Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Jüdische Dozenten an der Beliner Universität
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 749 - 750 (sequence 6)
- Language
- German
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749 Jüdische Dozenten an der Berliner Universität. 750. Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. C. Liebermann. Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Adolf Pinner gestorben: 1909. Geh. Reg.^Rat Prof. Dr. S. Gabriel. meiste zur Verbreitung des russischen Poeten und Weltweisen aus Jasnaza-Poljana in Deutschland beigetragen. Als die letzten dieser „philosophischen" Privatdozenten seien Otto Warburg und Franz Oppenheimer genannt. Beide haben sich weit über die Enge fachwisscnschartlichler Kreise Namen gemacht. Otto VV a r b u r g gilt in seinem Fache der tropischen Botanik, besonders der tropischen Nutzpflanzen, als Autorität. Sein Arbeitsgebiet hat ihn schon früh mit den Problemen der Kolonialwirtschaft in Beziehung gebracht. Er wurde einer der Begründer des Kolonialwirtschaftlichen Comites, das — ehe der Geist Bernhard Dernburgs die deutsche Kolonialpolitik von der Bureaukratio kurierte — die einzige Stätte war, von ikWks *M. ^f* // Prof. Dr. Adolf Marcuse. Prof. Paul Magnus. zionistischen Ideale eingesetzt. Rudolf Eberstadt, der auch ein Vorkämpfer der Bodenreform ist, und Oppenheimer sind die ersten jüdischen Nationalökonomen der Berlind' Universität. Franz Oppenhcimers Weg ist eigenartig. Er kam von der Medizin hei'. In ihrer realistischen Zucht hat sein Fcucrkopl" die Straffheit, Irdischkeit, Greifbarkeit der Gedanken gefunden. Oppenheimer schloss sich später der Ilerzkaschen Frcilandbcwegung an, bis er in einer Schrift von genialer Intuition fand, dass das neue Ideal nicht auf dem Kenia nur zu verwirklichen sei. Sein „Freiland in Deutschland" enthält in Umrissen, was Oppenheimer später in einer Folge grosszügiger Werke über den Grossgrnndbesitz und die soziale Frage, die Sie dein ngsgenossenschaft, die Bevölkcrimgslehre näher ausgeführt hat. Man hat Oppenheimer den letzten klassischen Nationalökonomen genannt. Er will nicht in der Theorie stecken bleiben. Eine Studienfahrt nach Palästinahat das Ziel verfolgt, dort die praktische Durchführung der Sicdclungsgenossenschaft zu fundieren. Seine flammende Rednergabe hat die zionistische Partei für den Plan begeistert, und auch nicht-zionistische Kreise werden mithelfen, dass ein Ideal Leben gewinnt, das die soziale Frage der Lösungnäher führt durch einen Sozialismus, der seine prägnanteste Formulierung in der — Bibel durch Mose erfahren. der aus durch Expertise und vergleichende Studien der Wert des deutschen Kolonialbesitzes festgestellt wurde. Im Auftrage dieses (heute halbamtlichen) Comites gibt Warburg die Zeitschrift „Der Tropenpflanzer" heraus. Grundlegend wurden die Ideen YVarburgs aber für den Zionismus, für den ihn Theodor Herzl gewann. Allen theoretischen Spekulationen abhold legte Warburg immer das Hauptgewicht auf die praktische Arbeit. Wenn heut auch die Zionisten Palästina für die Juden erschliessen durch Pflege des Ackerbaus und des Handels, so ist das Warburgs Verdienst. Gleich dem Botaniker hat der j üngste Berliner Privatdozent Franz Oppenheimer seine Kraft für die Prof. Dr. F. Schur, Prof. Dr. C. Neuberg.