Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Das Germanentum in der klassischen deutschen Literatur
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 735 - 736 (sequence 4)
- Language
- German
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735 Das Germanentum in der klassischen deutschen Literatur. 736 lateinischen Vers. Also Lessing, dieser grosse Klassiker, den gewisse Leute für einen Meister des deutschen Stils ausgeben möchten, brachte es nicht einmal fertig, die deutsche Sprache rein und unvermischt zu handhaben. Schiller feiert nur deutsche Helden. Die Namen Teil, Wallenstein, Karl Moor sprechen für sich selbst. Don Carlos und sein Freund Marquis Posa gehören zum „spanischen Adel gotischer Abkunft". Fiesco war ein genuesischer Adliger, und dass der gesamte Adel Italiens deutsch ist bis in die Knochen, das bezweifelt seit Woltmann niemand mehr. Die feindlichen Brüder Don Manuel und Don Gesar stammen von Ahnen, die „auf dem Meerschiff gekommen sind von der Sonne rötlichem Untergang". Bedenken könnte auf den ersten Blick höchstens die Jungfrau von Orleans erregen, aber auch sie erweist sich bei nähcrem Zusehen durch schlanken Wuchs, blondes Haar und deutsches Gemüt als ein Rasseweib. Ueberdies warum soll sie weniger gut deutsch sein, als die französischen Hugenotten, die Ghamberlain mit spielender Leichtigkeit zu Deutschen macht? Richtig hat denn auch Woltmann (a. a. O. S. 93) sie neben Corday, Lafayctte, Roland, Sand, Savignce, Stael, Vigee-Lebrun in seiner Liste deutscher Französinnen aufgeführt. Mit Vorliebe verherrlicht Schiller kriegerische Taten. Im Fiesco lässt er gradezu „deutsche Hiebe" austeilen und jagt die erbärmliche Bande der „welschen Hunde", diese Spottgeburt des Völkerchaos, vor den tapfern Spiessen der deutschen Landsknechte in schimpfliche Flucht (5. Akt, 4. Auftr.). Hier kommt die angeborene Rasse, der alte, unvcrtilgbare Berserkerzorn in dem Kriegerabkömmling siegreich zum Durchbruch. Dagegen halte man nun Lessing! Seine Helden sind: Nathan „der Weise", ein anonymer jüdischer Reisender (in dem Lustspiel „Die Juden"), den er wahrscheinlich während seines Hamburger Aufenthalts an der Börse kennen gelernt hatte, und eine gewisse Sara Sampson (rectius Samson), die sich, der Himmel mag wissen wie, in eine altaristokratische englische Familie eingeschmuggelt hatte. Zwar hat er sich in seiner Minna von Barnhclm auch an die Schilderung eines Offiziers herangewagt. Aber die ist auch danach ausgefallen! Während seines ganzen f im faktigen Daseins riskiert dieser Kriegsmann auch nicht den kleinsten Degenstich. Ein ähnlicher „Held" ist der Tempelherr im Nathan. Die einzige Grosstat, die wir von ihm hören, ist, dass er — ein Judcnmädchen aus dem Feuer rettet. Uebrigens, da er sich nachher als der Bruder dieses Judenmädchcns entpuppt, so wird es mit seiner arischen Abkunft wohl nicht so weit her sein. Schiller war begeistert für die Würde der Frauen. Wieder ein germanischer Zug. Die Kurzschädler mit ihrem unentwickelten Familiengcfühl, denen wir das niederträchtige Zweikindersystem verdanken, wissen kaum, was Frauen sind. Wie schon erwähnt, hat Woltmann alle berühmten Französinnen als Germaninnen nachgewiesen. Ich gehe freilich nicht so weit, wie manche Forscher, die behaupten, dass überhaupt die Frau bei den Romanen ein germanisches Element sei. Ziehen wir nun den vom Standpunkt der Rassentheorie gebotenen Schluss. Bekanntlich gibt es drei Rassen in Europa: den