Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Das Germanentum in der klassischen deutschen Literatur
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 737 - 738 (sequence 5)
- Language
- German
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737 Das Germanentum in der klassischen deutschen Literatur. 738 Revolution geschwächt, windet sich inTodeszuckungen, England ist zu Lande ohnmächtig, Frankreich braucht nur entwaffnet und kolonisiert zu werden, und die Skandinavier und Niederländer warten nur auf eine Gelegenheit, um sich dem deutschen Brudervolke jubelnd in die Arme zu stürzen, in deren Reiche ihnen die kulturelle Führerschaft winkt (S. 33). Religiösmoralische Bedenken aber wird wohl niemand im Ernst anführen, nachdem. Reimer ausführlich dargetan hat, dass das Gebot der Nächstenliebe, welches der Germane Christus verkündet hat, selbstverständlich nur für Germanen Geltung hat. Von dieser Seite liesse sich selbst das grausamste Vorgehen gegen minderwertige Rassen vollkommen rechtfertigen. Solche Grausamkeit ist nicht zu tadeln, denn sie dient der Ausbreitung des Germanentums, mithin am letzten Ende dem Wohl der ganzen Menschheit, und ist in Wahrheit die grösste Milde. Dennoch möchte ich aus rein praktischen Gründen von der Ausrottung unsrer nichtgermanischen Nachbarn und Mitbürger absehen und mildere Massregeln befürworten, wenigstens für den Augenblick. Ich beantrage daher (immer im engsten Anschluss an Reimer, dessen rühmenswerte Mässigung mir zum Vorbilde dient) zunächst folgendes: 1. Ausschliessung der Nichtgcrmanen von den reichsbürgerlichen Rechten. Bei der bekannten Indolenz der Brachykcphalcn werden sie hiergegen kaum etwas einzuwenden haben, sondern eher die Befreiung von dem lästigen Wahlgeschäft als Wohltat empfinden. 2. Verbot fruchtbarer Ehen für die ungermanischen Reichsbestandteile, sei es untereinander, sei es mit Germanen. Nur so kann der drohenden Vcrbastardierung vorgebeugt werden. Grob materiell und ohne das echt germanische Famiiienge fühl, wie der homo alpinus nun einmal ist, wird er sich auch gegen diese Massregel nicht sträuben. Nimmt man ihm doch damit die lästige und kostspielige Kindererziehung ab. Da jedoch zu befürchten ist, class trotz des wohlwollendsten polizeilichen Drucks die Affenmenschen von ihrer unausstehlichen Gewohnheit, Kinder in die Welt zu setzen, nicht ganz abzubringen seien, so dürfte noch ein drittes Mittel am Platze sein, das schon durch frühere Germanenpraxis erprobt worden ist und sicher den Beifall Chamberlains finden wird. Es heisst: grundsätzliche Demoralisation, durch die man die gefährlichen Elemente langsam seelisch und körperlich hinmordet (vgl. Chamb. II, 726). Eine Schwierigkeit ist freilich dabei: wo ist die Grenze zwischen Germanen und Nichtgcrmanen zu ziehen? Mit Polen, Tschechen, Slowaken, Magyaren, Romanen usw. wird man natürlich kurzen Prozess machen. Das Unglück ist aber, dass auch die Deutschen schon stark verbastardiert und überall mit Nichtgcrmanen durchsetzt sind. Wie diese erkennen? Man wird sagen: an den physischen Merkmalen. Wer blonde Haare, blaue Augen, hohen Wuchs, helle Gesichtsfarbe hat, bekommt die Reichsbürgerschart und darf Kinder zeugen, wem diese Legitimationen abgehen, der hat sich mit der Rolle eines Steuerzahlers und glebae adscriptus zu begnügen. Ganz schön, wenn nur jene physischen Merkmale nicht auch oft irre führten! Reimer sagt (S. 25): ,,Ich kenne Leute, die in körperlicher Hinsicht alle Merkmale des nordischen (germanischen) Typus aufweisen, und dabei haben