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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 597 - 598

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance
Date
1910-08-01
Page
Seite 597 - 598 (sequence 6)
Language
German
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597 -Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance. 598 moralischen und intellektuellen Hebung, an der materiellen Befreiung der Judenheit hat. Indem wir unsre Zuhörer in die verschiedenen persischen Städte führten, haben wir ihnen gezeigt, was die Judenheit der Alliance schuldet, deren Schulen mit den harmlosen Waffen des Unterrichts den erfolgreichen Kampf gegen die Bekehrungs versuche der Protestanten, Behais und Bahis geführt haben. Wir haben sie endlich das humanitäre Wirken der Alliance bewundern lassen. Wir haben in Erinnerung gebracht, wieviel Unheil .sie abgewendet, wieviel Elend sie gemildert hat, wie sie selbst gelegentlich der Plünderung, deren Opfer sie im letzten Jahr gewesen waren, den fühlbaren Beweis von Ihrer grossherzigen Hilfe erhalten hätten. Dieser Ansprache schloss sich ein Gebet des Rabbiners für den Präsidenten an. Alle Anwesenden, die Kleinen wie die Grossen, erhoben sich von ihren Plätzen, um ihre kindliche Ehrerbietung und Dankbarkeit zu äussern für das Werk, dem er dient. Die Namen der Wohltäter der Alliance konnten an einem solchen Tage natürlich nicht unerwähnt bleiben. Noch eine interessante Tatsache: einige Muselmanen, darunter ein Seyed, die auf das ungewohnte rege Leben vor unserer Schule aufmerksam geworden waren, traten ein und nahmen neben unsren Glaubensgenossen bescheiden Platz. Sie blieben bis zum Schluss der Feier. Ist dies ein Zeichen für den Beginn neuer Zeiten? Soll man sich über diese Tatsache übermässig freuen? Ohne ihre Bedeutung zu überschätzen, ist es ein günstiges Zeichen, das uns den fernen Tag ahnen lässt, an dem Muselmanen und Israeliten in gutem Einvernehmen nebeneinander leben werden. Franco. Magnesia. Das Fest hat des schlechten Wetters wegen erst am letzten Samstag, dem 21. Mai, gefeiert werden können. Unsere jüdische Bevölkerung besteht zum grössten Teil aus kleinen Ladenbesitzern und armen umherziehenden Handelsleuten, die während der Woche von ihrer Arbeit in Anspruch genommen sind. Ich habe deshalb einen Samstag für die Abhaltung der Feierlichkeit festgesetzt, damit es allen unsern Glaubensgenossen vergönnt sein soll, ihr beizuwohnen. In der Tat versammelte sich an diesem Tag die ganze jüdische Bevölkerung in unserer Knabenschule und in unsrer Synagoge. Wir hatten alle Räume mit ottomanischen Fahnen, Seidenstoffen, Teppichen, Laub und Blumen dekoriert. Unser SchuUiaus war zu klein, um die Menge der Männer, Frauen und Kinder zu fassen, die sich herbeidrängten, um unser Fest zu feiern. Nach einigen Gebeten und einer vom Rabbiner vorgetragenen hebräischen Rede, nahm ich als Vertreter der Alliance das Wort. Ich rief die Gründung unserer Organisation ins Gedächtnis, sprach von ihrem fünfzigjährigen •segensreichen Wirken und betonte besonders, ein wie edles Beispiel von Solidaritätsgefühl sie uns gibt. Dann sprach Herr Dr. Gaon im Namen der Gemeinde. Darauf folgte ein von einem unsrer Zöglinge vorgetragenes, der Gelegenheit angepasstes hebräisches Gedicht und einige Lieder. Am Abend gaben wir drei Theatervorstellungen, eine in französischer, eine in türkischer und eine in spanischer Sprache. Diese Vorstellungen hatten grossen Erfolg, vor allem das türkische Stück, dem wir mehrere Lieder eingefügt hatten. Besonders die Muselmanen, die der Vorstellung beigewohnt hatten, waren über das Spiel unsrer jungen Darsteller aufs höchste verwundert, über die Leichtigkeit, mit der sie sprachen, und über ihre korrekte Aussprache. Den Clou des Abends bildete die symbolische Darstellung der goldenen Hochzeit der Alliance. Ein junges Mädchen, als junge Frau gekleidet, stellte die Alliance dar. Zu ihren Füssen sassen jüngere Kinder, eifrig bemüht, in einem grossen Buch zu lesen, während die grossen Schüler und Schülerinnen unserer ersten Klassen Hochzeitslieder sangen. Nach dem Gesang überreichten zwei Schüler der ..Alliance'' im Namen ihrer Kameraden Blumensträusse und dankten ihr mit dem Wunsche ferneren Gedeihens und \\;erterer Erfolge für alles, was sie für sie getan hat. Die