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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 553 - 554

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amterdam
Date
1910-08-01
Page
Seite 553 - 554 (sequence 3)
Language
German
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553 Ernst Altkirch: Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amsterdam. 554 weit entfernt, ein Büchernarr zu sein, und mit den meisten Bibliophilen unserer Tage ist er nicht zu vergleichen. Beim Ankauf von Büchern leitete ihn nur seine Liebe zur Wissenschaft. Er war ein echter Gelehrter, dessen grösste Freude die Schöpfungen und Untersuchungen des menschlichen Geistes bildeten, und vor allem war er ein Bewunderer der Schönheit, Kraft und Tiefe der hebräischen Literatur. Die meisten Werke, die sich in seiner Bibliothek befinden, sind von ihm gelesen und mit einer Menge Anmerkungen versehen worden. Sie sind ein Beweis für Rosenthals eisernen Fleiss, seine ausgebreiteten Kenntnisse und seinen durchdringenden Verstand. Die Beschreibung seiner Bibliothek, die er selbst in hebräischer Sprache angefertigt hat, wurde im Jahr 1875 auf Veranlassung seines Sohnes, des Barons Eosenthai, von M. Hoest unter dem Titel Jodeah Sefer herausgegeben, ein mustergültiges Werk auf dem Gebiet der hebräischen Bibliographie. Mit den hervorragendsten jüdischen Gelehrten und Kennern der hebräischen Literatur seiner Zeit stand Rosenthai in Briefwechsel, stets zu Auskünften und zur vorübergehenden Hergabe seiner Bücherschätze bereit. Und mit inniger Freude sah er seine Bibliothek von Jahr zu Jahr grösser werden. Er herrschte in ihr wie in einem kleinen Reich, in dem er König war, Kostbarer Einband (Kalbsleder mit Gold) für Maimonides Mischnah Torali, gedruckt in Amsterdam bei Athias 1702. Aus einem Mohelbuch. Handschrift von Juda Loeb. 1713. und das den Stolz seines Alters bildete. Rosenthal starb in Hannover am 7. August 1868. Was er sich in jüngeren Jahren erträumt hatte, dessen Verwirklichung hat ihm in reiferen Jahren sein Leben überaus köstlich gemacht. Wenn man sein Bildnis von P. Hanssen betrachtet, das ihn im. rüstigen Greisenalter darstellt, und das über dem Kamin in der Rosenthaliana hängt, blickt man in ein liebenswürdiges Gelehrtengesicht; man fühlt sich angezogen von dem milden Geist und der inneren Vornehmheit, die aus seinen Zügen sprechen. Das Porträt wurde 1881 nach einer Photographie gemalt, damit jedem Besucher der Bibliothek der Mann von Angesicht bekannt werde, der für die Wissenschaft des Judentums auf seine Art Grosses getan hat. Die Rosenthaliana befindet sich im ersten Stockwerk der Universitätsbibliothek am Singel; man empfängt in ihr das schöne Gefühl, dass sie nicht zu den Bibliotheken gehört, deren Benutzung von zahlreichen Bestimmungen abhängt. Jeder Besucher wird vom Konservator willkommen geheissen, und was er sucht und braucht, das wird ihm ohne grosse Umstände ausgehändigt. Man glaubt sich in einer Privatbibliothek zu befinden und spürt noch heute das Walten

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