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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 555 - 556

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amterdam
Date
1910-08-01
Page
Seite 555 - 556 (sequence 4)
Language
German
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555 Ernst Altkirch: Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amsterdam. 556 des guten Geistes ihres bescheidenen Sammlers. Darum ist auch ihre ganze Einrichtung so einfach wie möglich, Büchergestell reiht sich an Büchergestell, und dem uneingeweihten Besucher wird sie nicht viel zu bieten vermögen. Dem Eingeweihten aber erschliesst sie sich als eine fürstliche Schatzkammer, in der er nur die Hände auszustrecken braucht, um Auge und Geist mit den seltensten Schätzen zu erfreuen. Die Eosenthaliana wird jedem, der sich mit dem Studium der Geschichte, der Literatur oder auch der gottesdienstlichen Gebräuche des Judentums befassen will, ein wundervolles Material bieten.. Werke über die hebräische Sprache, seltene und kostbare Ausgaben der Bibel, der Mischna und des Talmud mit ihren Kommentaren, masoretische und liturgische Schriften, kabbalistische und philosophische Werke, kurzum, das Bedeutendste von allem, was in früheren Jahrhunderten in der hebräischen, arabischen und chaldäischen Sprache und auch in allen europäischen Sprachen geschrieben ward, findet man hier vereinigt. Ebenso begegnen wir der Literatur unserer Zeit, und so dürfte die Rosenthaliana mit zu den grössten Bibliotheken der Welt zu rechnen sein, die dem Ruhm des Judentums dienen. Der Bücherliebhaber aber wird besonders die köstlichen und seltenen Ausgaben von Werken aus der ersten Zeit der Buchdruckerkunst und ihre prächtigen Einbände bewundern. Uebrigens wurde mit dem bereits genannten hebräischen Katalog auch ein solcher in deutscher Sprache gedruckt, der ebenfalls von M. Roest bearbeitet worden ist, und der Bibliotheken und einigen Gelehrten zum Geschenk gemacht wurde. Roest war ein bekannter und geschätzter Bibliograph, der von Baron Rosenthal zum ersten Konservator der Rosenthaliana ernannt wurde. Der heutige Konservator ist der nicht minder kenntnisreiche J. M. Hillesum. Dem Sohn ihres Gründers verdankt die Rosenthaliana manche verständnisvolle Bereicherung. George Rosenthal, der allenthalben ein Förderer der Wissenschaften und Künste war, und dessen schönes "Verhältnis zu Spinoza bereits erwähnt wurde, hat dafür gesorgt, dass die Bücherei eine umfassende Sammlung von Werken der Geschichte der Juden in den Niederlanden, sowie eine solche der berühmten Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert von Werken spanischer und portugiesischer Juden, die in Amsterdamer Offizinen hergestellt wurden, erhielt. Dazu sind in den letzten Jahren aus einigen grossen Versteigerungen, die in Amsterdam stattfanden, wertvolle Bücher und Handschriften angekauft worden. Es wird für viele von Interesse sein, aus den Schätzen der Rosenthaliana etliche der schönsten und seltensten Handschriften und Druckwerke kennen zu lernen. Ich lasse deshalb eine kleine Auslese mit kurzen Bemerkungen folgen. Handschriften. 1. Ausführlicher Kommentar zur Tosefta von Isaac Lemgau, Oberrabbiner in Groningen (1800—1801). 3 Teüe in 2 °. 2. Or Saruah von R. Jitzchak aus Wien. Eine sehr wertvolle Handschrift aus dem 14. Jahrhundert. Sie diente als Vorlage für die Ausgabe Sytomir 1762. 2°. 3. Sefer Rawia von R. Elieser ben Joel ha-Levi, Lehrer des R. Jitzchak. 2°. L Reisebeschreibung von Abraham Levi aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Jüdisch-deutsche Papierhandschrift. 2 Teile in 2°. 5. Mohelbuch mit Malereien von Juda Loeb aus Treibisch in Mähren, 1713. 8 o. Die Handschrift ist jedenfalls in Amsterdam entstanden, worauf auch die farbigen Darstellungen hinweisen. 6. Saul Levi Morteira, Providencia de Dios con Israel. Escripto por Abraham Fidanque. 1710. 2 °. Prachtvolle Handschrift mitlnitialzeichnungen, die gleich anderen Manuskripten erkennen läßt, daß die spanischen und portugiesischen Juden Meister der Schönschreibekunst waren. Druckwerke. Hebraica. 1. Aben Esra's Pentateuch - Kommentar. Napels 1488. 4o. 2. Maimonides, More Nebochim. Rome vor 1480. 4 °. 3. Nachmanides, Pentateuch-Kommentar. Lissabon 1489. 4o. 4. JPirke Eliahu. Pesaro 1520. 4o. 5. Gebetbuch für den Ritus der romanischen Gemeinden. Constantinopel 1573—76. 2 Teile in 2°. 6. Sabbathai Bass, Mesechet Derech Erez. Amsterdam 1671. 32°. Einzig bekanntes Exemplar. Judaica. 1. Maimonides, Aphorismi. Seeundum doctrinam Galieni. Bononie 1489. 4°. 2. Maimonides, Tractatus de regimine Sanitatis ad Soldanum regem. Augustae Yindelicorum 1518. 4°. 3. Elogios que zelozos dedicaron a la felice memoria de Abraham Nunez Bemal que fue quemado vivo. Amsterdam 1655. 4°. 4. Panegirico a los tres bienaventurados martires Abraham Athias, Yahacob Rodrigues Casares y Raquel IsTunez Fernandes, que fueron quemados vivos en Cordova . . . por Daniel Levi de Barrios. Amsterdam 1665. 8<>. 5. Respuesta al sermon, predicado por el Arcobispo de Cangranor. Villa Franca (London) por Carlos Vero (Chacham Meto). 8°. 6. Sermam de auto da Fe. .. Lisboa 1705. 8°. 7. Sam. da Silva, Tratado da Immortalidade. Amsterdam 1632. 8».

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