Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Jüdische Dozenten an der Berliner Universität
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 651 - 652 (sequence 7)
- Language
- German
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651 Dr.i Carl Pinn: Jüdische Dozenten an der Berliner Universität; 652 Prof. Dr. G. Behrendt. wenig gepflegte Gebiet der Stimmkrankheiten hat (ohne jede amtliche Förderung) J.Katzenstein auf genialen physiologischen Untersuchungen auf geh aut und gepflegt. Die Lehre von den Hautkrankheiten, die jahrelang von Georg Lewin und dem eleganten (getauften) Oscar L a s s a r vertreten wurde, hat der aus dem Stand der praktischen Aerzte hervorgegangene langjährige Leiter des Krankenhauses für Dirnen, Gustav Behrend, gefördert. Seine gründlichen Studien zur Psychologie der Dirne haben die übliche Sentimentalität von den sozialen Ursachen dieser Erscheinungen abweisen gelehrt. Abraham B u s c h k e kam von der Chirurgie zur Syphilidolqgie. Julius Heller, der rühmlichst bekannte Spezialist für Hautkrankheiten (aus der Schule des Hamburgers Gerson Unna), hat das lange vernachlässigte Gebiet der Nagelkrankheit neu durchforscht. Stattlich ist die. Reihe der Dozenten für innere Medizin: Albert A 1 b u hat die Lehre von der Diätetik bereichert und Fragen wie Sporternährung, Vegetarismus systematisch untersucht. Bernhard B e n d i x (der Leiter der Charlottenburger Säuglingsfürsorge) pflegt die Pachiatrie. Ferdinand Blumenthal hat wichtige Arbeiten physio- Prof. Dr. Georg Abelsdorff. logischer Chemie geliefert und sich auch auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten mit mustergültigem Fleiss bewährt. Felix Hirschfei d (Schüler von Renvers) hat praktisch wertvolle Studien zum Ernährungsproblem und zur Zuckerkrankheit geschaffen. A.Lazarus, Morgenroth haben für die Lehren Ehrlichs in Berlin Arbeitsstätten geschaffen. Fritz Meyer hat sich mit Fragen der Infektion beschäftigt. Leonor und Max Michaelis, Arthur Nicolaier haben sich als physiologische Chemiker und als klinische Forscher bewährt. Besondere Erwähnung verdienen die Schüler Senators: Heinrich Rosin, dessen reiche poliklinische Erfahrung Fragen der Nervenheilkunde und des Blutes zugute gekommen ist. Friedrich Paul Richter, der grundlegende Arbeiten über die Nierenfunktion und zur Chemie des Harnes geschaffen hat. Theodor Rosenheim ist der anerkannte Meister moderner Magenheilkunde. Er hat die Beleuchtung der Speiseröhre und des Magens für diagnostische Zwecke ausgeführt. Am bekanntesten ist Hermann S t r a u s s geworden, der nun der inneren Abteilung des jüdischen Krankenhauses zu einer Stellung verhelfen soll, die der von James Israel geleiteten äusseren Abteilung gleich - Strauss' ungewöhnliche Dr. G. Levinsohn. wertig ist. Arbeitskraft hat das ganze Gebiet der Magen- und Darm&ankheiten befruchtet. Seine Studien über den Haushalt des Salzes im menschlichen Körper sind für die Behandlung der Nierenkrankheiten grundlegend geworden. Die meisten der oben genannten Intermisten haben auch die Neurologie gepflegt. Als Spezialisten haben sich einen Ruf geschaffen: Jacobsohn (Herausgeber der Neurologischen Jahresberichte), dessen Beharrlichkeit die Anatomie des Nervensystems besonders nach der vergleichend anatomischen Seite pflegt. Paul Schuster (von Mendel beeinflusst) hat sich mit den traumatischen Nerven- und Geisteskrankheiten bei Gehirntumoren beschäftigt. Sorgsame Forschungen hat Max Rothmann dem Affengehirn gewidmet. Neuerdings prüft er an seinem grosshirnlosen Hund die berühmten Angaben von Goltz nach. Lewandowsky hat klassische Studien zur Anatomie der Nervenstämme geliefert. Richard Cassierer hat sich gleich seinem Lehrer Hermann Oppenheim der Diagnostik der Gehirntumoren zugewandt und grundlegende Untersuchungen über die Gefässinnervation veröffentlicht. Zu den Meistern der Psychiatrie gehört Hugo L i e p - mann, dessen ungewöhnlicher Scharf- Prof. Dr. Paul Friedrich Richter.1