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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 589 - 590

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance
Date
1910-08-01
Page
Seite 589 - 590 (sequence 2)
Language
German
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589 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das fünfzigjährige Jubiläuni der Alliance. 590 an die Kinder eine kurze Ansprache, in der er sie über ihre Pflichten gegen die Alliance aufklärte. Die ungeheure Menge, die. die Parallelstrasse auf eine Länge von 500 Meter füllte, brachte begeisterte Hochrufe auf die Alliance aus. . Die Ovationen setzten sich während des ganzen Weges fort. Im neuen Klub, wohin die Grossrabbinen Nahum und Meir mit den Gemeindemitgliedern sich begeben hatten, um den Vorbeimarsch zu sehen, wurde der Festzug von einem Musikkorps begrüsst. Von allen Klubs — dem neuen, dem grossen israelitischen Klub, dem Klub der Freunde, der Vereinigung ehemaliger Schüler, von der französisch-deutschen Schule — wurden Blumen und Bonbons auf die Schüler herabgeworfen. Diese Kundgebung belehrte alle auf das anschaulichste über die Tätigkeit der Alliance; man konnte sich durch den Augenschein überzeugen, auf welche grosse Masse von Schülern sich ihre Fürsorge ausdehnt. Es war ein wahrer Triumph für die Alliance. Die Zöglinge kehrten in guter Ordnung in ihre Schulen zurück, wo ihnen ein Vesperbrot aufgewartet wurde. Am Nachmittag blieb der grösste Teil der jüdischen Geschäfte zu Ehren des Tages geschlossen. Die ganze Stadt feierte. In allen Hauptstrassen waren die Häuser mit Flaggenschmuck versehen. Am Abend illuminierten alle Klubs. Der Freiheitsplatz war mit Fahnen und Lampions bedeckt. Die meisten Häuser der Parallelstrasse hatten gleichfalls illuminiert. Unter andern Besuchern haben wir in der Vereinigung Herrn Dr. Nazim empfangen, der sich in begeisterten Worten über das Alliancewerk aussprach. Er sagte uns, dass der grösste Wunsch des „Ottomanischen Comites" ist, eine Gesellschaft gleich der Ihren zu gründen, um an der geistigen Hebung der Ottomanen zu arbeiten. Um 9 Uhr fand ein Festmahl in der Vereinigung statt, zu dem die Comites aller israelitischer Klubs der Stadt vollzählig eingeladen worden waren. Die Vereinigung hatte es für richtig gehalten, die ganze Jugend, die der Alliance ihre Ausbildung verdankt, festlich zu vereinigen. Herr Jacob Modiano nahm den Ehrenplatz ein; 115 Gäste hatten an unserm Tisch Platz genommen. Wir können versichern, dass sie die Elite unsrer Gemeinde darstellten. Herr Modiano eröffnete die Reihe der Toaste. Er richtete an die Alliance und an Herrn Leven Worte herzlicher Ergebenheit und machte uns zum Gedächtnis an die Fiinfzigjahrfeier ein Geschenk von 50 Pfund türkisch, die er für i rgendeinen gutenZweck zu verwenden uns anheimstellte. Dieses Festmahl trug ausserordentlich dazu bei, die Bande der Freundschaft unter den verschiedenen israelitischen Gruppen xu festigen. Man beschloss, ohne Verzug eine Verständigung herbeizuführen, um gemeinsam an der Reform der Gemeinde zu arbeiten, um die Kenntnis des Türkischen in den Schulen zu verbreiten, um das Handwerk zu fördern. Mit einstimmigen! Beifallsruf wurde folgende Resolution zum Schluss des Banketts angenommen: „Die zur Fünf zig jahrfeier der Alliance in der Vereinigung zu einem Festmahl versammelten Comites der israelitischen Klubs — Grosser Israelitischer Klub, Neuer Klub, Klub der Freunde, Vereinigung — geben ihrer kindlichen Dankbarkeit und ihrer unerschütterlichen Anhänglichkeit an die Alliance Ausdruck. Sie sprechen innigste Wünsche aus für die Wiederherstellung des Präsidenten Herrn Leven." Im Verlauf der Feierlichkeiten, die sich am letzten Mittwoch abgewickelt haben, hat man erkennen können, wie tief und aufrichtig die Liebe und Dankbarkeit ist, die die ganze jüdische Bevölkerung für die Alliance hegt. In folgendem resümieren wir das Ergebnis, das die Jubiläumsfeier für uns gehabt hat: I. Zwei Jahrespreise von je 50 Francs für die besten Schüler der Allianceschulen, gestiftet von dem Gemeinderat. IL Zwei Jahrespreise von je 50 Francs mit der gleichen