Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Die jüdischen Höhlenbewohner der nordafrikanischen Sahara
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 231 - 232 (sequence 4)
- Language
- German
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231 Ernst von Hesse-Wartegg: Die jüdischen Höhlenbewohner der nordafrikanischen Sahara. 232 sehen denr bestenr Beweis liefern, dass es sich in diesen unterirdischen Wohnungen ganz gut leben lässt. Die Wohnhöhlen sind von der primitivsten Einfachheit, Betten, Tische, Stühle gibt es nicht, nicht einmal Truhen, um die geringen Habseligkeiten aufzubewahren. In der Dämmerung, die das nur durch die Höhlenöffnung seitlich einfallende Tageslicht verlieh, sah ich, dass rings um die Höhlen meterbreite Felsbänke angeordnet sind, die gleich beim Graben der Höhlen stehengelassen werden. Auf ihnen liegen Matten, aus zähem Haifagras von den Weibern selbst geflochten, und das sind die Betten. Im Hintergrund stehen einige grosse Tongefässe zur Aufbewahrung von Wasser und Feldfrüchten, steinerne Handmühlen zum Mahlen der Getreidekörner, vorn, dem Tageslicht mehr zugänglich, fand ich in vielen Höhlen Spinnrocken und höchst einfache Webstühle oder vielmehr rohe Holzrahmen, die Fäden darüber gespannt, und die Frauen schoben den Querfaden nicht mit einem Weberschiffchen, sondern mit den Händen bald rechts, bald links. Sie machen aber auf diese primitive Art vortreffliche Stoffe, alle Kleidungsstücke für die Familie, die sich durch Generationen vererben. Sie sticken auch auf die Frauengewänder recht hübsche Muster mit gefärbten Streifchen aus gespaltenen Staehelschweinstacheln; machen Sandalen, Lederarbeiten; die Männer sind Schmiede, Sattler, Goldschmiede und Silberarbeiter. Manche Wohnhöhlen sind durch rohgezimmerte. Verschlägej; oderVVorhänge in zwei Teile geteilt, de** vordere für die Menschen, der hintere für Ziegen, Schafe, Hühner, während die vielen sandgelben Hunde draussen im „Salon" schlafen. Aehnlich sind auch die Behausungen der wenigen Handelsleute eingerichtet, die aber nur aus einer einzigen Höhle mit unmittelbarem Zugang von draussen bestehen und gewöhnlich in eine Berglehne gegraben sind. Der vordere Raum dient als Wohnung, der hintere, etwas tiefer liegende, als Kaufladen. In einem der Wohnkrater traf ich den Rabbiner des Ortes mit seiner Familie und denen seiner Söhne. Der alte Jude versteht vortrefflich Hebräisch, las uns aus einem Buch, das hebräisch gedruckt war, vor, und erzählte, seine Familie wäre schon seit vielen Generationen hier ansässig. Genauere Daten konnte er meinem Begleiter, dem italienischen Konsularagenten Lombroso aus Gabes, der selbst Jude ist und gleichzeitig des Arabischen vollkommen mächtig, nicht, angeben. — Wie bei den anderen Kratereingängen, so sah ich auch hier in kleinen Nischen Pergamentblättchen mit geschriebenen Talmudsprüchen zum Lobe Gottes aufgehängt. Der Alte gestattete mir, in seinem „Hause" die Frauen und "Mädchen seiner Familie mit einem Kodak abzuknipsen; als ich ihm aber dafür einen Franc geben wollte, wehrte er ab, dabei doch sehnsüchtig nach der Münze schielend. Es war ja Samstag, deshalb waren auch die Juden nicht an der Arbeit, und um keinen Preis hätte einer von ihnen ein Werkzeug angerührt. Alle, die ich sah, auch die Frauen, zeigten ausgesprochen jüdischen Typus, und die Troglodyten ■^^^B^Of £ J^^^^^^^^^^^^^^^^i^^^i^' ^Hl^^B^BK^^ffinwf^ffi^^^^^^^v^^* ~f' -'^Vv5^:C^iä ll^S!^ - "* 'ff^'l^^^ ^fl Ctf****» SHsHsl'Jb^^^^^^^^^^^'*' 'r -■■■2*^'<\~ --"-v BIHTl 1^®^^™™™^^^ - •■■^"-^ '^^^^^^k tfg? ^«rÄK^&'JBl^^^^SHI jftlÄii Der Rabbiner von Matmata mit seiner Familie.