Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 291 - 292

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung
Date
1910-05-01
Page
Seite 291 - 292 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2583993-2583999-2594787--10349-2594863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

291 Ernst von Hesse-Wartegg: Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung. 292 den Arabern, die sich bis heute erhalten hat, spricht von der Gründung der Oasen Tuat, Tamentit, Tidikelt, Takhfist und Tugguit durch Juden. Jedenfalls waren sie schon Jahrhunderte vor der arabischen Einwanderung dort ansässig, wie aus verschiedenen dort gefundenen Ruinen von Synagogen und festen Burgen unzweifelhaft hervorgeht. Auch ein in der Oa5e Tamentit gefundener Stein mit einem Fischkopf soll ein uraltes jüdisches Symbol, ein „Mosesfisch" sein. In seinem Werk über „Die Oasen der Sahara" sagt der dort stationierte französische Offizier Martin, der Gelehrte Mohamed Abdelcadi aus Seba hätte unter anderem ein im November 1594 geschriebenes Dokument hinterlassen, in dem von jüdischen Grabsteinen in Takhfit die Rede ist. Die Inschriften auf ihnen besagen, da« die Juden in Takhfit im Jahr 4429 nach der Vertreibung Adams erschienen seien. Nun heisst es im Et Tauddud: Ibn Abbas sagt, dass die Dauer der Welt auf 7000 Jahre bestimmt ist. Davon sind schon verstrichen: Von Adam auf Noe . . . 1100 Jahre „ Noe Abraham . 1142 „ „ Abraham „ Musa . . 550 „ „ Musa Daud . . 579 „ „ Daud „ Jesus . . 1053 „ „ Jesus „ Mohammed 625 „ Zusammen 5049 Jahre. Jüdin von Tunis. Nimmt man diese Zeitrechnung als richtig an» dann müssen die Juden in den ersten Jahren nach Christi Geburt in Takhfit eingetroffen sein. Nicht viel später entstanden der Tradition nach die von den Juden erbauten, heute noch als Ruinen bestehenden Burgen (Kasbas) der Oasen Tazult Balia, Mekkit und Ichezzer (in Gurrara). Die jüdische Bevölkerung selbst ist unter dem Ansturm der Vandalen und Araber grossenteils zugrunde gegangen, immerhin sind noch heute in jeder Oase nachweislich aus jener Zeit einige Judenfamilien vorhanden, die aber ihren Glauben längst verloren haben und Mohammedaner geworden sind. Die Araber gaben ihnen den Namen Mehadscheras. Die Vandalen haben bei ihren Zerstörungszügen durch Afrika gewiss auch den Juden übel mitgespielt, und im Verein mit den römischen Tempeln, Palästen, Märkten, ja ganzen Städten fielen die jüdischen Synagogen in Trümmer. — Die nächste Zuwanderung von Juden in Afrika nach der traurigsten Epoche der Geschichte in Afrika über Vandalenherrschäft — kam im siebenten Jahrhundert aus Spanien. Wie in Italien, so hatten auch in Spanien zahlreiche Juden Heimat, Beschäftigung, Wohlstand gefunden, dabei aber ihre Feindschaft gegen das Christentum beibehalten. In Italien und den afrikanischen Kolonien waren sie daher von allen Christenkaisern, mit Theodosius beginnend, bis Justinian von allen öffentlichen Stellungen ausgeschlossen und ihnen die Ausübung ihres Gottesdienstes verboten worden. In Spanien wurden sie noch härter getroffen. In seiner „Geschichte der Mohammedaner in Spanien" erzählt Dozy, dass zur Z-it der Regierung des Königs Sisibot der Westgothen der spinische Klerus die Ausrottung der Jaden beschloss. Im Jahr 616 wurde ein Dekret erlassen, demzufolge sie innerhalb eines Jahres Christen werden oder aus wandern mussten, unter gleichzeitiger Konfiszierung ihrer Güter und Erduldung von hundert Peitschenhieben. Neundgtausend Juden unterwarfen sich der christlichen Taufe, um dabei insgeheim doch dem mosaischen Glauben beizubehalten, die an leren wanderten vornehmlich nach Nordafrika. Bis zum Jahr 696 dauerten die Verfolgungen der Juden in so grausamer Weise, dass sie beschlossen, sich gegen die Spanier mit Waffengewalt zu erheben. Insgeheim setzten sie sich mit ihren Glaubensgenossen in Afrika ins Einvernehmen. Am Tag ihrer Landung in Spanien sollte der Aufstand an allen Orten gleichzeitig ausbrechen. Aber die Regierung erhielt rechtzeitig Nachricht, und traf Gegenmassregeln. König Egica berief ein Enzylium nach Toledo, und als die versajamelten Bischöfe durch das Geständnis einiger Gefangenen erfuhren, dass die Jaden die Absicht gehabt hatten, aus Spanien einen jüdischen Staat zu machen (sieha/ Do'.y) verdammten sie die Aufrührer zum Verlust ihrer Freiheit und ihrer Habe. In der Zwischenzeit kamen die Araber nach Nordafrika. Taaesi-m und Algerien war von ihnen bezwangen, Kaironan gegründet, und von dort setzte sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.