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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 591 - 592

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance
Date
1910-08-01
Page
Seite 591 - 592 (sequence 3)
Language
German
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591 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance. 592 Adrianopel. Am vorgestrigen "Sonntag, den 22. Mai, haben wir das langerwartete Fest des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance gefeiert. Die lebendige Anteilnahme an diesem Fest und die Begeisterung, die es hervorbrachte, waren bewundernswert. Die Vereinigung ehemaliger Schüler hat am Sonnabend abend in ihrem eigenen Haus eine Vorfeier arrangiert, zu der das Personal der Schulen, die massgebenden Persönlichkeiten der Gemeindekorporationen und eine grosse Anzahl Familien eingeladen worden sind. Wir haben den an die Alliance und ihre Vertreter gerichteten, von aufrichtiger und kindlicher Dankbarkeit getragenen Worten freudig zugestimmt. Der Direktor dankte der Vereinigung für die der Alliance und ihrem Personal entgegengebrachte treue Gesinnung. Er ermutigte die Mitglieder der Vereinigung, auf dem ihnen vorgezeichneten Weg des Fortschritts und der Solidarität zu beharren, den sie bisher ungeachtet gewisser materieller Schwierigkeiten mutig verfolgt hätten. Eine Lotterie zugunsten des Erziehungswerks und Tanz beschlossen den Abend. Das Fest in der Schule sollte um 9 Uhr morgens beginnen. Unsere 400 Geladenen (Mitglieder der Alliance, hervorragende Persönlichkeiten des Ortes, Vertreter der Konsulate) wie auch nicht eingeladene JFamilien strömten seit V27 Uhr herbei; um 8 Uhr war der grosse Saal unsrer Schule gefüllt. Dieser bot einen festlichen Anblick. Die benachbarten Häuser und die drei israelitischen Klubs haben uns hebenswürdigerweise ihre Stühle und Teppiche geliehen, und die Gärten waren geplündert worden, um den Hof vom Eingang bis zum Empfangssaal mit Blumen zu schmücken. Zahlreiche Fahnen flatterten aus den Fenstern; die Strasse war vom frühen Morgen an fieberhaft belebt. Um 9 Uhr war der grosse Saal gedrängt voll. Der Sekretär des Vali, der Direktor des öffentlichen Unterrichts, der Mufti, der armenische Erzbischof, der Vertreter des griechischen Erzbischofs, der italienische Konsul, die Direktoren der Banken und eine grosse Anzahl Personen der ausländischen Kolonie, ebenso wie die Notabein der griechischen und armenischen Gemeinden sind unserer Einladung gefolgt. Der Konsul von Frankreich, der zur Kur in Ferre weilt, und der englische Konsul, der durch Trauer behindert ist, haben sich entschuldigt. Zu Beginn der Feier wurden Gesänge vorgetragen, die sich grossen Beifalls erfreuten. Der Grossrabbiner, der in spaniolischer Sprache eine ergreifende Rede hielt, pries in beredten Worten das Werk der Alliance, der Präsident des Schulcomites, der sich der türkischen Sprache bediente, zog eine Parallele zwischen dem Stand der israelitischen Gemeinde von Adrianopel vor der Gründung der Allianceschulen und ihrer heutigen Lage. Beide Reden hatten ausserordentlichen Beifall. Ihr Direktor hat sich damit begnügt, einen geschichtlichen Ueberblick über das Werk der Alliance seit seiner Gründung bis auf den heutigen Tag zu geben. Nachmittags begab sich fast die ganze Gemeinde zu Fuss oder zu Wagen, nach der grossen Wiese von Serai, einer herrlichen, ausserhalb der Stadt gelegenen Promenade, und erwartete dort die Ankunft der Mädchen, die weisse Kleider trugen, und der Knaben, die Turnkleidung angelegt hatten und bei Trommelklang anmarschiert kamen. Man kann sich keine Vorstellung machen von den Ovationen, die unseren Schülern auf dem ganzen Weg von der Schule bis zum Serai bereitet wurden. Hier im herrlichen Schmuck dieser malerischen Landschaft wurden turnerische Uebungen und Spiele von unsern jungen Turnern sehr gewandt ausgeführt. Die Menge war begeistert und hörte nicht auf, Hochrufe auf die Alliance und ihre Schulen auszubringen. Der 22. Mai wird in den Annalen der Geschichte der israelitischen Gemeinde in dieser Stadt ein Gedenktag bleiben. Niemals ist ein Fest oder freudiges Ereignis mit soviel Freude und mit solcher Begeisterung gefeiert worden. Die Gemeinde hat sich ihrer Ruhe und ihrer gewöhnlichen Zurückhaltung begeben, um laut die Gefühle kundzutun, die sie für die Alliance beseelen, Gefühle ewiger Dankbarkeit und herzlicher Sympathie. M i t r a n i. Beirut. Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass das Fest des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance am vergangenen Sonntag, dem 15. Mai, mit ausserordentlicher Pracht und glänzendem Erfolg gefeiert worden ist. Die Feierlichkeit in . der Schule wurde von dem französischen Generalkonsul geleitet. Der Vali von Beirut war erkrankt und Hess sich von dem Direktor der politischen Angelegenheiten und dem Dragoman des Vilajets vertreten. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den Direktor des öffentlichen Unterrichts, den Rabbiner, die Notabein und al'e Damen der jüdischen Kolonie. Ich habe die feierliche Gelegenheit benützt, um einen geschichtlichen Ueberblick über das Alliance werk und ein Gesamtbild der von unserer Gesellschaft geschaffenen und unterhaltenen Einrichtungen zu geben. Ich habe auch nicht verfehlt, die kritische Lage der Gemeinde zu beschreiben und zugunsten unserer Schüler und der armen Kinder, die wir aus Mangel an Mitteln nicht aufnehmen können, an das jüdische Solidaritätsgefühl zu appellieren. Ich hoffe, dass ich nicht tauben Ohren gepredigt habe, und dass das Fest am Sonntag für unsere Schulen und für unsere Gemeinde ein günstiges Resultat haben wird. C a r m o n a. Brussa. Das Fest des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance ist in Brussa am 28. und 29. Mai gefeiert worden. Am 28. wurde in der Synagoge feierlicher Gottesdienst abgehalten. Es wurden Gebete für die sechs Gründer der Alliance gesprochen. Die zusammengesetzten Chöre unserer Schüler und Schülerinnen entzückten die Anwesenden. Eine Rede wurde vom Vorsitzenden der Gemeinde verlesen. Die Feier wurde mit einem Umzug der Schüler unserer beiden Schulen durch das israelitische Viertel beendet. Die Kinder sangen zur allgemeinen Zufriedenheit patriotische Lieder. Das Fest, das am Sonntag gefeiert wurde, nahm glänzenden Verlauf. Wir haben in unsrem Schullokal eine grosse Anzahl massgebender Persönlichkeiten empfangen, an deren Spitze sich der Generalgouverneur befand. Die Konsuln von Frankreich und Russland mit ihren Damen, das ganze Personal der deutschen Orientbank, der Ottomanbank, die griechischen, armenischen, muselmanischen und israelitischen Notabein, alle sind unserer Einladung gefolgt. Das Fest begann mit dem gemeinsamen Gesang der Nationalhymne. Ich habe einen Vortrag über das Werk der Alliance gehalten. Darauf wurde von einem ehemaligen Konstantinopler Allianceschüler und Mitglied des Appellationsgerichts in Brussa, Herrn Eskenasi, eine Rede in türkischer Sprache gehalten. Ein in türkischer Sprache vorgetragener Monolog fand grossen Beifall, besonders bei den Muselmanen. Der Generalgouverneur selbst sagte dem Kinde, das ihn gesprochen hatte, anerkennende Worte. Nach dem Aufbruch der hohen Persönlichkeiten blieb die Jugend von Brussa noch lange in der Schule zusammen. Es war ein Uhr morgens, als man nach Hause ging. Wir haben alle Ursache, mit unsrem Fest zufrieden zu sein. S e m a c h. Cavalla. Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass wir in der Schule am letzten Pesachtage, am 1. Mai, die Gedenkfeier des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance gefeiert haben. Die Feier war imposant, und da es Sonntag war, folgten alle bereitwilligst unserer Einladung. Mehr als 400 Personen waren zu dieser Feierlichkeit gekommen, die eine der schönsten und gelungensten war, der wir beizuwohnen Gelegenheit hatten. Alle hohen Zivil- und Militärpersonen waren zugegen, u. a. der neue Gouverneur, der Generalbevollmächtigte, die Konsuln von Oesterreich, Italien und Griechenland und die Direktoren sämtlicher industrieller und finanzieller Etablissements der Stadt. Unser türkischer Lehrer, Herr Habib, hielt die erste Rede in türkischer Sprache, die ganz besonders auf die zahlreich anwesenden Türken den besten Eindruck machte. Er sprach von der Alliance, von den Zielen, die sie verfolgt, und von ihren Schulen in der Türkei. Dann kam ich an die Reihe. Ich wies auf die Verdienste der Alliance um die gesamte Judenheit hin, die sie sich in den fünfzig Jahren ihres Bestehens erworben hat. Sodann sprach ich von unserem Schulwerk, das seit nunmehr

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