Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 595 - 596 (sequence 5)
- Language
- German
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595 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance. 596 Bericht des Lokal-Comites der Alliance in Konstantinopel. Ich, habe die Ehre, Ihnen das Telegramm zu bestätigen, das wir zu Ausgang der am 15. Mai in dem neuen und prächtigen Neubau der Knabenschule in Galata abgehaltenen Jubiläumsfeier an Sie gerichtet haben. Anwesend waren eine grosse Anzahl israelitischer Notabein und andere hervorragende Persönlichkeiten. Der Gesandte der Vereinigten Staaten, Herr Oskar Strauss, und seine Gemahlin beehrten das Fest mit ihrer Anwesenheit. Der Militärgouverneur von Pera, der Vorsitzende des sechsten Gemeindebezirks, und ein Vertreter des Ministeriums des öffentlichen Unterrichts haben uns durch ihr Erscheinen einen Beweis ihrer Sympathie für die Alliance und ihr Schulwerk gegeben, das die Muselmanen immer bewundert haben. Die französische Alliance*), die seit zwei Jahren unsrer Schule in Galata eine Subvention gewährt, hat sich durch Herrn Weill, dem ersten Vorsitzenden der französischen Kolonie und Direktor der Tabakregie, sowie zwei andre Mitglieder vertreten lassen. Die israelitische Bevölkerung der Hauptstadt, die in so hohem Mass die beständige und unerschöpfliche Grossmut der Alliance in Anspruch genommen hat, hat die ungeheuren Opfer nicht vergessen, die von der Alliance bei mancher Gelegenheit gebracht worden sind, um ihr beizustehen, wenn sie von Unheil betroffen war, und sie vor moralischem Verfall zu retten. So hat sich die israelitische Bevölkerung beeilt, zu diesem historischen Jubiläum herbeizuströmen, das einen ruhmreichen Merkstein bildet in der Geschichte der Israeliten aller Welt, das, wie in frühern Zeiten unsren Vorfahren, uns Befreiung vom Sklaventum, Rückkehr zur Freiheit, Aufklärung und Unabhängigkeit verheisst. In Anerkennung des wahren Wertes der Wohltaten, mit denen die Alliance unsere Glaubensgenossen überhäuft hat und in Würdigung der unermüdlichen Anstrengungen der Alliance für die vollständige Emanzipation der in anderen Gegenden noch verfolgten unglücklichen Brüder, glaubt das am 22. Mai versammelte Lokal-Comite der Dolmetscher der Erkenntlichkeitsgefühle der ganzen israelitischen Bevölkerung von Konstantinopel zu sein, und versichert Sie bei dieser Gelegenheit unveränderlicher Anhänglichkeit und Hingebung an Ihr Werk. Es wird fortfahren wie bisher, für dieses Werk zu arbeiten und über seinen guten Fortgang mit. beständiger Aufmerksamkeit angelegentlich zu wachen. Das ist, meinen wir, die beste Art, uns unsrer grossen Dankesschuld zu entledigen, die -wir durch Ihre unaufhörliche fruchtbare Tätigkeit Ihnen gegenüber eingegangen sind. Für das Lokal-Comite: Der Präsident J. F e r n a n d e z. Dardannellen. Ich bin glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass das Fest, das wir am 29. Mai zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance veranstaltet haben, einen schönen Verlauf gehabt hat. Alle Notabein der Gemeinde sind auf unsre Einladung zu unsrem Fest herbeigeeilt. Die zuletzt Gekommenen mussten wegen Mangel an Platz dichtgedrängt zusammenstehen. Um 2!/4 Uhr begann die Feier unter zahlreicher Beteiligung mit einem von den Schülern und Schülerinnen angestimmten Festgesang. Darauf erörterte der Grossrabbiner Moise Habib mit beredten Worten das Historische der Gründung der Alliance, erinnerte an ihre sechs Gründer und sprach sein lebhaftes Bedauern aus, dass vier von ihnen nicht das Glück gehabt haben, das Werk in seiner ganzen Ausbreitung zu sehen. Für die Gesundheit seines hingebungsvollen Präsidenten sprach er innigste Wünsche aus. Er forderte das Publikum auf, seine Erkenntlichkeit gegen „unsere Mutter Alliance" nicht nur durch Beifallsbezeugungen und Feste, sondern durch freigebige Spenden zu beweisen. Er schlug ausserdem vor, eine Wohltätigkeitsgesellschaft zu gründen: ,,Zedaka Bechol Eth", deren Zweck