Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1910)
- Article
- Max Levi
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 429 - 430 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2583875-2583993-2584001-2595045--10544-2595133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
429 Mi.x Schacherl: Max Levi. 430 MAX LEYL Ringende Knaben. FRIEDENAU. die ganze Gestalt zu sehen. Ein männlicher Charakterkopf aber kann ein ^vollkommenes Bild der Persönlichkeit geben. Indem^der Künstler diesem natürlichen Empfinden gerecht wird, reizt es ihn, die Formen des weiblichen Körpers in ihrem Widerspiel zu sehen. Feine, reizvolle Frauenfiguren hat Levi gebildet. Die „Sitzende Dame" etwa, in natürlicher Pose und edler Haltung, ein Werk von eigener Schönheit. Aber auch hier wieder das Bewegungsmotiv: die fein profilierte Wendung des jungen Mädchens auf dem Sockel, das Leichte, Federnde des biegsam-zarten Körpers und wieder die natürliche Haltung des Kopfes. Ein Idyll von poetischem Zauber ist die „Mutter mit Kind": hier fesselt uns wieder des Künstlers starkes Naturgefühl, in jedem Detail ausgeprägt, und die Delikatesse in der Durchführung des Sujets. Dieses ist auch von der verhüllten „Alte Frau" zu sagen, deren Mienenspiel und Handbewegung einem die leidvolle Geschichte gleicherweise von 4 selbst erzählen. Wro es ihn zur Schöpfung von Frauenbüsten, Halbfiguren drängt, da liegt dem Werke immer ein reizvoller Einfall, ein bestimmter Wunsch zugrunde. Zwei seiner Werke—ich zähle sie zu seinen stärksten — sind im Dresdener Albertinum zu finden. Das Porträt der Frau Agnes Sorma, ein ganz ausgezeichnetes Stück, bei dem trotz aller bürgerlichen Schlichtheit der Erscheinung der besondere WTesenszug dem Gesichte eingegraben; und der joviale alte Herr, sich behäbigzufrieden die Hände reibend, im wohlgenährten Ge* sieht einen heiteren Schimmer herzvoller Bonhomie. Das sind zwei exzellente Schöpfungen, liebenswürdig und unbefangen hingestellt. In elementarer Künstlerkraft gesellt sich diesen der „Träumende Jüngling" hinzu, in dem alle Vorzüge des Künstlers gleicherweise kondensiert sind. Die nachdenkliche Haltung des schlanken Jünglings, die traumhafte Verlorenheit des Bildes — ein träumerisches Rondo. Eines seiner letzten Werke ist die Büste Abraham Geigers, die er im Auftrage der Berliner Jüdischen Gemeinde geschaffen, und die trotz einiger Härten lebendig, und feierlich erscheint.