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Ost und West · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 23 - 24

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Zur Sprachenfrage an den jüdischen Schulen Palästinas
Date
1914-01-01
Page
Seite 23 - 24 (sequence 3)
Language
German
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23 Achad Haam: Zur Sprachenfrage an den jüdischen Schulen Palästinas. 24 sogar Männer, die an den veralteten Anschauungen der Emanzipationsepoche festhalten, ihm erliegen.1) Selbst solche Männer, wenn es ihnen nur aufrichtig um den Eigenbestand des Judentums bangt, erheben ihren Blick zum Lande unserer Väter und sehen in der kulturellen und erzieherischen Arbeit daselbst einen Panzer vor dem vollständigen Untergang, also eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit für das ganze jüdische Volk, und nicht etwa bloß eine Wohltätigkeitsaktion „zum Besten unserer armen Glaubensgenossen im Osten." Das, Herr Redakteur, ist der einzig richtige Standpunkt, von dem aus die Beschlüsse in betreff der Unterrichtssprache am Technikum zu Haifa zu beurteilen sind. Es nützt nicht, mit unschuldiger Miene zu fragen: „Wozu der Lärm? Es handelt sich ja um eine praktische Frage. In einer orientalischen Stadt wird ein technisches Insdtitut gegründet, um der jüdischen Jugend jener Gegenden die Möglichkeit zu bieten, sich in den technischen Fächern auszubilden und nachher Arbeit und ehrlichen Erwerb zu finden. Für diesen Zweck ist eine reiche Kultursprache gewiß am besten geeignet, in der man alle Wissenschaften unterrichten und durch deren Vermittelung die Schüler Anschluß an die große Kulturweit finden würden. Gewiß sollen die Schüler auch gute Juden sein, deswegen haben wir beschlossen, daß sie auch Hebräisch in bedeutenden* Maße lernen sollen; aber das Hebräische zur Unterrichtssprache zu machen und dadurch den Schülern die Erreichung ihres Zieles zu erschweren, das wäre unerhört und ohne Nutzen für den eigentlichen Zweck." — Freilich, ein solcher Einwand wäre gerecht, wenn es sich um eine technische Schule in Smyrna oder Saloniki handelte. Dort wären „unsere armen Glaubensgenossen" dankbar für eine deutsche Schule, in welcher auch Hebräisch unterrichtet würde. Aber das ist es ja eben, daß in Palästina die Schulförderung ein höheres Ziel verfolgt, als bloße Philanthropie, und diesem Ziel entsprechen nur hebräische Schulen, in denen auch Deutsch (oder eine andere europäische Sprache) unterrichtet wird, nicht aber deutsche Schulen, in denen a u c h Hebräisch unterrichtet wird. Darin sind, wie wir gesehen haben, nicht nur Zionisten, sondern auch deren ausgesprochene Gegner einig, insofern ihnen an der Erhaltung des Judentums liegt und sie unsere Pflichten in der Gegenwart begreifen. Ich will damit nicht sagen, daß jedermann verpflichtet ist, an die besondere Wichtigkeit der palästinensischen Kulturarbeit für die Gesamtjudenheit zu glauben. Hierin kann es jeder nach seiner besteh Ueberzeugung halten. Aber wer ein Ideal, dem viele anhängen und dem sie mit Hingebung und Aufopferung dienen, leugnet — der möge sich damit begnügen, abseits zu stehen und kopfschüttelnd den anderen zuzusehen, die ihre Kräfte nutzlos vergeuden, aber es muß ihm verwehrt sein, in das Arbeitsgebiet der anderen einzudringen und dort nach Gutdünken zu walten, ohne Rücksicht auf deren Arbeit im Sinne Die Rede ist in extenso abgedruckt im Jewish Chronicle vom 7. November 1913. ihres Ideals, als wäre dieses einfach nicht vorhanden. Kulturmenschen sollten sich hüten, hochmütig über Dinge, die anderen heilig sind, hinwegzuschreiten. Nun kommen wir zu den Beschlüssen selbst und zu ihrer Wirkung auf die hebräische Erziehung, fn Wahrheit bedarf es keiner weitläufigen Erklärung, um den großen Schaden zu merken, den das hebräische Erziehungwesen und unsere Palästinaarbeit im allgemeinen erleiden würde, wenn die genannten Beschlüsse zur Tat werden sollten. Man bedenke: nach zwanzigjähriger harter Arbeit und fortwährenden Kämpfen gegen innere und äußere Hindernisse, haben wir es endlich dahin gebracht, daß die hebräische Sprache in den palästinensischen Schulen herrscht und immer mehr hinanreift, um dort als Basis des Erziehungswesens und der Kultur zu dienen. Und in dem Moment, da wir den völligen Sieg herannahen sehen, kommen Juden aus verschiedenen Ländern und errichten in gemeinsamer Arbeit ein neues Bildungsinstitut, eine Lehrstätte, die im Range höher steht, als alle bisherigen Schulen in Palästina, in diesem Institut aber soll eine fremde Sprache und somit auch ein fremder Geist herrschen, das Hebräische dagegen wird ins Ghetto zurückgewiesen, ganz wie in den Schulen der Diasporal Bedarf es erst eines Beweises, daß ein solcher Vorgang, abgesehen von der Kränkung, die in ihm liegt, geeignet ist, Demoralisation in die ganze Arbeit zu bringen und ihre Entwicklung zu hemmen, wenn nicht gar sie um viele Stadien nach rückwärts zu schleudern? — Aber einen Punkt möchte ich nachdrücklich betonen, weil ich ihn für den Schwerpunkt der ganzen Frage halte, der überdies noch nicht genügend geklärt worden ist. Im Kern nämlich handelt es sich hier gar nicht um Einzelheiten, etwa um die Unterrichtssprache dieses oder jenes Gegenstandes, sondern um die Grund be strebung, das hebräische Unterrichtswesen in Palästina von dem Einfluß des fremden Geistes zu befreien, der durch eine fremde Sprache unabwendbar vermittelt wird. Diese Grundbestrebung ist an und für sich eins der wichtigsten geistigen Güter, die wir uns in Palästina erobert haben. Inwieweit diese Bestrebung bereits verwirklicht worden ist, und wann sie ihr Ziel vollends erreichen wird, das sind gewiß sehr wichtige Fragen, aber Grundfragen sind es nicht. Hauptsache ist, daß diese Grundtendenz an sich fortwirke und immer tiefer in den Geistern Wurzel fasse. Wo eine lebendige Tendenz vorwaltet, weckt sie lebendige Kräfte, die sie in die Tat umsetzen, die unablässige Anstrengung dieser Kräfte bezwingt am Ende alle Hindernisse und erreicht ihr Ziel früher oder später, schrittweise oder auf einmal — das ändert am Wesen der Sache nichts. Die ersten Versuche, das Hebräische zur herrschenden Sprache in den palästinensischen Schulen zu machen, gelangen nicht ganz. Aber da das Streben nicht aufhörte und die Anstrengungen nicht erlahmten, fing die Arbeit schließlich an, Früchte zu > tragen. Allerdings haben wir den endgültigen Sieg; */noch nicht in Händen, aber die Hauptsache ist, daß 1 wir jetzt schon wissen, daß allen Schwierigkeiten zum

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