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Ost und West · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. Seite 233 - 234

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Die jüdischen Höhlenbewohner der nordafrikanischen Sahara
Date
1910-04-01
Page
Seite 233 - 234 (sequence 5)
Language
German
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Ernst von Hesse-Wartegg: Die jüdischen Höhlenbewohner der nordafrikanischen Sahara. 234 Das Troglodytendorf Hadesch. sind zweifellos nicht nur Juden der Religion, sondern auch der Abstammung nach. Ich betone dies ausdrücklich, denn ich fand unter den Berbern, besonders im Rif von Nordmarokko, eine ganze Menge, deren Vorfahren schon vor vielen Jahrhunderten zum Judentum bekehrt wurden und es bis auf f.den heutigen Tag bewahrt haben — Juden mit blondem oder sandfarbenem Haar und blauen Augen, entschieden der Berberrasse angehörend. Auf meinen Wunsch führte mich der Rabbiner nach der Synagoge nebenan. Eine Höhle in der Bergwand mit direkt ins Freie führender Tür. Bänke aus dem Felsen gehauen, ringsum, mit Matten bedeckt, auf denen zerlesene Gebetbücher in hebräischer Sprache umherlagen. Die jüdischen Troglodyten können also Hebräisch lesen, wenn sie es auch nicht sprechen, und in der Tat ist Hebräisch der einzige Gegenstand, den der Rabbiner den Kindern beibringt. — Wie er, so haben es seine Vorfahren, durchwegs Rabbiner, vor ihm getan, so wird es auch sein Sohn und Enkel tun, denn die Rabbiner- \ würde scheint bei denTroglodytent in vielen Fällen erblich zu sein. ^Der Rabbiner von Menzell. Im^Hintergrund der Synagoge war in den Felsen gehauen der Bibelschrank, mit Gebetrollen auf Pergament geschrieben und in silbernen Hülsen. Sie stammen aus der „grossen Hara", dem Hauptort der Insel Dscherba im [Golf von Gabes, wo viele Tausende von Juden*seit dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung wohnen. Schon Maimonides hat sie^ auf seiner Wanderung nach Kairo besucht und beschrieben, freilich in keinem besonders günstigen Licht. In Dscherba scheinen sich viele mit dem Schreiben von Gebetrollen zu beschäftigen, wenigstens sagte man mir in den meisten Synagogen, die ich in den Wüstenländern besuchte, dass sie von dort bezogen wurden und ungefähr fünfhundert Francs das Stück kosteten. Vor dem Bibelschrank stand ein hoher Betschemel, an dessen oberem Rand mehrere silberne Kugeln in der Form von Granatäpfeln steckten. Sie sind das Symbol der Fruchtbarkeit. Anscheinend geht es den jüdischen Troglodyten garnicht schlecht. Sie sehen wohlgenährt aus und vertragen sich mit ihren Nachbarn, den Berbern, viel besser, als jene in Marokko mit den

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