wäre, mittels bescheidener Beiträge ihrer Mitglieder die Mittel zur Beschaf- *) Vergleiche die vorige Fußnote. fung hebräischer Bücher für die armen Allianceschüler aufzubringen. Nach einem von den Schülern gesungenen „Halleluja" bestieg Herr Kowo die Tribüne und setzte den Zuhörern auseinander, was die Alliance in den 50 Jahren ihres Bestehens geleistet hat. Es folgten dann einige von den Schülern vorgetragene Gedichte und ein kleines Lustspiel. Am Schluss wurde der Festgesang wiederholt. Wir alle, Lehrer, Eingeladene und Schüler, begaben uns, Blumen und Fahnen in den Händen, auf die Wiese, wo den Kindern und Gästen Kuchen und Naschwerk gereicht wurde. Fez. Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass wir heute in Fez das Jubiläum der Alliance gefeiert haben. Die Grossrabbinen, Rabbinen, Notabein und ehemalige Allianceschüler, ausserdem zwei Klassen der Knabenschule und eine Klasse der Mädchenschule, waren im Hof und in den Schulräumen versammelt. Zahlreiches Publikum war meiner Einladung gefolgt. Der Grossrabbiner Salomon Danon nahm als erster das Wort. In einer sehr schönen erbaulichen Rede feierte er das segensreiche Wirken der Alliance für die gesamte Judenheit. Er sprach eingehend über die Tätigkeit der Alliance in Fez und schloss, indem er die Anwesenden ermahnte, dem Werk der Alliance durch hilfreiche Unterstützung ihrer Einrichtungen ihre Anhänglichkeit zu zeigen. Ich. hielt sodann einen Vortrag über die Alliance, der von dem Grossrabbiner Vidal Hasserfaty mit lauter Stimme ins Arabische übersetzt wurde. Zum Schluss der Feier wurden von den Grossrabbinen für die Alliance und die Mitglieder des Comites Gebete und Segenswünsche ausgesprochen. Elmale h. Janina. Wie überall, hat hier die Alliance das Wunder vollbracht, zu ihrer Fünfzigjahrfeier die verschiedensten Parteien der Gemeinde zu vereinigen. Als der Tag für die Gedenkfeier heranrückte, haben sich die geachtetsten Notabeln der Gemeinde für die Organisation des Festes interessiert. Unter den Eingeladenen befanden sich der Vali Mustapha Pascha, Platzkommandant, die höheren Offiziere, die Comitemitglieder des militärischen Klubs, der Defterdar Bey, der französische Konsul und seine Tochter, der österreichische Konsul und seine Gemahlin, der italienische Konsul, der Dragoman des griechischen Konsulats, die Direktoren des öffentlichen Unterrichts, des kaiserlichen Lyzeums usw. Ebenso waren alle bedeutenden israelitischen Persönlichkeiten erschienen. Die religiöse Feier wurde mit einem Gebet für das Seelenheil der verstorbenen Gründer und Wohltäter der Alliance eingeleitet. Danach wurde eine Ansprache in türkischer Sprache gehalten. Dann nahm ich das Wort und versuchte unsrem Auditorium auseinanderzusetzen, dass das Werk der Alliance nicht nur ein jüdisches, sondern dass es vor allem ein humanitäres Werk wäre. Ich zog einen Vergleich zwischen der Lage der jüdischen Gemeinden vor 1860 und dem gegenwärtigen »Stand der grossen Gemeinden in der Türkei, wie sie sich während und nach der Revolution von 1908 entwickelt haben. Ich hob hervor, dass wir als Ottomanen das patriotische Werk der Alliance in der Türkei rühmend anerkennen müssten. Darauf nahm Herr Isr. Levy das Wort und entwarf mit grosser Wärme ein anschauliches Bild der Tätigkeit der Alliance in diesem halben Jahrhundert. L a h a n a. Kirmanschah. Die Feierlichkeit, die wir veranstaltet haben, um das Jubiläum der Alliance festlich zu begehen, ist in ihrer Anspruchslosigkeit ergreifend gewesen. Beinahe alle Israeliten von Kirmanschah, Perser und Bagdader sind zugegen gewesen. Unser Hof und unsre Säle, die wir zum Empfang hergerichtet hatten, konnten kaum die vielen Menschen fassen. Aber man war unter sich; man drängte sich ein wenig, um den Neuangekommenen Platz zu machen. Wir haben versucht, mit einigen Worten die Nützlich-' keit des Alliancewerks darzustellen, ein Gesamtbild ihres Wirkens zugunsten der Israeliten zu zeichnen. Wir haben hervorgehoben, welchen bedeutenden Anteil sie an der