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Ost und West · 1910-07-01 · Heft 7 (Juli 1910) · p. Seite 437 - 438

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 7 (Juli 1910)
Article
Die Märtyrer von Berlin
Date
1910-07-01
Page
Seite 437 - 438 (sequence 4)
Language
German
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437 B. Samuel: Die Märtyrer von Berlin. 438 untersinken, es werde aus dem Feuer springen (nämlich infolge der ihm innewohnenden heiligen Kraft) und so seinen Frevel ans Licht bringen. Er versuchte, es in einen reinen Weizenteig mit klarem Wasser zu drücken, aber zu seinem Schrecken war der Teig alsbald rot geworden. Er machte aber trotzdem aus jenem Teig eine Mazzah, schob sie in einen Backofen, worauf ein schöner lichter Glanz sich im Ofen zeigte, und über dem Kuchen, der Mazzah nämlich, zweimal ein ,.säuberlich kleines Kind" schwebte; mehrere Juden waren dabei zugegen. ► Durch dieses Mirakel bewogen, hängte Salomo die Mazzah in der Synagoge zu Spandau auf, wo sie denn auch gefunden wurde. (Was gefunden wurde, war offenbar das Stück Mazzah, welches man in alten Zeiten für Pesach Scheni in der Synagoge aufzuhängen pflegte.) Alles das hatte Salomo unter der Folter gestanden, und nun war es klar, dass alle Juden der Mark sich verschworen hatten, den Leib Christi zu peinigen. Das konnte natürlich nicht ohne Einvernehmen mit ihrem religiösen Führer geschehen sein, daher liess der Kurfürst diesen, es war Rabbi Sloman (Salomon) von Brandenburg, nach Berlin bringen. Ebenso den obengenannten Jakob und seinen Sohn^Smoll. Dieser Jakob war am 13. Juni, alsrder fürstliche Befehl kam, ihn nach Berlin zu bringen, bereits gefoltert worden und hatte in der Pein, im Beisein und auf Ermahnung vieler weltlichen und geistlichen Personen merkwürdige Geständnisse gemacht. Er wollte ein Hostienstück ganz genau in der Verpackung, die Salomo von Spandau unter der Folter beschrieben, von diesem erhalten, und davon dem Rabbi Sloman, obgleich er mit ihm angeblich in Unfrieden gelebt, Mitteilung gemacht haben. Dieser Jakob war ein sehr zweifelhafter Charakter; er spielte sich dem Untersuchungsrichter von Brandenburg als heimlich von seinem angestammten Glauben ' abgefallen^auf, und eine Nacht nach seiner Einkerkerung gab er zu wissen, dass ihm die Jungfrau Maria im Traum erschienen wäre, auch andere Visionen wollte er gehabt haben, die ihn veranlassten, sich taufen zu lassen. (Er wurde schliesslich mit noch einem der Angeklagten getauft, und dies nutzte ihnen insofern, als sie durch das Schwert hingerichtet und von dem martervollen Tode des Verbrennens verschont wurden.) Im Beisein des Rabbi wäre nun in seinem, Jakobs Hause, das Stückchen der Hostie aus der Blechbüchse genommen und auf einen groben Tisch gelegt worden, darauf hätte er aus bösem Mutwillen mit einem Waidmesser und anderen kleinen Messern darein gehauen und gestochen; ganz genau dasselbe gestanden die beiden Söhne Jakobs und ein Mann namens Isak. Darauf wurde der Lokalaugenschein aufgenommen, dabei haben alle Bezichtigten genau den Tisch angegeben, auf welchem sie in das Sakrament gehauen, wo dieses geblutet, und wo der Rabbi Sloman einen Span, auf dem sehr viel Blut gelegen, aus dem Tische gehauen habe. Man sieht, so unentwickelt die Kultur dazumal auch war, in der Kunst, die Untersuchung geschickt zu führen und Geständnisse zu erzielen, standen die damaligen Juristen bereits sehr hoch. . MAX LEYL David. FRIEDENAU. Allein aus unserem Jakob wurde noch viel mehr herausgebracht. Er gestand nämlich unter der Tortur ein (dass er und nicht Sloman es war, haben die Untersuchungen von Ackermann dargetan); Jakob gestand also ein, dass Rabbi Sloman mit seinem Wissen und Willen die derart geschändete und gepeinigte Hostie mitsamt dem reichlich von ihrem Blut getränkten Span nach Osterburg zu dem Juden

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