Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Nachwort der Redaktion
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 29 - 30 (sequence 3)
- Language
- German
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29 Nachwort der Redaktion. 30 Berith-Logen; einzelne Organisationen und Privatleute in Amerika haben zusammen 17 Stipendien gestiftet. Ein Stipendium auf den Namen Achad Haams hat Wissotzky errichtet, 12 Stipendien sind in Deutschland gesammelt worden. Alle aus Amerika stammenden Geldspenden und Stiftungen sind ausschließlich der Propaganda des früheren Duma - Abgeordneten, des Dr. Schmarja Levin, zu verdanken, der in verschiedenen Städten Amerikas ca. 50 Vorträge über die Notwendigkeit eines hebräischen Technikums in Palästina gehalten hat. Die Herren Wilensky und Feiwel haben in Rußland ca. 80 000 Mark für das Technikum gesammelt und der Leitung des Hilfsvereins übergeben. (Daß diese Summe einstweilen anderen Zwecken zugeführt worden ist, kann weder den Spendern noch den Sammlern zum Vorwurf gereichen.) Der jüdische Nationalfonds hat das Areal, auf dem die Gebäude des Technikums sich erheben, im Werte von 100 000 Fr. zur Verfügung gestellt. — Man sieht, der Hilfsverein und seine leitenden Männer haben sich pekuniär nicht allzusehr angestrengt, um die Mittel für das geplante Technikum herbeizuschaffen. Aber wir betonen nachdrücklich, daß dies nur Nebensache ist. Denn „gäbe einer auch alle Schätze seines Hauses hin, spotten würde man seiner", wenn er sich deswegen anmaßen würde, ein Volk zu tyrannisieren. Völker sind nicht feil für Geldsummen. Wer sie lenken und regieren will, muß ihr Vertrauen und ihre Liebe gewinnen, und um dies zu erreichen, muß er mit dem Herzen und der Seele bei ihnen sein. Vor allen Dingen muß er ihnen tiefstes Verständnis entgegenbringen. Das Vertrauen und die Liebe, welche der Hilfsverein im Herzen der palästinensischen Judenheit gesäet hat, scheint aber nicht sonderlich groß zu sein, da er jetzt gezwungen ist, die Hilfe der Polizei und des deutschen Konsuls gegen die Lehrer und Schüler seiner „eigenen" Schulen anzurufen. Und von vielem Verständnis für die Volkspsyche zeigt es auch nicht, wenn man nach zehnjähriger Wirksamkeit mitten in einer Bevölkerung plötzlich in einen so schweren Konflikt mit ihr gerät und als Gegner ihrer tiefsten Herzenswünsche und seligsten Hoffnungen auftritt. Achad Haam hebt mit Recht hervor, daß die Sprachenfrage, die jetzt die Gemüter in Palästina zur Siedehitze gebracht hat, nicht eine Parteifrage der Zionisten ist. Auf diesen Punkt muß größter Nachdruck gelegt werden. In gewissen Kreisen hat man nämlich den jetzigen Zeitpunkt der Zerfahrenheit im Innern der Judenheit und der Bedrängnis von außen für geeignet erachtet, Oel ins Feuer zu schütten und durch eine spezielle Organisation eine regelrechte Hetze gegen die Zionisten und den Zionismus einzuleiten. Es kann unmöglich Zufall sein, daß das „Antizionistische Komitee" seine fieberhafte Tätigkeit gerade in dem Moment entfaltet hat, da der Hilfsverein den Zionisten, mit denen er so viele Jahre lang eng verbunden war, den Krieg erklärt hat. Nur in diesem Zusammenhange ist es verständlich, daß diese beiden Organisationen jetzt, wie auf Verabredung, die unerquicklichen Vorgänge in Palästina als „zionistische Mache" hinzustellen bestrebt sind. Nun, wir vertreten hier gewiß nicht den parteizionistischen Standpunkt, und sind von zionistischer Seite oft genug angefeindet worden. Erst vor kurzem haben wir uns wieder den Zorn der Zionisten zugezogen, als wir es für nötig erachtet hatten, gewisse Erscheinungen, in ihrer Partei einer objektiven Kritik zu unterwerfen. Hier handelt es sich aber durchaus nicht um Zionisten. Ein sehr großer Teil der jüdischen Lehrer und ebenso der weitaus größte Teil der jüdischen Bevölkerung Palästinas, die dort ihre ganze Kraft, ihren ganzen Eifer der Sache der hebräischen Kultur widmen, sind selber gar keine Zionisten im europäischen und im parteipolitischen Sinne. Hier handelt es sich um die Förderung oder Vernichtung einer Bestrebung, die seit zwanzig Jahren die Kräfte der besten Pädagogen und aller Männer der Oeffentlichkeit in Palästina absorbierte, deren endgültige Verwirklichung den seligsten Traum von Jung und Alt bildete, und die gerade der Hilfsverein seit Anbeginn seiner Tätigkeit hätschelte. Man kann der Bestrebung, die hebräische Sprache zur Unterrichtssprache für die höheren technischen Fächer zu machen, skeptisch gegenüberstehen und deren volle Verwirklichung erst für einen fernem Zeitpunkt wünschen, aber nachdem der Hilfsverein von Anbeginn das Hebräische in seinen Schulen als Unterrichtssprache anwandte, mußte er sich sagen, daß die prinzipielle Ausschaltung dieser Sprache als Unterrichtssprache auch aus der Mittelschule des Technikums einen schweren Schlag für die palästinensischen Juden bedeuten werde, da damit die bisher gehegten und von ihm selbst gepflegten Hoffnungen zunichte gemacht werden. Ob das Hebräische schon so weit den Bedürfnissen des modernen Lebens und der Wissenschaft angepaßt ist, um als Unterrichtssprache für technische Gegenstände zu dienen, das zu entscheiden, ist Herr Dr. Paul Nathan sicherlich am allerwenigsten berufen. Die beiden hebräischen Gymnasien in Jaffa und Jerusalem, sowie die Lämelschule und das Lehrerseminar des Hilfs-