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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 567 - 568

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Die Märtyrer von Berlin
Date
1910-08-01
Page
Seite 567 - 568 (sequence 4)
Language
German
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567 B. Samuel: Die Märtyrer von Berlin. 568 BENNO BECKER. Mönch drangen, ihnen eine Hostie zu verschaffen. Der zum Judentum bekehrte Mönch weiht nun eine Hostie und bringt sie nach Sternberg, wo sie von Eleasar und zweien seiner Genossen iin Empfang genommen wird. Man ist überzeugt, dass die Juden an dem character indelebilis der Priesterweihen ebenso festhalten, wie die Kirche, so dass die von einem abtrünnigen Priester vollzogene Konsekration volle Gültigkeit habe, auch wenn es sich darum handelt, die Hostie zu schänden! Eine weitere, grosse Hostie kauften die Juden von einer Christenfrau zu Teterow für£10 Schillinge und beschnitten sie zu der Form einer kleinen Hostie. Hier fängt die Geschichte an, sich etwas zu verwirren. Eigentlich hatten die Juden schon Hostien genug, aber sie brauchten ihrer offenbar noch mehr. Dazu musste ein in Sternberg lebender Priester, namens Peter Däne, einen „Grapen", nach andern einen Kelch bei dem genannten Eleasar versetzen, und ausserstande, dem Gläubiger die hohen Wucherzinsen zu bezahlen, einwilligen, ihm das Allerheiligste Sakrament auszuliefern, auf dass er damit seine Schändlichkeiten treibe. Am 10. Juli 1492 nun weihte Peter Däne auf dem Altar zwei Hostien, wickelte sie in ein Stück Seide, das er von der Decke eines Altars abgeschnitten, und brachte sie am andern Tag dem Eleasar, dessen Frau sie in eine Tonne mit Federn versteckte, die zur Aussteuer ihrer Tochter bestimmt waren- Die Hochzeit dieser Tochter fand am 20. Juli statt, und zu dieser Feier hatte Eleasar alle Mitschuldigen und ausserdem noch eine Menge Juden geladen, „alle gleicher Gesinnung'1. Am Morgen des Hochzeitstages um 8 Uhr holte Eleasars Weib die Hostien hervor, übergab sie ihrem Mann; dieser ging damit in eine Laube hinter dem Haus, wo er die Hostien auf einen eichenen Tisch legte. Fünf Juden versetzten einer Hostie fünf Nadelstiche, worauf die Hostie sofort zu bluten anfing. Dies bezeugten später unter der Folter Eleasars Weib und ihr Schwiegersohn. Am Abend des Hochzeitstages stachen die Juden mit Messern nach beiden Hostien. Nun überfiel die Juden doch eine grosse Furcht, obgleich sie sich durch einen fürchterlichen Eid zur Geheimhaltung der Missetat verpflichtet hatten. (Dies und das Folgende kehrt in allen Hostienschändungsprozessen mit unermüdlicher Regelmässigkeit wieder.) Eleasar befahl seinem Weib, die Hostien zu vernichten. Aber alle Versuche waren vergeblich. Die talergrossen, feinen, dünnen Plättchen aus ungesäuertem Weizenmehl, die ohnehin schon von Nadeln und Messern zerstochen waren und Blut geschwitzt hatten, widerstanden sowohl dem Feuer, als dem Wasser. Die Frau wollte sie am Ende beim Mühlentor in den Mühlbach werfen, aber da „sank sie mit den Füssen in einen grossen Stein". Dieser Landschaft. MUENGHEN. wurde später zur Erinnerung an das Wunder an der südlichen Hauptpforte der Kirche eingemauert. Als der Frevler Eleasar das sah, wollte er mit dem „Gott der Christen" nichts mehr zu tun haben; er befahl daher seiner Frau, die Hostie dem Priester wieder zurückzustellen. Von nun ab verschwindet Eleasar für immer und taucht nicht wieder auf. Es wird versichert, er wäre aus Furcht vor Strafe entflohen, hätte aber die beiden Hostien von Penzlin mit sich genommen. Sein Weib steckte nun die geschändeten Hostien in einen „Leuchterkopf" und brachte sie am 21. August dem Peter Däne mit den Worten zurück: „Hier habt Ihr Euren Gott wieder, verwahret ihn." Peter Däne gedachte, sie wieder in die Kirche zu bringen, oder auf dem Friedhof zu begraben, allein er konnte das nicht, — warum, ist nicht klar; und so vergrub er sie auf dem Fürstenhof an der Stadtmauer. Später erschien ihm allnächtlich ein Geist, der ihm keine Ruhe Hess, und ihn schliesslich bewog, die Vergrabung der Sakramente (er hatte die Stelle vergessen, und sie wurde ihm durch ein Wunder offenbart) seinen Mitpriestern anzuzeigen. Er beichtete dem Dompropst zu Schwerin in der Hoffnung, Ruhe und Versöhnung zu finden. Das Domkapitel trug die Sache den Herzögen von Mecklenburg vor; nach eingeholten Bedenken der Bischöfe von Schwerin, Ratzeburg -und Kamin begaben sich am 29. August die Herzöge in Begleitung vieler Prälaten, Geistlichen, Räte und Lehnsmänner nach Sternberg. Peter Däne musste die Hostien ausgraben, und diese wurden darauf in grosser Prozession in die Kirche gebracht. Die Herzöge stellten nun eine Untersuchung an, die die ganze schändliche Verschwörung der Juden an den Tag brachte. Doch der Hauptschuldige war verschwunden, die Hochzeitsgesellschaft zerstreut. Daher wurden alle Juden von Mecklenburg gefänglich eingezogen und am 22. Oktober unter die Folter genommen. Ihrer 65 waren angeklagt, und schon zwei

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