Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Die siebente Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 199 - 200 (sequence 3)
- Language
- German
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199 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die[siebente Tagung der Deutsche» Conferenz-Gemeinschaft etc. 200 Schlusses das Berichts werk der Schulin*pektionskommissiön zu weitester Verbreitung: gebracht. Durch den Bericht und durch die Verbreitung — die uns durch eine hochherzige Spende des Herrn Siegfried Brünn in grossem Ausmass möglich war—ist manche Verkeimung beseitigt, manche Voreingenommenheit üherwunden worden. Auf der anderen Seite blieben einzig die freiwillig BUuden, die uuheilbar sind. Ich möchte hierbei nicht verschweigen, dass nach unseren Wahrnehmungen die Methode unserer Gegner Unterstützung gefunden hat in der Ungewissen Haltung so mancher unserer eigenen Mitglieder, die in der an sich rühmlichen, auf Ausgleichung der Gegensätze gerichteten Vermittlungsabsicht dahin gekommen sind — es mag die Anwendung des Propheten wort es gestattet sein — auf beiden Seiten zu hinken. Hoffentlich bringt die Zukunft hierin einen Wandel. Wer puten Willens ist, muss bedingungslos zugeben, dass sieh nur das Werfe der A. I. U. auf vielseitige und lange Erfahruug stützt, und mit Vorsicht uud Klugheit für die Gesamtinteressen der Judenheit geführt wird. Das schliesst natürlich nicht aus, dass wir Lücken auszufüllen, Mängel abzustellen und Verbesserungen vorzunehmen haben. Unser freundliches Einvernehmen mit verwandten Organisationen uud Korporationen hat sich auf dem früheren erfreulichen Stand gehalten, ist zu unserer Genugtuung im Lauf der Zusammenarbeit noch inniger geworden. Mit der Jüdischen Gemeinde Berlin verbindet uns fortgesetztes treues Zusammenarbeiten. Die Kosten der Abfertigungsstelle für russische Aus- und Rückwau-lerer werden nach wie vor von der Gemeinde, dem Hiifs verein der deutschen Juden und uns zu gleichen Teilen bestritten. An der eigentlichen Abfertigungsarbeit nehmen unsere Vertrauensmänner hervorragenden Anteil. Aus der Mitte dieser Vertrauensmänner ist auch die Anregung zu dem Ausbau des Jüdischen Volksvereins gekommen, der die armen Kück- und Durchwanderer gegen Ausbeutung in Schutz nimmt, ihnen vorübergehend Obdach gewährt, sie von den Bahnhöfen abholt uud wieder dahin geleitet. Der jüdische Volks verein — unser Berliner Lokal- Comite Mitglied Herr Ilia Ber ist der Vater dieser Instituliou — ist, dank den namentlich von uns bereitgestellten Mitteln, ein wahrer Segen geworden uud ein Kiddusch Haschern. Jüdische Gemeinde und Hilfsverein haben ihrer Anerkennung dadurch Ausdruck gegeben, dass sie sich gleichfalls bereit erklärten, dem Werk finanzielle Förderung angedeiheu zu lassen und den Jüdischen Volksverein zu einer Art Dependenz der Abfertigungssteile zu machen. Mit der Grossloge U. 0. B. B. und den einzelnen Logen, die in überwiegender Zahl der Alliance korporativ beigetreten sind, ist unser Verkehr uuveräud^rt herzlich, wie das bei der weitgehenden Gemeinsamkeit der Bestrebungen und der vollkommenen Uebereiustimmung derGesiuuungen gar nicht anders zu erwarten ist. Ist doch jede Loge eine Art Alliance Isra&ite Universelle im kleinen. Inden Provinzial- und sonstigen Hauptstationen des Durch- und Rüekwandererzuges haben wir seither den lokalen Organisationen, bei denen unsere Vertrauensmänner in vorderster Reihe tätig sind, nicht unbeträchtliche Zuschüsse geleistet. Gegen wältig besteht die Ab sieht, das ganze Hilfswerk zu zentralisieren, um die Mühen und Kosten der vermeid liehen Zwischenstationen tunlichst zu sparen. Wir sind der Meinung, dass die Berliner Abfertigungssteile gleichsam die natürliche Zentrale sei und in ihrer Leitung durch den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin — hierbei vertreten durch unseren hochverehrten Freund Herrn Justizrat Timendorfer — jede wünschenswerte Gewähr für eine gedeihliche Organisation und Fortführung einer solchen ausgeweiteten Arbeit bieten würde. In einer von d^m Deutsch-Israelitischen Gemeindebund veranstalteten Beratung dieser Angelegenheit ist dagegen der Vorschlag gemacht worden, die Zentralstelle in das Bureau des Gemeindebundes selbst zu verlegen. Unser Vertreter gab von der Auffassung Kenntnis, vou der wir ausgegangen waren, und sagte die werktätige Mitarbeit der D. C. G. für den Fall zu, dass die Konzentration in der von uns als gegeben angenommenen Weise erfolge, ohne jedoch einer anderen Einrichtung grundsätzlich zu widersprechen. Weitere Erwägungen werden erpel-en, ob unser Vorschlag oder der von anderer Seite gemachte nützlicher ist. Jedenfalls treten wir an die Prüfung der Angelegenheit ohue alle Vo eingenommenheit heran, mit der aufrichtigen Absicht, zum allgemeinen Besten in welcher Form immer beizutragen. Als selbstverständlich betrachten wir, dass wir an der Leitung der Zentralstelle in angemessenem Grade und in angemessener Weise beteiligt bleiben. Unter allen Umständen sind wir gern darauf eingegangen, mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in freundnachbarliche Verbindung zu treten. Die hiesige Abfertigungsstelle für russische Aus- und Rückwanderer hatte ursprünglich in den Kreis ihrer Aufgaben auch die Fürsorge für die polizeilich ausgewiesenen iremdbürtigen Glaubensgenossen einbezogen. Diese Fürsorge ist von Anbeginn fast unsere ausschliessliche Domäne gewesen und geblieben. Mit besonderer Befriedigung erwähne ich sodann, dass wir mit dem Central- Comite und dessen Geschäftsführung in Paris unverändert in Zusammengehörig rteit arbeiten, und dass wir uns in wichtigen Frageu zur Seite sind. Auch haben wir Kundgebungen von Bedeutung, wo immer dieselben erforderlich waren, niemals verlautbart, ohne uns vorher mit Paris zu verständigen. Andererseits versorgt uns die Pariser Geschäftsführung mit reichlichem und instruktivem Material für unsere offiziellen Mitteilungen. Unsere eigene Organisation in Deutschland hat gute Fortschiitte gemacht. Natürlich könnten wir mehr erreichen, wenn man überall noch