Bestimmung, gestiftet von dem Neuen Klub. III. Ein Jahrespreis von 50 Francs als Belohnung für den besten Lehrling, gestiftet von Herrn Schneidermeister Paul Molho, ehemaligem Lehrling, Mitglied unserer Vereinigung. IV. Schaffung zweier Normalklassen in der Schule Moise Allatini. V. Feierliche Verteilung von Medaillen und Diplomen in Würdigung des von der Alliance zur Verbreitung des Handwerkes geschaffenen Werkes. VI. Wahrscheinlicher Zusammenschluss aller israelitischen Vereine mit der Absicht gemeinsamer Arbeit zur Hebung der Gemeinde. Diese Resultate sind dazu angetan, die Freunde der Alliance zu befriedigen. Sie bezeugen klar die unerschütterliche Anhänglichkeit an das Werk, das während dieser fünfzig Jahre unermüdlich an der Hebung der orientaüschen Judenheit gearbeitet hat. Unsere Vereinigung hat geglaubt, Ihnen von den Vorgängen Kenntnis geben zu sollen. Sie spricht den Wunscli aus, dass diese tröstliche Darstellung zur Erleichterung der Unpässlichkeit beitragen wird, an der Sie augenblicklich leiden. Indem wir Ihnen lebhafte Wünsche für Ihre baldige Genesung aussprechen, versichern wir Sie, Herr Präsident, unserer kindlichen Liebe und tiefsten Dankbarkeit. Bericht des Lokal-Comics der Alliance in Saloniki. Es gereicht unserm Comite zur Freude, Ihnen mitzuteilen, dass das Jubiläum der Alliance am 4. Mai hier mit unvergleichlichem Glanz gefeiert worden ist. Niemals hat hier ein Fest einen feierlichem Charakter gehabt, niemals ist die Begeisterung allgemeiner gewesen. Nach dem im Einverständnis mit dem Gemeinderat festgesetzten Programm wurde im grossen Tempel in Gegenwart der Herren Grossrabbiner Nahum und Is. Fernandez in Anwesenheit von ca. 4000 Personen ein Gottesdienst abgehalten. Reden wurden gehalten namens der Gemeinde, des Lokal-Comites und der Vereinigung ehemaliger Schüler. In sämtlichen Vorträgen ist das Werk der Alliance gebührend gerühmt worden. Vom Tempel begab man sich nach der Schule Moise Allatini. Das Lokal-Comite hatte es für richtig gefunden, die Grundsteinlegung dieses Schulgebäudes am Tag der Fünfzigjahrfeier der Alliance vorzunehmen. Wir haben die Autoritäten der Stadt eingeladen, der Zeremonie beizuwohnen. Nach den üblichen Gebeten wurden verschiedene Ansprachen gehalten, darunter eine von Herrn Dr. Leon Modiano im Namen des Lokal-Comites. Dann wurde der Grundstein gelegt. Einige Personen, von der Begeisterung des Augenblicks getragen, machten spontane Zuwendungen zugunsten des Wiederaufbaus der Schule. Nachmittags fand ein Festzug der Schüler unserer Schulen statt. Zu vieren geordnet und von dem ganzen Lehrkörper, sowie unsern Lehrlingen und den Mitgliedern der Vereinigung begleitet, durchzogen die Schüler mit Musik und Fahnen die Hauptstrassen der Stadt bis zum Haus der Vereinigung. Hier wurde Halt gemacht und die kurze Ansprache eines Mitgliedes der Vereinigung angehört. Ihnen die Wirkung dieses Vorbeimarsches zu schildern, liegt ausserhalb unsers Könnens. Ueberall auf dem ganzen Weg stockte der Verkehr. Die Balkons waren schwarz von Menschen; während des ganzen Umzugs ertönten unaufhörlich begeisterte Zurufe. Es war ein imposantes, in den Annalen der Geschichte der Israeliten von Saloniki einzigartiges Schauspiel. An diesem Tag, der von unsrer Gemeinde als Feiertag erklärt wurde, waren tatsächlich alle Bureaus, Banken und Läden geschlossen, hatten alle Häuser, Schulen, Klubs geflaggt und illuminiert. Alle Institutionen schickten unsern Schulen Sträusse und Blumenkörbe. An diesem Tag, dem Ruhmestag der Alliance, schlugen alle israelitischen Herzen in gleicher Freude und in gleicher Bewegung. Saloniki konnte seine Dankbarkeit nicht besser bezeugen. Wir glauben, dass keine orientalische Gemeinde in diesem Punkt mit uns rivalisieren kann. Gewiss hat unsre Bevölkerung die Pflicht gehabt, diesen Kundgebungen festlichen Glanz zu verleihen; es ist jedoch angenehm, sagen zu können, dass diese Pflicht von allen voll und ganz auf das würdigste erfüllt worden ist. Vor allen anderen hat sich die Vereinigung der ehemaligen Schüler besonders hervorgetan und sich selbst übertroffen.

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