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Ost und West · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 25 - 26

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Zur Sprachenfrage an den jüdischen Schulen Palästinas
Date
1914-01-01
Page
Seite 25 - 26 (sequence 4)
Language
German
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25 Achad Haam: Zur Sprachenfrage an den jüdischen Schulen in Palästina. 26 Trotz die Sache nicht unmöglich ist und sichere Aussicht auf volle Verwirklichung hat. Die Bestrebungen müssen also gekräftigt und alle dahinzieienden Anstrengungen gefördert werden, bis das Ziel erreicht ist. Das ist die Basis aller Arbeit, und das ist auch das Kriterium, nach welchem wir jedes neue Lehrinstitut in Palästina beurteilen müssen, ob es mit uns oder gegen uns arbeitet. Wir wollen nicht abschätzen, in welchem Tempo ein Institut diesem unserem Hauptziel entgegenstrebt, aber es ist unerläßlich, daß es dies in einem gewissen Maße, und zwar in ausgesprochener und unzweideutiger Weise tut, da wir sonst das Ziel nicht erreichen werden. Der Weg" ist lang und beschwerlich, unsere Anstrengungen legen ihn Schritt für Schritt zurück. Was schon erreicht worden ist, braucht nicht mehr erstrebt zu werden und bedarf keiner Anstrengung. Wenn unsere Bemühungen gestern einen bestimmten Punkt erreicht haben und wir heute einige Schritte vorwärts zurücklegen, so gilt das Erreichte schon als sicherer Besitz. Und eine Institution, die gestern noch mit uns zusammen vorwärts schritt, darf heute nicht auf dem gestern eingenommenen Punkt stehen bleiben, ohne daß sie unversehens in die Reihen unserer Gegner gerät... Nach dem Gesagten wird man unsere Stellung zum technischen Institut vom ersten Moment, als es ins Leben gerufen worden ist, bis zum heutigen Tag, leicht begreifen. Von diesem Institut, das ja einen bestimmten praktischen Zweck verfolgt und nicht eine Schule schlechthin ist, kann man allerdings nicht verlangen, daß es sich an die Spitze stelle und einen Weg bahne, den noch niemand zuvor beschritten. Aber man kann und muß von ihm fordern, daß es gleichsam das Hintertreffen bilde, welches die Kolonne abschließt, auf einem Weg, der im wesentlichen schon erobert worden ist und keinerlei Gefahr mehr bietet, nur noch nicht ganz eben und bequem ist, wie jede Heeresstraße, und vom Wanderer einige Anstrengung erfordert. Das ist das Minimum von Forderungen, die wir an jedes neue Bildungsinstitut in Palästina stellen müssen. Demgemäß sind wir gezwungen, unsere praktischen Forderungen von Zeit zu Zeit zu erweitern, je nach dem Fortschritt der Arbeit im allgemeinen. Wenn die Lehranstalten in Haifa vor vier Jahren eröffnet worden wären (wie anfänglich vorausgesehen war), als noch keine genügenden Erfahrungen in bezug auf den wissenschaftlichen Unterricht mit hebräischer Vortragssprache selbst für Mittelschulen vorlagen, so wären unsere Forderungen viel geringer gewesen als heute. Und umgekehrt, wenn man jetzt alle unsere Forderungen, die dem gegenwärtigen Entwicklungsstadium der Arbeit entsprechen, gewähren, aber das Prinzip dieses Ausgleichs für immer festlegen wollte, nämlich, daß die^ technische Wissenschaft auch in Zukunft nur in~"deutscher Sprache vorgetragen werden dürfte, auch wenn es keine sonderlichen Schwierigkeiten mehr bieten wird, sie in hebräischer Sprache zu lehren, so wäre der Konflikt zwischen uns und der Leitung unvermeidlich, trotz der Uebereinstimmung in betreff der Gegenwart. Denn, wie gesagt, nicht die Einzelheiten an sich sind hier die Hauptsache, sondern die Anerkennung unseres Strebens nach einer wirklich hebräischen Erziehung, und die Bemühung, es gemäß dem jedesmaligen Stand der Dinge in die praktische Wirklichkeit umzusetzen. Sie sehen, geehrter Herr, daß ich hier mich ausschließlich mit der innerjüdischen Seite der Frage beschäftigt habe, ohne die politische Gefahr zu berühren, die unserer Arbeit in Palästina von Seiten einer Institution erwachsen kann, welche dort den Einfluß eines der großen europäischen Staaten zu stärken geeignet ist — ohne den Argwohn zu erwähnen, mit dem die anderen Staaten uns verfolgen, indem sie uns als die politischen Agenten jenes Staates verdächtigen, die ihm im Wettbewerb um den Einfluß im Orient Maklerdienste leisten. Dieser Punkt wurde schon von Andern behandelt und ich kann ihn hier unberührt lassen. Hochachtungsvoll Achad Haam. London, 14. Dezember 1913. NACHWORT D Wohl selten hat in der ganzen jüdischen Öffentlichkeit eine so tiefgehende Erregung geherrscht, wie die, welche jetzt allenthalben ob der Sprachenfrage an dem zu eröffnenden Technikum zu Haifa tobt. In Palästina herrscht unter den Juden ein förmlicher Aufruhr. Man hört, daß Lehrer und Schulkinder streiken, die Polizei, vom Konsul einer fremden Großmacht geführt, muß eingreifen, um die berühmte „Ruhe" herzustellen. Volksansammlungen in den Straßen müssen mit Gewalt auseinandergetrieben werden, öffentliche Protestversammlungen werden abgehalten, die Organe aller Parteien bringen Er- R REDAKTION, klärungen für und wider, sogar der offizielle Telegraph, für den sonst innere jüdische Angelegenheiten gar nicht existieren, regt sich und verkündet der Welt, daß in Palästina „einige Agitatoren" die jüdische Bevölkerung aufgehetzt haben, um der Welt zu beweisen, daß ruhige jüdische Arbeit in Palästina unmöglich sei. Der offizielle Draht zeigt ein besonders warmes Herz für ruhige jüdische Arbeit in Palästina. Und das weite jüdische Publikum, welches jeden Fortschritt der Kulturarbeit im Lande der Väter mit der wärmsten Sympathie verfolgt, steht verwirrt da und begreift nicht, daß in unserer Zeit, da wir

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