Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 645 - 646

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Jüdische Dozenten an der Berliner Universität
Date
1910-10-01
Page
Seite 645 - 646 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2583875-2583993-2584003-2595513--10898-2595686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

645 yDr. Carl Pinn: Jüdische Dozenten an der Berliner Universität: 646 Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. von Wassermann. Prof. Dr. Buschke. Geh. Med.-Rat Prof. Dr, I, Hirschberg. solutistische Gesinnung im Kultusministerium haben sich in dieser Frage immer „gleich verstanden". Unter den mit einer ordentlichen Honorarprofessur Getrösteten ist (wenn wir von dem Kehlkopfarzt B. Frankel absehen, der trotz der Taufe in seiner Arbeit Jür die Lungenkrankheit nicht erreichte, was dem Christen Passow spielend gelang) am weitesten bekannt der trotz seiner hohen Jahre noch rüstig schaffende und auch im jüdischen Gemeindeleben sich betätigende Hermann Senator, dessen Bedeutung als Forscher, Lehrer und Arzt auch in dieser Zeitschrift anlässlich seines 70. und 75. Geburtstages und erst jüngst anlässlich des Rücktritts von seiner Lehrtätigkeit gewürdigt worden ist. Neben Senator besitzt die medizinische Fakultät noch zwei Juden als ordentliche Honorarprofessoren: den Augenarzt Julius Hirschberg und den Physiologen Hermann Münk. Der erste — ein Schüler Albrechts von Graefe — hat alle Gebiete der Ophthalmologie befruchtet. Seine umfassenden philologischen Kenntnisse — sowohl der griechischen wie der semitischen Sprachen haben ihn zum grundlegenden Historiker seines Sonderfaches gemacht. Münk — schon seit 1880 Mitglied der Akademie der Wissenschaften — hat durch seine genialen Untersuchungen der Riech- und Hörsphäre, der Ton- und Gesichtsempfindungen und der Augenbewegungen, die Lokalisationslehre der Grosshirnrinde begründet, wodurch der inneren Klinik der Gehirnchirurgie und der experimentellen Psychologie neue Gebiete erschlossen wurden. Münk, einer aus Glogau stammenden Gelehrtenfamilie entsprossen, der wir auch den Orientalisten Salomon Münk, den klassischen Philo- _ logen Eduard Münk, den [Pathologen Siegmund Münk (Oheime bzw. Brüder von Hermann Münk) zu verdanken hatten, verzichtete vor einigen Jahren, gleich dem ausgezeichneten Nervenarzt, Professor Hermann Oppenheim, auf die weitere Lehrtätigkeit. Der in der Oeffentlichkeit viel kommentierte Schritt war die Antwort auf die geradezu ostentative Zurücksetzung, die Prof. Dr. Max Lewandowsky. sie wegen ihrer Eigenschaft als Juden erfahren hatten. Münk war nach dem Tode Du Bois- Reymonds 1897 von der Fakultät primo loco für das physiologische Ordinariat vorgeschlagen worden. Die Regierung hat den wiederholten Vorschlag nicht angenommen. Fünf Jahre später erfuhr Oppenheim, dass die Ewigkeit der Privatdozentur selbst durch die grandiose Leistung seiner Studien über Geschwulste des Gehirns und Rückenmarks keine Unterbrechungen erfahren dürfe. Emanuel Mendel, dessen Vorlesungen über die Zurechnungsfähigkeit von keinen geistig angeregten Berliner Studenten versäumt wurde, hatte es wenigstens bis zu einem Lehrauftrag gebracht. Unter den ausserordentlichen Professoren haben M.Bernhardt und R e m a k durch eindringliche neurologische, besonders auch durch die Begründung der Elektro-Diagnostik und -Therapie sich zur Geltung gebracht. Zu den populärsten Erscheinungen Berlins gehört B r i e g e r, der jahrelang Assistent bei Robert Koch war und sich durch klassische Untersuchung über Ptomaine auszeichnete, bis er als Leiter des neuerrichteten hydrotherapeutischen Instituts ein bisher Kurpfuschern ausgeliefertes modernes Sondergebiet der Medizin praktisch eroberte und theoretisch begründen half. Max W o 1 f f hat als Leiter der Lungenfürsorgestellen für die „Assanierung" der Grossstadt viel gewirkt. Einer der ersten, der die Verwertbarkeit der Röntgenstrahlen für die medizinische Praxis und Wissenschaft erkannte, ist Prof. Grunmach. Er hat die in der Diagnostik der Herzerkrankungen unentbehrliche röntgenologische Herzaufnahme zuerst angeregt. Für die Zwecke der Chirurgie _ und Orthopädie hat Georg Joachimsthal die Röntgenstrahlen verwendenlassen. Joachimsthal, dessen unermüdlicher Fleiss alle Probleme der Orthopädie angegriffen hat und vielen die endgültige Lösung bringen konnte, ist der Nachfolger des genialen Albert H o f f a, der übrigens auch semitisches Blut in seinen Adern hatte. Der erste, der die ausserordentliche Professur für Orthopädie in Berlin hatte, ist der Prof. Dr. H. Rosin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.