Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Die jüdischen Höhlenbewohner der nordafrikanischen Sahara
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 229 - 230 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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229 Ernst von Hesse-Wartegg: Die jüdischen Höhlenbewohner der nordafrikanischen Sahara. 230 Troglodytenhöhlen von Matmata. zehn Meter tief, bei drei bis vier Meter Breite, und zwei bis drei Meter Höhe,.die Decke nicht flach, sondern in einem Spitzbogen zulaufend. An jeder der vier Kraterseiten sind gewöhnlich zwei, manchmal auch drei solcher Höhlen, und darüber als eine Art oberes Stockwerk an einer oder zwei Kraterseiten noch eine zweite, ja eine dritte Reihe von Höhlen, mit unregelmässigen Eingangslöchern. Das unterste Stockwerk, auf dem Kraterboden dient als Wohnung für die Familie des Besitzers, mit all seinen Söhnen, Schwiegertöchtern und Enkeln. Jedes Paar hat sein Wohnloch. Die Höhlen des oberen Stockwerks dienen als Vorrats- oder Arbeitsräume. Treppen gibt es nur in den wenigsten Kratern. In die senkrechten Wände sind kleine Löcher zum Halt für die Füsse gehauen, und von einem Querbalken des oberen Stockwerks hängen Seile herab. Will eine Haustochter hinauf, so fasst sie ein Seil, und arbeitet sich, ihre nackten Eingang zur Synagoge von Hadesch. Füsse in die Löcher setzend, flink empor. Dort, wo die Kraterwände nachgeben oder gar einstürzen, wird mit Stützmauern nachgeholfen. Um zu den zehn Meter tiefen Maulwurfswohnungen hinabzukommen, werden an einem Punkt, zwölf bis fünfzehn Meter vom Kraterrande entfernt, schräge unterirdische Gänge gegraben, die gewöhnlich durch Türen aus roh gesägten Brettern oder Zweigen verschlossen sind. Zum Oeffnen dienen riesige Schlösser aus Holz, mit ebensolchen Riegeln und armlangen Schlüsseln. Die Gänge führen im Zickzack ziemlich steil abwärts, und erweitern sich nahe dem Kratergrund zu einer Höhle, wo gewöhnlich die Maulesel und Esel des Besitzers untergebracht werden. Der Kraterboden dient als Empfangssalon, Speisezimmer, Küche, Hühnerstall und Tummelplatz für die vielen Kinder, die zierlich und putzig, mit hübschen Gesichtern, prächtigen grossen Augen und blühendem Aus-