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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 587 - 588

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance
Date
1910-08-01
Page
Seite 587 - 588 (sequence 1)
Language
German
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587 588 ^natuN^''^ aas dem Oeiuscben Buiean der M Alliance Jsraelite Univeisdle no nr oTiy BERLIN.IN 2^. ^trvtr 0ranienöurgcrsrr4?43 DAS FUENFZIGJAEHRIGE JUBILAEUM DER ALLIANCE. Das fünfzigjährige Bestehen der Alliance ist in fast allen Orten, an denen sich AUianceschulen befinden, mit grosser Begeisterung festlich begangen worden. In Konstantinopel, Saloniki, Bagdad, Adrianope], Smyrna, Marokko hat die Liebe zur Alliance ergreifenden Ausdruck gefunden, ist man voller Dankbarkeit für sie, die unter den unwissenden jüdischen Massen des Orients und Afrikas Bildung verbreitet, die zahlreichen Generationen ermöglicht hat, sich zu erheben und wirksamen Anteil zu nehmen an dem wirtschaftlichen und intellektuellen Leben ihres Landes. Einige Beschreibungen über den Verlauf dieser schönen Kundgebungen seien hier angeführt: Bericht der Vereinigimg ehemaliger Alliancesehüler. Saloniki, 6. Mai 1910. Das Fest des fünfzigjährigen Bestehens der Alliance ist gestern in glänzender Weise gefeiert worden. Wir sind glücklich und stolz, dass wir es organisiert haben, und dass der Erfolg so vollkommen war. Alles, was in der Stadt Ansehen besitzt, alle hervorragenden Persönlichkeiten, die Elite unsrer Gemeinde, war seit 9 Uhr in dem grossen Gemeindetempel versammelt. Mädchen und Knaben aus allen Schulen bildeten am Eingang Spalier. In den Händen hielten sie herrliche Blumenkörbe, die von allen Gesellschaften und Körperschaften der Stadt geschickt worden waren. Unser Musikkorps spielte Märsche. Um 9Y2 Uhr betraten, umgeben von den Notablen der Gemeinde, der Grossrabbiner der Türkei, der sich hier auf der Durchreise befindet, der Grossrabbiner von Saloniki, Herr Meir, und der ebenfalls auf der Durchreise befindliche Grossrabbiner von Beyrut den Tempel. Der Grossrabbiner Meir bestieg die Kanzel und hielt eine kurze Ansprache über das Werk der Alliance. Herr Jacob Modiano, Mitglied des Gemeinderats, sprach darauf in spanischer Sprache. Seine Rede war von Anfang bis Ende ein Hymnus der Dankbarkeit und Ergebenheit. Er schloss mit dem Wunsch, dass der ausgezeichnete Mann, der heute an der Spitze der Alliance steht, dessen ganzes Leben man in das eine Wort „Aufopferung" zusammenfassen kann, uns noch lange Jahre erhalten bleiben möge. Herr Modiano verkündete, dass die Gemeinde zum Gedächtnis an das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance beschlossen habe, 1. der Schule Moise Allatini zwei neue Normalklassen anzugliedern, 2. zwei jährliche Prämien von je 50 Francs als Belohnung für die besten Alliancesehüler zu stiften. Herr Benghiat, interimistischer Direktor der Schule Moise Allatini, schilderte nochmals die Geschichte der Alliance und hob ihren Einfluss im ganzen Orient hervor. Seine Rede wurde sehr beifällig aufgenommen. Unser Vizepräsident, Herr Ascher Mallah, sprach namens der Vereinigungen ehemaliger Schüler und Schülerinnen. Das Mitglied unserer Vereinigung Herr Saltiel Sadok, der tüchtigste Kunsttischler xmsrer Stadt, der sehr grossen Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Einfluss auf die Arbeiter hat, richtete an diese und an die früheren Lehrlinge der Alliance, die sämtlich eingeladen und am Fuss der Kanzel gruppiert waren, einige Worte. Zuletzt nahm Herr Fernandez, Vorsitzender des Bezirks- Comites in Konstantinopel und Mitglied des Central-Comites, das Wort, und gab seiner Freude über die Begeisterung Ausdruck, mit der das Publikum dem Ruf der Veranstalter des Festes gefolgt ist. Von seinen kurzen, mit grosser Herzenswärme vorgetragenen Ausführungen waren die Anwesenden tief bewegt. Während im Tempel die letzten Reden gehalten wurden, begab sich unser Musikkorps in Begleitung von 30 Mitgliedern, einer Anzahl Gendarmen und Gemeindebeamten auf den Bauplatz der Schule Moise Allatini, wo am Vorabend eine grosse, sehr hübsch dekorierte Tribüne errichtet worden war. Teppiche bedeckten den Boden, und eine Reihe Sessel bildeten eine Art hübschen Salons inmitten des Schuttes. Zu dieser zweiten Feierlichkeit waren alle hohen Zivil- und Militärbeamten eingeladen worden. Mit den drei Grossrabbinern erschienen alle Notablen der Stadt. Der Vali gab das Zeichen zum Beginn. Der Grossrabbiner Meir sprach ein Gebet in hebräischer Sprache, worauf die mit ihren Amtsgewändern bekleideten Rabbinen Psalmen anstimmten. Die Reden nahmen ihren Fortgang. Herr Halfon, der türkisch sprach, schilderte den Zustand unserer Gemeinde vor 1873, in welchem Jahr Ihre erste Schule in Saloniki gegründet wurde, und zeigte den sittlichen Aufschwung, den Ihr Werk unter uns hervorgebracht hat. Herr Naar ermahnte unsere Glaubensgenossen, dass sie die Pflicht hätten, zum Bau der neuen Schule beizusteuern. Die rührende Ansprache des Dr. Modiano hatte ausserordentlichen Beifall. Hierauf kam die Reihe an den Grossrabbiner Nahum, dessen in türkischer Sprache gehaltener Vortrag von den zahlreichen bei ^der Feier anwesenden Muselmanen sehr bewundert wurde. Er hob u. a. hervor, wie notwendig es für die Israeliten sei, das Türkische zu erlernen, und sagte, dass die Schulkommissionen hinfort in diesem Sinn bestrebt sein müssten. Der Vali antwortete mit einer Rede, in der er die pa- ■ triotischen Tugenden der Israeliten rühmte. Man schritt darauf zur Grundsteinlegung. Während der Zeremonie wurden zugunsten des Schulgebäudes spontan einige Geschenke gemacht, darunter eins von 500 Francs. Gegen 2 Uhr versammelten sich alle Zöglinge aus der Mädchenschule, der Gewerbeschule, der Elementarschule in der oberen Stadt. Ein ungeheurer Zug wurde gebildet. An der Spitze marschierten die Kinder aus dem Kindergarten, die übrigen Schulen schlössen sich in folgender Reihenfolge an: Mädchenschulen Calamaria, Vardar, Gewerbeschule, Knaben-Elementarschule, Moise Allatini, Oberkursus. Vor jeder Schule wurde eine Standarte und die türkischen Fahnen hergetragen. An der Spitze des Zugs marschierte unser Musikkorps. Zu beiden Seiten schritten die Lehrer, die ehemaligen Schüler und Lehrlinge. Um 3 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Er durchzog die Strasse Sabri - Pascha, den Freiheitsplatz, einen Teil des Kais, die Parallelstrasse und gruppierte sich vor dem Haus der „Association". Vom Balkon der „Association" richtete ein ehemaliger Schüler

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