Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amterdam
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 551 - 552 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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551 Ernst Altkirch: Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amsterdam. 552 Die Bibliotheca Rosenthaliana. trefflich schöne Sammlungen und verdienen, dass auch in Deutschland ihrer ausführlich gedacht wird, besonders da ihrer Benutzung für jede wissenschaftliche Arbeit nichts im Weg steht. Mit der Rosenthaliana sind zwei Namen eng verknüpft, der des Gelehrten, der sie mit unendlichem Fleiss und grosser Sachkenntnis zusammenbrachte, und der des Mannes, der sie im Jahr 1880 der Stadt Amsterdam schenkte. Der Spender ist der im vorigen Jahre verstorbene Baron George von Rosenthal, Gründer des Amsterdamer Bankhauses Lippmann, Rosenthal & Co., durch das er zu grossem Reichtum kam. Er hat für die Juden Amsterdams viel getan, und besonders durch seine Wirksamkeit auf philanthropischem Gebiet hat er sich und seiner Gattin Sophie ein dauerndes Denkmal gesetzt. Die Sophie Rosenthal-Bewahranstalt ist die beste und schönste Kleinkinderschule Hollands. Da Rosenthal ein Verehrer Spinozas war, hat er auch der Vereinigung „Het Spinozahuis" beträchtliche Unterstützungen gewährt, durch die der Ankauf des Hauses und die Erwerbung der Bücher, die von dem Philosophen benutzt worden sind, ermöglicht wurde. Wenig bekannt ist, dass George.Rosenthal mit Bismarck wegen Schenkung der Rosenthaliana an die Königliche Bibliothek in Berlin unterhandelt hat. Die Verhandlungen scheiterten, und die Schuld hieran dürfte Bismarck zuzuschreiben sein. Erst mehrere Jahre später entschloss sich dann Rosenthal, die Sammlung der Stadt Amsterdam zu überlassen. Es muss sehr bedauert werden, dass diese Biblio-. thek uns verloren gegangen ist, denn in Deutschland wurde sie von L. Rosenthal, dem Vater George Rosenthals, zusammengebracht. Am 13. April 1794 war er in Nasielsk, Gouvernement Plock, in Russland geboren und wirkte als Rabbiner in Paderborn und Hannover. Wie belangreich die Rosenthaliana an Hebraica und Judaica ist, das beweist der neue in Arbeit befindliche Katalog, der gedruckt werden soll und zirka 15 000 Nummern aufzählt. Im Jahr 1845 hat Leopold Zunz die gelehrte Welt auf diese Bibliothek zum ersten Mal aufmerksam gemacht, und 1863 erklärte Julius Fürst in seiner Bibliotheca Judaica, dass sie vielleicht die grösste in Deutschland sei. Während seines ganzen Lebens war L. Rosenthal ein leidenschaftlicher Büchersammler. Kein Opfer war ihm zu gross, wenn er für seine Bibliothek ein wichtiges und seltenes Werk erwerben konnte. Er war jedoch Aus Morteira, Providencia de Dioscon Israel.