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Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 289 - 290

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung
Date
1910-05-01
Page
Seite 289 - 290 (sequence 4)
Language
German
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289 Ernst von Hesse-Wartegg: Dio Juden von Nordafrika, ihre Verbreitung und Abstammung. 290 des Tempels wurden ihrer eine grosse Zahl ebenfalls dorthin transportiert und sie fristeten dort als Kolonisten ihr Leben, von den Römern glimpflich behandelt. Bei der zweiten Einnahme des Tempels mussten alle tapferen Verteidiger über die Klinge springen. Der Rest der Juden zerstreute sich, und die Frauen von Sion hinterbrachten den afrikanischen Juden den Racheschwur, welche die Sterbenden den Siegern zugerufen hatten. Das führte ihre Erhebung herbei. Die friedlichen Kolonisten und ruhigen Handelsleute, die längst das Schwert ihrer Vorfahren aus der Hand gelegt hatten, fanden in sich wieder den Gott der Heere. Ihr Ziel war die Wiederaufrichtung ihres Vaterlandes, und sie kämpften mit solchem Fanatismus, dass die Römer ihre ganze Macht aufbieten mussten, um der Juden Herr zu werden. Der erste General der römischen Legionen (zu Ende der trajanischen Herrschaft im Jahre 115), der Feldherr Lupus, wurde von den Juden besiegt. Da sandte der Kaiser den General Marcius Turbo gegen sie nach Libyen, aber es erforderte blutige jahrelange'Kämpfe, bis Rom endlich über die Juden triumphierte, und die Aussicht auf ein unabhängiges Judäa für immer vernichtet war. Viele Tausende yon Juden wanderten in die Sklaverei nach Italien, andere wurden in grossen Gruppen nach Nordafrika gesandt und bildeten so den dritten Strom der jüdischen Einwanderung dort. Die ersten beiden, wer weniger zahlreich als der dritte, hatten schon seit Jahrhunderten in den phönizischen und römischen Kolonien an der Küste ihr Endziel gefunden, vornehmlich in Carthago, Caesarea Augusta (dem heutigen Cherchell), in Naro, Utica, Sitifls (heute Setif) Gighli (heute Augrava), ja es gab an der tripolitauischen Seeküste eine rein jüdische Stadt, die den Namen Jehudia führte. In diesen Orten lebten die Juden unter römischem Schutz und konnten ungehindert ihre Religion ausüben, ihren Geschäften nachgehen. Ihnen war der neue Zustrom libyscher und syrischer Juden keineswegs willkommen, denn die letzteren waren natürlich im Gegensatz zu ihnen von tiefem Hass gegen die Römer erfüllt, sie sprachen auch eine, ihnen fremde Sprache, die syrisch-chaldäische, und befolgten in ihrem mosaischen Ritus andere Formen im Sinn des Talmud. Sie waren indessen viel zu zahlreich, zu homogen und von Glaubens^ifer beseelt, als dass sich ihnen gegenüber die alten Judenkolonien hätten erhalten können. Sie wurden gänzlich überflutet und gingen in der neuen Einwanderung auf, ja diese machte sich so kräftig ans Werk, auch die römische Bevölkerung zum Judentum zu bekehren, dass die Kaiser dagegen auftreten mussten. Antonius erliess beispielsweise im Jahr 198, Septimus Severus im Jahr 202 Edikte zu diesem Zweck. Noch heute sind Spuren des damaligen Judentums bei verschiedenen Nomadenstämmen der Berber zu erkennen, wie z. B. bei den Khrounier in Nordostalgerien, östlich von Constantine, bei den Hammachestämmen an der tunesisch algerischen Grenze und bei den Drid in der Umgebung Andalusische Strasse in Tunis, von Juden bewohnt. von Gabes. Aber auch zu den Berberstämmen in den südlichen Gebirgen bis zum Dschebel Aures war das Judentum gedrungen, und die Coelicoles, von denen der heilige Augustin spricht, waren nach Monceaux unzweifelhaft Berber, die den mosaischen Glauben angenommen hatten. Wahrscheinlich um dieselbe Zeit wandten sich jüdische Einwanderer auch weiter nach Süden in die Sahara, und gründeten überall, wo sie in den trockenen Flusstälern durch Graben von Brunnen auf Wasser stiessen, Oasen. Leider haben sich in bezug auf sie keine Hinweise finden lassen, nur die Tradition unter

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