Alliärice dankte ihnen für ihre Wünsche und ermahnte sie zu15 ernster Arbeit, zur Ehre des Judentums und der gesarafSn^Menschheit. '•]'J,',0'JÜ6ätsr Theaterabend endigte mit einem Ball, der bis zuni"'Morgen dauerte. Elnekave, Mogador. Ich habe die Ehre, Ihnen mituzteilen, dass wir am Sonntag, 22. Mai, das Jubiläum der Alliance gefeiert haben. Unter dem ebenso zahlreichen wie gewählten Publikum, das der Feier beiwohnte, befanden sich der Pascha der Stadt mit seinem Gefolge, das konsularische Korps mit Ausnahme des französischen Konsuls, Herrn Kouri, der als Vertreter seiner Regierung zur Einweihung des Hospitals Mauchamp nach Marrakesch abgereist war, und des englischen Konsuls, Herrn Johnstone, der mir erklärt hat, wegen des Todes seines Königs sechs Monate lang an keiner öffentlichen Feier teilnehmen zu können. Ferner waren anwesend der Kommandant der marokkanischen Polizei und sein Stellvertreter, die hohen europäischen und einheimischen Würdenträger, die Rabbinen nud der grösste Teil der jüdischen und nicht jüdischen Notabein. Unser schöner grosser Hof war mit Flaggen ausgeschmückt, die die Konsulate geschickt hatten, mit grünen Pflanzen und Bildern der grossherzigen Wohltäter der Alliance dekoriert und so als Empfangssaal hergerichtet. Vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft besprach ich in längerer Rede die Geschichte der Alliance, erinnerte an ihre ersten Anfänge, schilderte den Gang ihrer Entwicklung, gab einen allgemeinen Ueberblick über ihr vielseitiges Werk und beleuchtete ihre segensreiche Tätigkeit in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens. Einer unserer Lehrer verlas die arabische Uebersetzung dieses Vortrages. Der Feier schloss sich ein Frühstück an, das in einem unsrer grossen Klassenräume serviert wurde, den die Sorgfalt von Frau Loubaton und einiger israelitischer Damen in einen sehr hübschen Salon verwandelt hatte. Es herrschte freudige Feststimmung, und beim Abschied sprachen unsre Gäste mit Begeisterung von dem angenehmen Eindruck, den sie von dieser glänzenden Veranstaltung mit fortnahmen. Sie hätten wieder einmal Gelegenheit gehabt, die soziale und Bildung fördernde Tätigkeit der Alliance zu bewundern. Sie wären voller Anerkennung für die vornehme Aufgabe, die die Alliance sich gestellt und mit so glänzendem Erfolg durchgeführt hätte. Loubaton. Rhodes. Es ist mir eine Freude, Ihnen mitteilen zu können, dass das zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens veranstaltete Fest sehr schönen Erfolg gehabt hat. Wie Ihnen bereits bekannt, hat das Fest am 8. Mai stattgefunden. Am Vorabend des Tages waren am Eingang der verschiedenen Synagogen Ankündigungen angebracht worden, die dem Publikum anzeigen sollten, dass gelegentlich der Fünfzigjahrfeier der Alliance in der grossen Synagoge ein Gottesdienst, und in der Allianceschule eine Feier abgehalten werden sollte. Der Grossrabbiner hatte seinerseits die Bevölkerung aufgefordert, zum Zeichen der Freude alle Arbeit an diesem Tag einzustellen. Seinem Ruf wurde Folge geleistet, die Bereitwilligkeit, mit der Kaufleute und Angestellte und Handwerker sich dieser Bestimmung fügten, macht unsren Glaubensgenossen von Rhodes alle Ehre. Sie beweist, wie hoch das Wirken der Alliance von unsern Brüdern geschätzt wird. Nicht weniger rührend ist die Eilfertigkeit, mit der jedermann zu der Stelle kam, die wir in Uebereinstimmung mit dem Comite als Ausgangspunkt eines feierlichen Umzuges durch das Viertel festgesetzt hatten. Vom Haus des Grossrabbiners begaben wir uns zur Synagoge. An der Spitze des Zuges gingen zwei in rosa gekleidete junge Mädchen. Sie trugen eine Blumenkrone, an der ein Band befestigt war. Auf dem Band waren in Spanisch die Worte zu lesen: „Der Alliance Israelite Universelle die dankbare Gemeinde von Rhodes." Unmittelbar dahinter ging der Grossrabbiner. Ihm folgten zwei Abteilungen von Knaben und Mädchen, die unsre Schulen besuchen. Hinter den Schülern kamen die verschiedenen Comites, die Notabein, die Lehrer und eine Menge Personen, die dieses ungewöhnliche Schauspiel angezogen hatte. Auf dem ganzen Wege sangen die Knaben und Mädchen patriotische Lieder und einen der Gelegenheit angepassten Gesang, der von einem jungen Glaubensgenossen verfasst worden war.

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