Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Die israelitische Kultusgemeinde Wien
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 509 - 510 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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509 Siegmund Husserl: Die israelitische Kultusgemein.de Wien. 510 Paul Schiff geb. 1829 — gest. 1893. Dr. Maximilian Engel geb. 1807 — gest. 1876. sonderbare Ausdehnung. So verfügte das Kultusministerium unter dem 7. Juli 1857, dass es jedem in Niederösterreich auf dem flachen Lande sich aufhaltenden Israeliten — und zwar auch den Ausländern — frei stehe, die Zuweisung zur Wiener Kultasgemeinde anzusprechen. Insbesondere aber die Tatsache, dass die Entwicklung der Einnahmen der Gemeinde weit unter dem Steigeruogsverhältnisse ihres Aufwandes geblieben war, erforderte rasche Abhilfe. Die erhebliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung bedingte den Neubau eines zweiten Bethauses, des Leopoldstädter Tempels, machte die Ausdehnung und Mehrung der sonstigen gottesdienstlichen, rituellen und humanitären Anstalten notwendig und war auch die Ursache, dass der damaligen Leichenhof-Verwaltung bedeutende Zuschüsse zugewendet werden mussten. Unter solchen Umständen konnte mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Auslangen nicht mehr 0 gefunden werden, daher war es nur natürlich, das Augenmerk auf eine Erhöhung jener Einnahmequelle zu lenken, deren Elastizität sie hierfür durchaus eignet — die Kultussteuer. Nachdem der Kultusyorstand sich am 26. Dezember 1860 einstimmig für eine Eevision des Statutes ausgesprochen und am 28. Mai 1865 den von Dr. Maximilian Engel ausgearbeiteten Entwurf der Regierung vorgelegt hatte, wurde dieses nunmehr definitive Statut für ' die „israelitische Kultusgemeinde in Wien" mit Er-; mächtigung des Kultusministeriums vom 30. Juli 1867 vom j n. ö. Statthalter unter dem 16. November d. J. genehmigt. Durch dieses neue Statut wurde die im Jahr 1852 begonnene Neuorganisation der Gemeinde weiter ausgestaltet, der Grundstein für ihre fernere gedeihliche Entwicklung gelegt und gleichsam eine neue Aera in ihrer Geschichte eingeleitet. Die Einheitlichkeit der Gemeinde nach innen und ihre Autonomie wurde in wünschenswerter Weise gefestigt, ihre Stellung nach aussen entsprechend hervorgehoben und die von ihren ehemaligen Führern in edler und opferwilliger Tätigkeit geschaffenen Institutionen einer zeitgemässen Verbesserungund religiössittlich höheren Entfaltung zugeführt. Gleichzeitig wurde Gustav Ritter von Epstein geb. 1828 — 1879. Dr. Leopold Kompert geb. 1822 — gest. 1886 Die Vertreter der Wiener" israelitischen Kultusgemeinde seit 1806 bis zur Gegenwart.