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Ost und West · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 741 - 742

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Jüdische Dozenten an der Beliner Universität
Date
1910-11-01
Page
Seite 741 - 742 (sequence 2)
Language
German
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741 Jüdische Dozenten an der Berliner Universität. 742 »• ¥ Prof. Münk gestorben: 190». Prof. Dr. Moritz Borchardt. Prof. Dr. Ludwig Waldenburg gestorben: 1881. Geh. Med^Rat Prof. Max Wolff. und Forscher herausgerissen wurde. In der Wissenschaft durch seine eindringlichen Studien zur Ernährungsphysiologie bekannt, schätzten ihn die Studenten als den liebenswürdigen Leiter der experimentell-physiologischen Abteilung im Institut Dubois Reymonds und als den Herausgeber eines weitverbreiteten geschickten, immer wieder neu aufgelegten Lehrbuches der Physiologie des Menschen und der Säugetiere. — Nach diesen Nachträgen wenden wir uns den jüdischen Dozenten in der philosophischen Fakultät zu. Des hochbegabten, unglücklichen Philipp Jaffc haben wir bereits Erwähnung getan. Sein Spczialkollege auf dem /Feld mittelalterlicher Geschichte, Harry Breslau, wirkte hier Ende der 70er und anfangs 80er Jahre als ausserordentlicher, jetzt schon über ein Viertoljahrhundert als ordentlicher Professor in Strassburg. Unvergessen ist das würdige D ios kuren paar Mo ritz L a z a r u s und Chajim Steint hal (seit der Berliner Bewegung nannte sich dieser edle Mann nur mit seinem hebräischen Vornamen). Jahrelang' gaben sie gemeinschaftlich die Zeitschrift für Völkerpsychologie und vergleichende Sprachwissenschaft heraus, den von Wilhelm v. Humboldt gewiesenen Weg bahnend. Auf dem erstgenannten Gebiet legten ihre Forschungen überhaupt erst die Grundlage. Lazarus hat mit seinem feinsinnigen „Leben der Seele" die psychologische Aera unsrer Zeit eingeleitet, Steinthal konnte mit seinen tiefgründigen sprachwissenschaftlichen Forschungen die Kristallisation der Volksseele im Sprachgut erkennen. Aber sollten auch ihre Leistungen allmählich etwas in Vergessenheit geraten, wer ihrer Sitten Freundlichkeit erfahren, wird beider, auch auf dem engern Gebiet jüdischer Wissenschaft durch mannigfache Studien ausgezeichnete Männer als Juden im besten Sinne des Wortes gedenken. Lazarus hat Prof. Dr. H. Grabower.

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