Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amterdam
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 557 - 558 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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557 558 f$P* X^k ■ " - - r:.;V^S I: < j;:.; ';°j lilliÖÄÄ H] BENNO BECKER. Atelier des Künstlers. MUENCHEN. BENNO BECKER. Von Karl Schwarz. Die riesigen Bilderansammlungen, die alljährlich die grossen Kunstausstellungen in den verschiedenen Städten zur Schau stellen, haben den Künstler in den letzten Jahrzehnten in eine ganz andere Lage versetzt als früher. Das Ausstellungswesen stellt ihm Bedingungen, die er bei der Anfertigung seiner Werke beachten muss, um in der grossen Menge des gleichzeitig Dargebotenen überhaupt zur Geltung zu kommen — er muss auffallen, um gesehen zu werden, um nicht in dem Chaos unterzugehen. So entstehen denn sogenannte Ausstellungsstücke, die dort an den Wänden der grossen Säle in imposanten Rahmen sich ganz gut ausnehmen, die aber weder für einen \ Privatraum noch für eine andere Bestimmung passen. Das Sensationsbild hat seinen Zweck erfüllt, wenn es von sich reden macht, es verdankt sein Entstehen selten innerem Drang, oft^dem Streben nach Erfolg. Diese Gedanken ungefähr legte mir Professor Becker bei meinem Besuch in seiner herrlichen Münchener Villa dieser Tage dar, als ich das Gespräch auf seine beiden Landschaftsgemälde lenkte, die in der diesjährigen Sezessionsausstellung am Königsplatz so wohltuend bescheiden zwischen all dem bunten Geflimmer wirken. Nachdruck verboten. (Bereits früher hat der Künstler denselben Gedanken in einem Artikel in der „Kunst für Alle" (VIII, 1892, S. 343) anlässlich der Gründung der Münchener Sezession, zu deren ersten Mitgliedern er gehörte, ausführlich behandelt.) Ich benutze dieses Gespräch als Einleitung, weil es treffend die Kunst Beckers charakterisiert, dessen Werke in ihrer gediegenen und soliden Ausführung so recht dazu geschaffen sind, um die Wand eines traulichen Zimmers zu schmücken, eine ruhige und anheimelnde Stimmung auszuströmen und die Phantasie des Beschauers länge Zeit in angenehmer Weise zu beschäftigen, die aber leider in den Ausstellungen von den lauten Nachbarn überschrieen und von dem Publikum übersehen werden. Mit den einfachsten Mitteln sind diese Landschaften gegeben; es sind Stimmungsbilder, die die verborgenen Reize der Natur erschliessen, den Beschauer in die Einsamkeit führen und ihm dort die unbelauschten Schönheiten zeigen, abseits von allem Lärmen, in den Stunden, da die AVeit noch schläft oder von des Tages Arbeit ermattet sich wieder zur Ruhe begibt. Dort draussen auf dem weiten Feld, im Schatten gewaltiger Bäume, Benno Becker, hebt der Künstler den feinen