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Ost und West · 1910-07-01 · Heft 7 (Juli 1910) · p. Seite 421 - 422

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 7 (Juli 1910)
Article
Abraham Geiger und die rumänischen Juden
Date
1910-07-01
Page
Seite 421 - 422 (sequence 3)
Language
German
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421 Prof. Dr. Kalischer Abraham Geiger und die rumänischen Juden, 422 sächliche Stützpunkte nötig zu haben. Er werde selbst Ermittelungen anstellen, bittet aber auch Abraham Geiger um etwaige Unterlagen. Hierauf antwortet Abraham Geiger am 27. März:*) „Wohllöblicher Vorstand! Zu grosser Genugthuung gereicht mir die fast gleichzeitig mit Ihrer werthen Antwort vom 19. d. — mir zugekommen den 25. — eintreffende Zeitungsnachricht über die Antwort des Hrn. Grafen Bismarck an die Alliance Israölite. Aber gerade desshalb glaube ich, dass ein Schritt von Seiten der deutschen Gemeinden auch jetzt kein überflüssiger ist, und zwar indem mit Bezugnahme auf diese Antwort und mit dem Ausdrucke des Dankes für die in derselben bekundete Gesinnung, beifolgende Documente, welche ich hiermit abschriftlich beilege und unter Kreuzband einsende, ihm vorgelegt werden, um die Notwendigkeit einer nachdrücklichen Verwendung nochmals zu betonen. Das Stillschweigen von Seiten der Nächststehenden müsste die Glaubwürdigkeit der von den Entfernten bei dem Gr. Bismarck gemachten Vorstellungen beeinträchtigen; hingegen werden Eingaben von verschiedenen Seiten Zeugnis ablegen von der allgemein verbreiteten Indignation über jene, zumal von einem Hohenzollern sanctionirten, Verfolgungen und ihres Eindruckes nicht verfehlen. Dies meine unmassgebliche Meinung." Nun zögerte der Vorstand nicht. Am 5. April wurde die Immediateingabe beschlossen und am 6. ging sie an den König. Abraham Geiger erhielt hiervon sowie von Bismarcks im Auftrage des Königs gegebenen Antwort zuerst durch eine Frankfurter Zeitung Kenntnis und richtete tags darauf, am 23. April, folgendes Schreiben an den Vorstand: „Wohllöblicher Vorstand! Mit froher Teilnahme habe ich gestern in einem hiesigen Blatte einen kurzen Bericht gelesen über eine von Ihnen an Se. Maj. den König gerichtete ImmediatvorsteUung in Bezug auf das rumänische Judengesetz und über eine darauf ergangene Antwort von Seiten Sr. Exc. des Hrn. Grafen Bismarck. Leider widersprechen den officiellen Versicherungen die offenkundigen Tatsachen, wie denn neulich die Vertreibung einer grösseren Anzahl von Familien aus dem Balener Bezirke constatiert ist. Nächst der früher an mich gelangten und neuerdings wiederholten Aufforderung von Bukarest sind in diesen Tagen auch Zuschriften von Jassy aus an mich gelangt, die unter meiner Adresse nach Berlin gerichtet waren und mir von dort aus zugeschickt wurden. Berlin bleibt aber der einzige Ort, von dem aus irgendwie in dieser Angelegenheit gewirkt werden kann. Ich beehre mich desshalb, einem wohllöbl. Vorstande diese Zuschrift beizulegen, unterlasse es jedoch, weitere Druckschriften, die mir zugegangen, zu übersenden, in der Überzeugung, dass d^;selbep. direct dorthin gelangt sind, ebenso werde f Dieser, sowie [der 'darauf folgende Brief befinde sich bei den Akten des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde. Beide sind bisher angedruckt, und ich möchte nicht unterlassen, dem Vorstande auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank zu sagen, dass er mir die Einsichtnahme in die Akten und die Veröffentlichung dieser Briefe bereitwilligst 'gestattet hat. ich keinen Gebrauch von Bukarester Privatschreiben machen. Die Angelegenheit ist, wie der oben erwähnte Zeitungsbericht bekundet, in guten Händen, und ich lebe der sichern Überzeugung, dass Sie dieselbe fest im Auge behalten und ihr Ihre fernere gewichtige Teilnahme zuwenden werden." Das in Abraham Geigers Brief vom 27. März erwähnte Schreiben von Bismarck war die Antwort auf die am 30. Januar von dem Zentral-Ausschuss der Alliance Israelite Universelle beschlossene Adresse an die Großmächte, die Aufhebung der Konsular-Gerichtsbarkeit, die die rumänische Regierung nachsuchte, „von der Zulassung der Israeliten zur bürgerlichen und staatlichen Gleichstellung abhängig zu machen", und lautet: Berlin, den 22. Februar 1868.- Herrn Ad. Cremieux, Präsidenten des Gentrai- Ausschusses der Alliance Isr. Univ. zu Paris. Mein Herr! In Antwort des Schreibens, das Sie unterm 4. ds. an mich richteten, habe ich die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass die Regierung des Königs ihren Gesandten in Bukarest soeben von Neuem aufgefordert hat, seinen ganzen Einfluss dahin zu verwenden, um Ihren Glaubensgenossen in Rumänien den Schutz zu sichern, der ihnen in allen Ländern gebührt, deren Gesetzgebung von den Grundsätzen der Humanität und Civilisation durchdrungen ist. Ich bin übrigens fest überzeugt, dass die Absichten des Fürsten Karl mit unsern Wünschen vollständig übereinstimmeD, und dass Seine Hoheit sich nach Entwicklung derjenigen Einrichtungen im Lande sehnt, welche der Regierung? eine gleich wohlwollende Beschützung für alle Klassen der Bewohner und von besserer Wirksamkeitlals [in der Vergangenheit erleichtern wird. Empfangen Sie, mein Herr, die Versicherung meiner ganz ausgezeichneten Hochachtung (gez.) von Bismarck. Auch femerhinjappellierte die Alliance Isr. Univ. durch ihren Präsidenten Crämieux nicht vergebens an die Regierungen der Grossmächte. Auf eine Vorstellung derselben vom 26. März an den damaligen Preussischen Gesandten in Paris, Grafen v. Goltz, antwortet dieser am 2. April U.A.: „Schon'Jaus dem Schreiben des Herrn [Minister]-Präsidenten 'vom 22. Februar letzthin konnten Sie die lebhafte^Teilnahme ersehen, welche .'die Regierung des Königs an dieser Frage nimmt. Der Eifer, mit welchem der Hr. Graf v. Bismarck dem in ihrem Schreiben vom 26. März ausgedrückten Wunsche Folge gibt, ist ein neuer Beweis davon. Seine Excellenz beauftragen mich, Sie zu benachrichtigen, dass der preussische General- Consul zu Bukarest allsogleich auf telegraphischem Wege" aufgefordert worden ist, dem Fürsten Karl die lebhaftesten Vorstellungen gegen das die Israeliten betreffende, der Kammer in Bukarest soeben vorgelegte Gesetz zu machen."

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