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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 543 - 544

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Wiener Juden für die österreichisch-ungarische Armee
Date
1910-08-01
Page
Seite 543 - 544 (sequence 4)
Language
German
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543 Moritz Frühling, Wien: Wiener Juden für die österreichisch-ungarische Armee. m Grundbuchsblatt vermerkt bloss die biographischen Daten — ohne den ursächlichen Zusammenhang eruieren zu können, am 17. November desselben Jahres — war Hauptmann Teltscher nunmehr Jude nur gewesen. Das Kränkende, das die Taufe eines wertvollen Menschen für seine G-laubensgenossen in sich birgt, konnte hinfälliger, als in diesem Falle kaum zugefügt werden. Eine Kriegs Verwaltung anerkennt in liberaler Weise seine Fähigkeiten, befördert — ohne sich um die Konfession zu kümmern — ihn zum Hauptmann, zeichnet ihn, wieder ohne konfessionelles Opfer, nach Verdienst aus, findet also diesen jüdischen Offizier seiner Charge und Auszeichnung würdig, und er hält es kaum sechs Wochen aus, macht sich seinen G-laubensgenossen gegenüber jener Unritterlichkeit schuldig, die zum Wesen eines Offiziers so unschönen Rahmen bildet. Ausser den Genannten kämpften im Jahr 1866 unter den 200 jüdischen Offizieren noch die Wiener: Oberleutnant Alfred Edler von Wertheimstein, Leutnant Bernhard Hahn und Leutnant Salesius Kuh. Auch der Anteil der Wiener Freiwilligen in den Kämpfen des Jahres 1866 soll nicht unerwähnt bleiben. Als die Kommune Wien vier Freiwilligen - Bataillone aufstellte, schwuren unter den 4500 Soldaten 168 jüdische Freiwillige den Fahneneid. Vier Wiener fanden den Heldentod. Es sind dies: Korporal Moriz Epstein, Freiwilliger Gustav Hirschler, Gefreiter Albert Mayer und Feldwebel Moritz Mayer. An die Leistungen der Wiener jüdischen Soldaten reihen sich harmonisch die für ewige Zeiten, für militärische Zwecke gemachten Stiftungen der Wiener nichtmilitärischen Bürger an. Von den vielen seien einige hier angeführt: Stiftung des Grosshandlungshauses Stametz Mayer und Comp. Kapital C. M. fl. 1000,—, deren Interessen alljährlich an 10 Invalide des Wiener Invalidenhauses verteilt werden. Stiftung des Gutsbesitzers Abraham Popper. Kapital fl. 1000,—, deren Interessen an zwei würdigste, im Husaren-Regiment Graf Radetzky No. 5 dienende Veteranen verteilt werden. Stiftung der Handelsleute A. Goldmann und J. Salomon. Kapital fl. 300—, deren Interessen für zwei Invaliden. Stiftung des Joseph Grossmann. Kapital fl. 700,—, die Interessen für drei Invaliden des Wiener Invalidenhauses. Stiftung des Wechselhauses M. Schnapper. Kapital fl. 600,— , die Interessen für einen Invaliden. Stiftung des Doktors der Rechte Baruch Levy Heymann, wohnhaft in Hamburg. Kapital fl. 1000,—, die Interessen für die fünf tapfersten und verdienstvollsten Krieger aus dem Stande der Unteroffiziere und Soldaten des Infanterie-Regiments No. 27. Stiftung des Bernhard Pollak jun. Kapital fl. 1000,—, die Interessen für Witwen und Waisen, dann Zivilarbeiter im Artillerie-Arsenale. Stiftung des Grosshändlers Leopold Dittmar. Kapital fl. 60 000,—, die Interessen für invalide Militärs israelitischer Religion Stiftung des Braumeisters Ignaz Kuffner. Kapital fl. 3000,-, die Interessen für zwei reengagierte Unteroffiziere, eventuell für zwei Invaliden aus der Gemeinde Ottakring. Stiftung des H. Kuffner. Kapital fl. 31 700,—, die Interessen für 8 Stiftungsplätze mit dem dauernden jährlichen Genüsse ä fl. 150,— für Offizierswitwen und weibliche Waisen, welche dauernder Unterstützung bedürfen und deren Gatten bezw. Väter sich durch erspriessliches Wirken während einer längeren Dienstzeit ausgezeichnet haben. Stiftung des Konsuls Eugen Freiherr von'Marpurgo. Kapital fl. 70 400,—, die Interessen für 5 Stiftungsplätze mit dem dauernd jährlichen Genüsse ä fl. 150,— für hilfsbedürftige Witwen und weibliche Waisen von Generalen und Obersten, welche nur einen geringen Versorgungsgenuss beziehen, in deren Ermangelung auch von sonst sehr verdienstvollen Offizieren. Stiftung des Grosshändlers Lazar Kohn. Kapital fl. 1000,— die Interessen für einen würdigen Militär. Stiftung des Ludwig Max Goldberger aus Berlin, Chefs des Penzinger Grosshandlungshauses Raymond & Comp. Kapital fl. 6000,—, die Interessen für das Tiroler Jäger-Regiment Kaiser Franz Joseph, zur Unterstützung von invaliden, eventuell bedürftigen aktiven Unteroffizieren und Soldaten des Regiments. Stiftung des Herrn Mautner von Markhof. Kapital fl. 7500,—, die Interessen für hilfsbedürftige, mit Kindern belastete, in keinem oder geringem Versorgungsgenusse stehende Witwen solcher verdienstvoller Offiziere, welche im Aktivstande geheiratet und beim Ableben den Offiziere- Charakter innegehabt haben. Stiftung des Nathaniel Freiherr von Rothschild. Ein Gutsbesitz samt Grundstücken und Gebäuden etc in Hinterleithen im Werte von mehreren Millionen.,, dann Stiftungs-Kapital fl. 600 000 für unzulänglich bemittelte, ledige oder kinderlos verwitwete, invalide k. u. k. Offiziere vom Hauptmann oder Rittmeister abwärts, ohne Unterschied der Konfession* Der Stiftungsplätze dauernder jährlicher Genuss fl. 300—, dann freie Unterkunft im Stiftungshaus samt Beleuchtung und Beheizung. Da der Raum dieses Aufsatzes es nicht gestattet, alle jüdischen Offiziere Wiens aus der jüngsten Epoche anzuführen, sei hier nur das Bild des vor Jahresfrist in Pension versetzten Oberstleutnants Wilhelm Husserls, als Repräsentant der vielen, reproduziert. In einigen grossen Strichen habe ich den Anteil der Wiener Juden an den Kämpfen und Entwicklung* unserer Armee skizzirt, wobei es zur Ehre der österreichischen Kriegsverwaltung betont werden möge, dass unter allen staatlichen Ressorts unserer Doppelmonarchie sie die einzige ist, die von echt modernem und liberalstem

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