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Ost und West · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 31 - 32

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Nachwort der Redaktion
Date
1914-01-01
Page
Seite 31 - 32 (sequence 4)
Language
German
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31 Nachwort der Redaktion. 32 Vereins selber haben zur Genüge dargetan, daß die hebräische Sprache für den Mittelschulunter- Hcht jetzt schon vollkommen ausreicht. Man durfte also das Hebräische nicht aus Gründen, die mit der Sache selbst nichts zu tun haben, prinzipiell und für immer als Unterrichtssprache ausschalten, ohne sich zu sagen, daß dies den Sturm entfesseln wird, der heute tatsächlich in Palästina unter der arbeitenden, schaffenden, kulturell einzig wertvollen jüdischen Bevölkerung tobt. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, zu wähnen, daß der Sturm sich bannen ließe, wenn man drei oder vier „zionistische Aufwiegler" in Palästina unschädlich machen oder gar durch die Vermittlung der Behörden aus dem Lande weisen ließe — wie dies, laut zuverlässigen Nachrichten aus Palästina, angestrebt worden ist. Die jüdische Bevölkerung Palästinas erkannte das bisherige Kokettieren des Hilfsvereins mit der hebräischen Sprache als ein Geflunker, darauf berechnet, ihr Sand in die Augen zu streuen, während er in Wirklichkeit ganz andere Ziele verfolgte. Die Bewegung hat daher die weitesten Kreise der dortigen Bevölkerung ergriffen, und wenn jetzt die zionistischen Führer sich ihr entgegenstemmen wollten, so würden sie ihre blauen Wunder erleben. Sie werden jetzt schon von den Juden in Palästina beschuldigt, durch Leichtgläubigkeit und Mangel an politischem Sinn dem Hilfsverein ins Garn gegangen zu sein und durch ihre Propaganda ihm die Wege gebahnt und zu einem für die Interessen der Juden im Orient gefährlichen Einfluß verholfen zu haben. Allein, was bisherige Förderer und Freunde des Hilfsvereins jetzt, leider viel zu spät, erkannten, haben alle Einsichtigen, die den Verhältnissen nähere Aufmerksamkeit widmeten, längst vorausgesehen. Schon vor Jahren haben wir nachdrücklich vor einem System gewarnt, welches die jüdische Arbeit mit Zwecken und Bestrebungen vermengt, die weitab von den wahren Interessen der Juden im Orient liegen und die ihnen am Ende verhängnisvoll werden können. Man lese, was wir schon im März 1906 (,,Ost und West", Seite 151/52) geschrieben haben. Dort heißt es: „Jede irgendwie nationalpolitisch ausgeprägte jüdische Organisation, sei es, daß sie einen französisch-nationalen, deutsch-nationalen oder englisch-nationalen Charakter trägt, muß nicht nur den Juden in den Ländern des Orients, sondern auch der nichtjüdischen Bevölkerung und vor allem den dortigen Gewalthabern als einseitige Repräsentation der politischen und wirtschaftlichen Interessen ihres Landes erscheinen. Nun sehen wir, daß die politische und ökonomische Rivalität der verschiedenen europäischen Mächte im Orient immer mehr wächst. Es ist also für die Dauer ganz ausgeschlossen, daß eine irgendwie national bestimmte jüdische Gesellschaft nicht mit einer der verschiedenen politischen Bestrebungen identifiziert, selbst gegen ihren Willen in mannigfache Intriguen verwickelt und so mit dem oder jenem Machtfaktor in Konflikt gerät. Dadurch müßte aber ihre Tätigkeit lahmgelegt und um jeden bedeutenden Erfolg gebracht werden. Ja, noch mehr. Durch eine derartige national gefärbte Propaganda würden wir unsere Brüder in jenen Ländern, wo wir ihnen helfen wollen, unweigerlich in die politischen Händel hineinziehen, sie in einen Gegensatz zu der heimischen oder andern einflußreichen Machtfaktoren bringen und auf diese Weise Gefahren über sie heraufbeschwören, deren Tragweite unermeßlich wäre und die in keinem Verhältnisse zu der Hilfe stünden, die wir ihnen zu bieten vermögen .... Umso mehr ist es für uns Juden heilige Pflicht, wenn wir nach dem Orient gehen, um unter unseren Brüdern eine Kulturmission zu erfüllen, jeden auch noch so entfernten Schein zu vermeiden, als stünden wir im Dienst irgend einer europäischen politischen Macht. Uns und unsere Schützlinge wird im Falle der Not und der Gefahr niemand schützen. Wir sind einzig und allein auf uns angewiesen." _ Einige Zeit darauf („Ost und West" 1906, S. 297) haben wir abermals mit besonderem Nachdruckauf die eminente Gefahr hingewiesen, welche „unseren Gesamtbestrebungen zur Hebung der Juden im Orient von seiten jener jüdischen Organisationen droht, die keinen universellen, i nter nationalen Charakter tragen, sondern als Vereinigung der Juden eines bestimmten Landes, einer bestimmten Nation auftreten. Wem die Ruhe und die natürliche Entwicklung unserer Brüder, speziell im Orient, aufrichtig am Herzen liegt, der muß es strengstens vermeiden, sie im Namen dieses oder jenes europäischen Staates „in Schutz zu nehmen". Dadurch müßten sie notwendig, wider ihren Willen und ohne ihr Wissen, in die ewigen politischen Händel und Intriguen der rivalisierenden europäischen Mächte verstrickt werden, und besonders in aufgeregten Zeiten von der einheimischen Bevölkerung als Feinde ihres Vaterlandes, gleichsam als eine fremde Besatzung, die fremde Interessen verficht, betrachtet werden.] Es ist ein falsch verstandener und übel angebrachter Patriotismus, wenn man die politischen und wirtschaftlichen Interessen des Vaterlandes mit allgemein jüdischen Fragen verquickt, zumal mit solchen, die die Juden im fernen Orient b e treffen." * * * Vielleicht wäre es ungerecht, den Leitern des Hilfsvereins einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie gerade das Gegenteil dieser Grundsätze zum Prinzip ihrer Wirksamkeit im Orient gemacht haben. Diese Männer waren, obwohl keineswegs jung an Jahren, doch in jüdischen Dingen von

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