Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Lesser Ury
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 349 - 350 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- OCR quality
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349 M. Rapsilber: Lesser Ury. 350 ■■^^^ ^Ä^^S ■ 'iS-• ■ ■:; - : : j : *< , . .; ■i'-*' ' ■ * > ^) beschieden war, wurde ihm nicht auf wohlpräparierter Palette gereicht, und so musste er sich im Schweiss seines Angesichts selber das Rüstzeug schaffen. Was damals in der Luft lag, die grosse Wendung der modernen Kunst, ahnte und fühlte er früher als alle andern deutschen Maler, und mit der ersten Frische seines leidenschaftlichen Naturellslegte er sich hinein in das grosse Problem des befreienden Naturalismus und des Freilichts und bezwang es auf eigne Faust. Er suchte das Freilicht nicht imAtelier oder in dem parfümierten Nimbus irgend eines Bois, er liess sich auch nicht in die Netze der manirierten und marinierten Holländerei verstricken, sondern setzte sich auf bäuerlicher Scholle Auge in Auge mit der lauteren und herbenNatur auseinander und schuf sich eine eigene, eine damals beispiellos kühne Palette, und das alles ohne Anleitung in dem weltabgeschiedenen Volluvet. Da quälte ihn plötzlich der Gedanke, ob er auch auf den rechten Weg gelangt sei, und so begab er sich ans Prüfen und Revidieren. Er machte die grosse Tour über Brüssel, Antwerpen, Paris, Stuttgart, München, nirgends aber fand er schon verwirklicht, V' ' I $ : */ST * LESSER URY. was ihm vorschwebte, und vielleicht am wenigsten in Paris und vollends nicht in dem Manet-Kreis, in welchem ein outriertes Virtuosentum herrschte, das dem tief künstlerischen Instinkt Urys direkt widerstrebte. Er ahnte wohl, dass er ein höheres Ideal in der Brust trug, er ahnte von weitem seinen Sinai und sein Jerusalem und zog sich daher unwillkürlich aus dem Lärm zurück und tauchte vor 13 Jahren^in die Berliner Stille unter, indem er meinte, in dem unmodernen Berlin am ehesten zur Meisterung der modernen Kunst zu gelangen. Das hat sich bewahrheitet, aber er ging schweren Jahren entgegen. Mit einer Zähigkeit ohne gleichen hielt er sich über Wasser, und dann;kam die grosse, dunkle Stunde, in der er alles Leid von Künstlers Erdenwallen in eine leidenschaftlich wilde Klage zusammenraffte und in der düstern Elegie „Jerusalem" grossmächtig gestaltete. Das aber war die Geburtsstunde seiner grossen Kunst. Was vorher liegt, die naturalistische Frühepoche, das Wollen und Werden umfasst noch nicht den echten Ury, das hat heute lediglich ein geschichtliches Interesse, als ein Doku- * - **äSM sti&s&tfUäS^Sii^; flfl fl ^*Wfl|P! ^WllI; \ f^^**** wijJS Am Grunewaldsee. BERLIN.