Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Jüdische Dozenten an der Beliner Universität
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 745 - 746 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2583875-2583993-2584004-2595798--11107-2595927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
745 Jüdische Dozenten an der Berliner Universität. 746 XACH EIXEK OIIIGIXALIIADIEIIUXG VON HERMAXX ST11UCK. Prof. Chajim Steinthal gestorben: 1899. XACH El^Elt 0JMGJXAL11ADIERUNG VON HEEMAXX STÄÜCK- Prof. Moritz Lazarus gestorben: 1903. Orthodoxie, ist zugleich Dozent an dem Berliner Rabbiner-Seminar, wo er über Exegese der Propheten und Religions-Philosophie liest. Er gilt als einer der besten europäischen Kenner der semitischen, besonders der arabischen Philologie. Aus Anlass der Jahrhundertfeier der Universität ist er zum Geh. Reg.-Rat ernannt worden. In die Reihe der jüdischen Dozenten gehört zwar nicht in der standesamtlichen Auffassung Georg S i m mel, dessen geistige Struktur das Erbe edelster jüdischer Kultur ist. Sein bohrender Scharfsinn, in dem die Elastizität der Tal (midisten ist, hat in Deutschland wohl zuerst die soziologischen Beziehungen und Differenzierungen erforscht. Ethische Probleme hat er so eindringlichst angegriffen, wie die Philosophie des Geldes. Die Psychologie der Religiösen hat er in die letzten Antriebe verfolgt. Simmel ist kein Systematiker, der mit Formeln, Paragraphen und Einteilungen protzt. Kein Lehrbuchmacher! Aber er ist ein Anreger zum Denken, ein Pfadweiser und Auffinder lauschiger Winkel für die Gcnüsslinge einer erlesenen Kultur. Unter den Privatdozenten linden wir Juden vorzugsweise bei den Vertretern naturwissenschaftlicher Fächer. Insbesondere sind es die (memischen Disziplinen, die Juden angelockt haben. Seit Jahren arbeitet ohne die geringste Förderung vom Staate in seinem eigenen Laboratorium Arthur Rosenstein an der Au f - hellung der chemischen Eigenschaften der seltenen Metalle Molybdan, Vanadium, Wolfram. Sein Mitarbeiter R. J. M eyer erforscht die seltenen Elemente wie Thorium, die in der Glülistrumplindustrie zu so grosser Bedeutung gekommen sind. Gemeinsam mit einem jüdischen Assistenten, der auch Privatdozent ist, geben die letztgenannten Kurse an Lehrer und Lehrerinnen, die ihnen auf dem Wege selbständigen Experimentierens die Kenntnis chemischer Vorgänge vermitteln sollen. Franz S a c Ii s hat sich als Farbenchemiker einen Namen gemacht. Neben Isidor T r a u b c nennen wir den physiologischen Chemiker Carl N e u b e r g , der seit kurzem wenigstens an der Landwirtschaftlichen Hochschule einen Lehrauftrag für Tierchemie erhalten hat. Neuberg ist in der philosophischen Fakultät der einzige Vertreter der Biochemie. Er gibt mit einer Reihe bedcutcndcrForscher die Biochemische Zeitschrift heraus, die bereits im 28. Bande vorliegt. Neubergs eigne Arbeiten umfassen fast das gesamte Gebiet der physiologischen und pathologischen Chemie. Besondere Studien hat er den Störungen des Stoffwechsels gewidmet und der Chemie der Zuckerarten. Er war einer der ersten, der die biologischen Wirkungen der verschiedenen Strahlenarten (Röntgen, Becquerel u.a.) genauer festgestellt hat. Ihm glückte der Nachweis von den Veränderungen im Chemismus der Krebsszellen, sowie die Aufklärung der Entstehung des Petroleums. 1906 gab er zugleich mit Albu die Physiologie und Pathologie des Mineralstoffwechsels heraus, in welchem die von den klassischen Ernährungs- Dr. Georg Huth physiologen arg vernachlässigte Begestorben: 1906. deutung des Mineralstoffwechsels