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Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 293 - 294

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung
Date
1910-05-01
Page
Seite 293 - 294 (sequence 6)
Language
German
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293 Ernst von Hesse-Wartegg: Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung. 294 siebzehn Jahre später Tarik, derEinäugige, mit seiner Arabei - armee in Bewegung, um Spanien zu erobern. Tarik, der sich mit der Gründung von Gibraltar ein ewiges Denkmal gesetzt hat, entstammte selbst einer zum mosaischen Glauben bekehrten Berberfamilie. , Die aus Spanien vertriebenen Juden stellten sich mit Begeisterung auf die Seite der Araber und verbanden sich insgeheim mit ihren Stammesbrüdern in Spanien, um der arabischen Eroberung die Wege zu ebnen. Siegten die Araber, dann konnten sie selbst wieder nach Spanien zurück. Die Leichtigkeit, mit der es Tarik gelang, die iberische Halbinsel in Besitz zu nehmen, ist zum grossen Teil der tatkräftigen Hilfe der Juden zuzuschreiben. Im elften Jahrhundert waren die Juden in Spanien wieder geduldet, ja in Malaga war im Jahr 1020 sogar ein Jude namens Levy Minister, und Alfons VI. von Castilien verwendete einen Juden als Botschafter. Die zum Christentum bekehrten Juden verschmolzen sich allmählich mit dem spanischen Volk. Durch die Erwerbung des von den ausgewanderten Juden hinterlassenen Besitzes waren sie sehr wohlhabend geworden, während der spanische Adel durch die Kämpfe gegen die Mohammedaner verarmt war. So erscheint es ganz begreiflich, wenn Mendoza in seinem Werke „Tizon de la Nobleza" behauptet, fast alle grossen spanischen Familien hätten durch die Aufnahme reicher jüdischer Bräute jüdisches Blut in ihren Adern. Wie man sieht, war Nordafrika bis tief hinein in das Herz der Sahara läDgst mit Juden besiedelt, als im Jahr 1480 die Inquisition eingeführt wurde und 12 Jahre später auf den Vorschlag Torquemadas die Juden neuerlich aus Spanien vertrieben wurden. Das berberische Afrika besass Juden aus Aegypten, Libyen, Judäa, aus Italien, Spanien und Portugal, und dazu traten die Berber, Römer und Araber, die zum Judentum bekehrt worden waren. Nordafrika hat also fünf bestimmte Zuwanderungen von Juden gesehen, die sich auf die Zeit von den Pharaonen bis 14 Jahrhunderte nach Christi Geburt verteilen, und deren Einüass auf die Kultur des Landes Juden von Sfax (Tunis)* mitbestimmend war. Im Lauf der Zeit, besonders seit der mohammedanischen Herrschaft, haben sie an Ansehen und Stellung sehr viel eingebüsst, aber ihre Zahl ist im Verhältnis zur mohammedanischen Bevölkerung ziemlich gleich geblieben. Noch heute sprechen in den Oasen die Mohammedaner von der grossen jüdischen Zeit, besonders bezüglich der Tuatgruppe, die zwischen den Jahren 510 und 560 von eingewanderten Juden gegründet worden und ihr Hauptsitz geblieben ist. Freilich haben die Mohammedaner die uralten Synagogen, darunter eine aus dem Jahr 578, in Moscheen verwandelt.. In den Oasen waren die Niederlagen der Mohammedaner in Spanien und das Ende ihrer Herrschaft für die Juden verhängnisvoll. Die Scheichs der Oasen rächten sich dafür an den dortigen spanischen Juden, die man für Verräter hielt. Auf die Anfrage dei- Scheichs bei den Ulemmas von Tunis ordneten diese den Tod aller Juden an. So wurden sie denn in die Synagogen geschleppt und getötet, die meisten Syna-

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