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Ost und West · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 743 - 744

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Jüdische Dozenten an der Beliner Universität
Date
1910-11-01
Page
Seite 743 - 744 (sequence 3)
Language
German
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743 Jüdische Dozenten an der Berliner Universität. 744 Anspruch auf die Dankbarkeit des jüdischen Volkes, war er es doch, der die „Ethik des Judentums" zum I ersten Male in einer übersichtlichen! Form zusammengefasst hat. Auch Lazarus und Steinthal konnten es nur bis zu einer ordentlichen Honorar- . professur bringen. Prof. Dr. Hermann Dessau. Ordentliche Professoren gab es bei den Philosophen damals so wenig wie heut. J üdischen Geblütes sind der bekannte Regierungsgünstling L. B ernha r d t, der die Polenprobleme behandelt hat, der Astronom Colin und der Nachfolger und Meisterscbüler Mommsens, Prof. Otto H ir schfeld. Auch unter den ordentlichen Honorarprofessoren ist nur die Rasse der Getauften vertreten: der scharfe Semitenkopf E. W a r b u r g s , des Leiters der physikalischen Reichsanstalt, D. A schers o n , der Pflanzengeograph, und Adolf L a s s o n — der sich bei seiner Taufe den Namen beschneiden liess. Aus Lazarussohn. Dieser Schüler Hegels ist die festeste Säule ketzerricchender evangelischer — Orthodoxie. Die ausserordentliche Professur, die nur den Träger, aber nicht die Regierung verpflichtet, weist eine Reihe jüdischer Persönlichkeiten auf: den Botaniker Paul Wilhelm AI agnus, der besonders die wissenschaftliche Ausbeute der deutschen Tiefseeexpeditionen bearbeitet hat (der Botaniker Werner Magnus ist bereits untergetaucht), den genialen Chemiker Kurt Lieber in a n n , den Erfinder des künstlichen Indigos und anderer Anilinfarbstoffe, und Max Gabriel, seit Dezennien der liebenswürdige und bedeutsame Vorsteher des Laboratoriums Emil Fischers, des Organikers. Adolf Pinner, der in seinen Studenten jähren auch Hörer des Breslauer Rabbinerseminars war, hat der Tod aus einer erfolgreichen Tätigkeit als Lehrer an der tierärztlichen Hochschule, als wissenschaftlichen Vertreter des Patentamtes und der technischen Kommission des Handelsministeriums vor einigen Jahren gerissen. Sein „Repetitorium der Chemie" ist in viele Sprachen übersetzt worden. Die übrigen jüdischenExtraordinarien sind Geisteswissenschaftler. Der bekannteste dürfte Ludwig G e i g e r sein, der Sohn des eifervollen Reformrabbiners Abraham G. Gleich Prof. H. Breslau seinem Vater (Strassburg). Prof. Dr. R. M. Meyer. Dr. F. Oppenheimer. ist er ein resoluter Kämpfer für die entschiedenste Reform, in deren Geiste er jetzt auch als Nachfolger des verstorbenen Gustav Karpeles die „Allgemeine Zeitung des Judentums" leitet. Geiger hat sich schon frühzeitig mit jüdischer Wissenschaft beschäftigt. Als einer der besten Kenner der Renaissance (er besorgt die neueren Auflagen von Burckhardts Kultur der Renaissance in Italien) hat er die hebräischen Studien der Humanisten, besonders Reuchlins, erforscht. Später konnte er seine Geschichte der Juden in Berlin herausgeben, deren erster Band mit den Anmerkungen und Quellen jedem Forscher unentbehrlich geworden ist. In der Folge als Herausgeber der nach fünf Bänden eingegangenen Zeitschrift für die Geschichte der Juden Deutschlands (von der „Historischen Kommission" begründet) konnte er wertvolle Ergänzungen bringen. Seine mannigfachen Arbeitsgebiete, als Goethe forsch er, als Kulturhistoriker Berlins, als Erforscher deutscher Theatergeschichte, als Literarhistoriker (zumal des jungen Deutschlands) haben ihm immer Gelegenheit gegeben, auch die Geschichte der Juden zu bereichern. Der gleiche staunenswerte Fleiss zeichnet seinen Spezialkollegen Richard M. Meyer aus, der freilich wissenschaftlich nicht ins Gebiet des Romanischen eingedrungen ist. Meyer hat neben wertvollen germanistischen Studien zumal zur deutschen Sprachgeschichte und Mythologie sicli weiteren Kreisen durch seine preisgekrönte Goethebiographie (in der Sammlung Geisteshclden) bekannt gemacht. Seine auf eigener Forschung stehende, gelehrte und doch elegant geschriebene Darstellung der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert hat zunächst vielfachen Widerspruch (wegen des Einteilungsprinzipes) gefunden, hat sich aber nach mannigfachen Umarbeitungen durchgesetzt. Zum Gedächtnis seines jung gestorbenen Sohnes hat er der Universität eine Wilhelm- Scherer-Stiftung für die Pflege deutscher Literaturgeschichte geschaffen. Richard Sternfold, den Kunstfreunden als Bannerträger Wagners wohl bekannt, hat bald nach seiner Taufe einen Lehrauftrag für Diplomatik erhalten. Ignatz J a s t r o w ist Nationalökonom. Jacob B a r t h , einer der gründlichsten Vertreter der modernen jüdischen &<^f 4^s^ Geh. Reg^Rat Prof. Dr. L. Geiger.

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