klarer

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