Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Wiener Juden für die österreichisch-ungarische Armee
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 541 - 542 (sequence 3)
- Language
- German
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541 Moritz Frühling, Wien: Wiener Jaden für die österreichisch-ungarische Armee. 542 [Hauptmann Ignaz Ziffer. Mit berechtigtem Stolze kann auch der hier im ehrwürdigen Alter von 81 Jahren lebende Major Kail Herzl auf seine vier Feldzüge zurückblicken. 1849 in Ungarn, 1864 in Schleswig-Holstein, 1866 in Italien und 1878 in Bosnien. Moriz Neustadl, geboren 1817 in Wien, kämpfte in den Feldzügen 1848/49 als Leutnant, avancierte am 22. April 1859 zum Hauptmann, in welcher Charge er mehrere Wochen später den Feldzug 1859 mitmachte und infolge der in der Schlacht bei Magenta erlittenen Verwundung anfangs Februar 1860 als realinvalid entlassen wurde. Einem jüdischen Patrizierhause entstammt der 1829 geborene Heinrich Oppenheimer; lebt als Major des Ruhestandes in Budapest. Sein Vater war wohlhabender Kaufmann und in seinem Elternhaus, in welchem ein Kreis hervorragender Männer der Vormärzepoche verkehrte, wie Rubinstein, Liszt, Ludwig August Frankl und viele andere, wurde ihm die sorgfältigste Erziehung zuteil. Im Jahr 1848, er war Student der Philosophie, wurde er bei der Wiener akademischen Legion zum Kapitän der Mobilgarde ernannt, musste dann, als politisch Kompromittierter, flüchten und liess sich beim 2. Infanterie-Regiment am 17. Mai 1849 als Expropriisgemeiner assentieren. Vor seiner im selben Jahr erfolgten Ernennung zum Offizier wurde Oppenheimer von seinem ihm gutgesinnten Hauptmann, dem später so gefürchteten General Fleischhacker, der wohlgemeinte Rat erteilt, sich taufen zu lassen. Er würde schneller vorwärtskommen, meinte Fieischhacker. Immer werden den ritterlichen jüdischen Offizier die denkwürdigen Worte ehren, die er seinem Vorgesetzten erwiderte: „Herr Hauptmann! Mein Bestreben ist es, mir meinen Offizierscharakter sei es im Frieden zu verdienen oder am Felde der Ehre zu erkämpfen. Ich müsste immer erröten, so oft ich mir sagen würde, dass ich meinen Rang mir mit dem Weihwasser erkauft habe." Oppenheimer machte trotzdem seine Karriere, """■'WiSSB Major Carl Hcrzl. und schon mehrere Tage nach der geschilderten Auseinandersetzung war es derselbe gestrenge Hauptmann Fleischhacker, der Oppenheimer zur Ernennung zum Leutnant beglückwünschte und als sinnfälliges Zeichen seiner besonderen Achtung ihm das erste Offiziers- Portepee und den Offizierssäbel schenkte. Oppenheimer machte den Feldzug 1859 in Italien mit, 1866 in Südtirolundl878inBosnien. .'Hochbetagt, 84 Jahre alt, aber noch recht rüstig, verbringt, hier seinen Lebensabend der Hauptmann des Ruhestandes Wilhelm Löwy. Er kämpfte im Jahr 1848 in Südtirol und Italien, 1849 in Italien und Ungarn und im Jahr 1866 gegen Preussen. In der G-efechtsrelation des 8. Infanterie-Regiments, in welchem Löwy focht, heisst es: „Nachdem der Kommandant der 7. Division gefangen wurde, war es des Hauptmann Wilhelm Löwy erste Eingebung, die 8. Division, die vom Feind geworfen wurde, wieder zu sammeln und im feindlichen Feuer auszuharren, bis die Notwendigkeit des Rückzuges ausser allem Zweifel war. Ich nenne mit gutem Gewissen den Herrn Hauptmann Löwy einen entschlossenen und tüchtigen Offizier." Es sind die einzelnen unangenehmen Begleiterscheinungen, die Schatten mancher jüdischen Soldatenlautbahn, die es dem jüdischen G-efühle diktieren, Offizieren, die in den Annalen der Armee einen ehrenhaften Platz sich erworben, diese Bezeichnung „ehrenhaft" für die Geschichte der Juden, ihnen aberkennen zu müssen. Bernhard Teltscher, geboren 1833 in Wien, hätte wegen seiner soldatischen Fähigkeiten der jüdischen Jugend als Muster hingestellt werden sollen, während man von ihm nur registrierend Notiz nehmen muss. Er wurde 1849 als expropriis Unterpionier zum Pionier- Corps assentiert, wurde bereits 1852 Leutnant, 1858 Oberleutnant und avancierte am 29. Mai 1866 zum Hauptmann. Als solcher machte er im 2. Pionier- Bataillon den Feldzug gegen Preussen mit, wurde für seine besonderen Leistungen im abgelaufenen Feldzuge mit dem Militär-Verdienst-Kreuz, mit der Kriegsdekoration, am 3. Oktober,, ausgezeichnet,. und — das Major Heinrich Oppenheimer. Hauptmann Wilhelm Löwy. Oberstleutnant Wilhelm Husserl.