homo europaeus, den homo mediterräneus und den homo alpinus. Während wir Schiller ohne Bedenken als homo europaeus anerkennen, wird Lessing im besten Falle als homo alpinus durchschlüpfen können, welcher Rasse ein breites, stupides Gesicht, schwarze (nach einigen drahtartige) Haare, braune (ursprünglich geschlitzte) Augen und gelbe Haut zukommen; Geschöpfe, die gleich den mongolischen Völkern Asiens kaum noch den Namen von Menschen verdienen. Achnlich wie mit Lessing steht es mit den meisten andern „Klassikern", was hier nicht näher begründet werden kann. Wo z. B. bei Goethe das Genie hergekommen sein soll, das mag der Himmel wissen. Denn da er braune Augen und Haare hatte, so wird wohl die für Gehirn- und Nerventätigkeit nötige Kraft alle vom Pigment absorbiert worden sein. Das Resultat ist nicht erfreulich, und angesichts solcher bedenklichen Erscheinungen möchte man fast die Frage aufwerfen: SinddieDeutschenüberhaupt Germanen? Ich glaube nun freilich, dass zu übertriebenem Pessimismus (bis jetzt wenigstens) kein Grund ist. Immerhin aber wäre es gut, wenn die anthropologischen Autoritäten von obrigkeitswegen damit betraut würden, in jedem einzelnen Falle festzustellen, ob jemand das riecht hat, sich zu den Germanen zu rechnen. IV. Was erfordert die deutsche Wiedergeburt? In diesem Kapitel kann ich überall auf die Vorschläge Bezug nehmen, die Reimer in seinen „Grundzügen deutscher Wiedergeburt" aufgestellt hat. Hier hat man die ganze Weisheit unsrer Germanomancn gleichsam in nuce. Die edelsten Vertreter des Rassctums haben Reimer Beifall gezollt, allen voran Woltmann in der Politisch-Anthropologischen Revue und L. Wilser in der Germania. Letzterer meint, das von Reimer gezeigte Ziel müsse allen Germanen als das Höchste vorschweben, was für sie auf Erden zu erreichen sei, und Woltmann sagt : Man muss sich nur einmal gründlich hineindenken. Tun wir dies also! Reimers Tdeal ist, kurz gesagt: die Welt den Germanen! Doch begnügt er sich zunächst mit einem grossdeutschen Reich, welches „das heutige Reich, die andern deutschen Gebiete Europas, Skandinavien und die Niederlande als gleichberechtigte Reichsteile umfasst; ferner die Gebiete der West- und Südwestromanen und der österreichischen West- und Südslawen als abhängige Kolonialländor, sowie Südamerika bis zum Amazonas" (S. 33). Zur Erreichung dieses Ziels bedarf es kaum einer andern Massregel als der Niederwerfung und Entwaffnung Frankreichs, die unter den heutigen Umständen nicht schwer ist (S. 34). Frankreich selbst geschieht damit die grösste Wohltat, denn es hat keine Aussicht, als unabhängiger Staat seinen germanischen Charakter zu bewahren. (S. 31). Nur wenn es in ein germanisches Kolonialland verwandelt wird, kann es auf eine neue Blüte hoffen. Dasselbe gilt von Spanien und Italien, die bekanntlich, soweit sie etwas geleistet haben, dies den in ihnen enthaltenen germanischen Elementen verdanken. Hcisssporne möchten vielleicht meinen, dass angesichts der uns drohenden Gefahr der Vorhast ardierung die energischsten Massregeln die sichersten seien, und möchten dazu raten, es mit den uns umlauernden schlechten Rassen ebenso zu machen, wie dieAngelsachsen in Britannien oder der Deutsche Orden in Preussen. Denn warum sollten wir nicht auch einmal „unsre Fehler in Gutes umsetzen?" Auch stünde kein praktisches Hindernis uns entgegen, wenn wir Gewaltmassregeln gebrauchen wollten. Die militärische Macht besitzen wir unbestritten. Russland, durch die