sie von irgendeinem kurzköpfigen Vorfahren eine echt ungermanische Bedientenseele geerbt. Ebenso sind mir umgekehrte Beispiele bekannt." Ist das nicht zum Verzweifeln, und fühlt man sich nicht fast versucht, angesichts solcher Tücken der Physiologie resigniert die Hände in den Schoss zu legen? Das kleine Fräulein Leroy-Beaulieu kann doch nicht überall zugleich sein. Ich denke, ganz so schlimm steht die Sache doch nicht. Es wird doch z. B. niemand bezweifeln, dass die Freisinnigen keine Germanen sind. Der Himmel mag wissen, welche Kurzköpfe ihnen ihre ungermanische Gesinnung vererbt haben, aber vorhanden ist diese nun einmal, und ich denke, sie werden wohl selbst kaum Verlangen haben, in dem neu zu gründenden Pangermanien mitzuwirken. Selbstverständlich können wir auch die undeutsche, internationale Sozialdemokratie ohne weiteres ausschliessen. Ein andrer Fremdkörper im germanischen Fleisch ist der Katholizismus. Dieser, eigentlich nur ein Ableger des Judentums, ist schlechterdings unverträglich mit dein uralten Glauben unsrer Vorfahren, der echten Arier. Wir wissen jetzt, namentlich durch Chamberlain, näheres über deren angeborene religiöse Anlagen. „Wir haben den ideell freien Germanen als den geborenen Ueberwinder jenes orthodoxen kirchlichen Christentums erkannt, das allein auf dem Jenseits fusst" (Reimer S. 87).1) Gegen Christus haben wir nichts einzuwenden, aber wir verlangen einen „lebensfrohen Christus". Da nun aber diese arische Metaphysik ein unverlierbares Erbe ist, dem echten Arier ebenso eingeboren wie dem Nichtarier ewig unerreichbar, so bekundet jeder, der sich gegen unsre Heilswahrheiten sträubt, sich damit als nicht zu uns gehörig. Deshalb müssen wir von dieser heiligen Gemeinschaft, von den Rechten unsres germaniscIi-wuotanistischen Reiches auch die Katholiken ausschliessen. Ebenso alle, die Katholiken als Ahnen gehabt haben. Reimer scheint mir in diesem Falle die Mässigung etwas zu weit zu treiben. Er hofft die Katholiken mattzusetzen durch die Heranziehung der Skandinavier und Niederländer. Diese sollen gegen den gewaltig anschwellenden katholischen Einfluss, der in dem neuen Reiche allein schon durch den Anschluss Deutsch-Oesterreichs eintreten muss, den nötigen Ausgleich herstellen. Ob sie aber numerisch dazu ausreichen werden? Doch gewiss nur dann, wenn sie sich weit stärker vermehren als die Katholiken. Man müsste also auch für die letzteren zum mindesten eine Beschränkung der Kinderzahl einführen. Wie wäre es, wenn man das ihnen ja ohnehin so sympathische Zölibat auf alle Römischgesinnten ausdehnte? Andrerseits ist mir wohlbekannt, dass nach den ForschungenWoltmanns alle grossen Päpste, Gregor VTI. voran, gute Deutsche gewesen sind. Chamberlain hat zwar recht, wenn er in der römischen Kirche eine antigermanische Institution und in dem Kampf zwischen Kaiser und Papst einen Rassenkampf zwischen Germanen und Romanen erblickt. Aber Woltmann hat gleichfalls recht, wenn er behauptet (Die Germanen und die Renaissance in Italien, S. 38), dass die Er- J) Siehe Reimers vortreffliches Kapitel „Religiöse Wiedergeburt", S. 70—98. Ueber den „Wuotanisnius" unsrer Vorfahren, eine unendlich erhabene Art des Monotheismus, neben dem sich der kümmerliche jüdische nicht mehr blicken lassen darf, vgl. die epochemachenden Schriften von Guido List: „Von der arischen Armanenschaft", „Das Geheimnis der Runen", „Die Völkernamen Germaniens und deren Deutung", „Die Ursprachen der Arier und ihre Heilszeichen". Schon diese Titel lassen jedes arische Herz höher schlagen.