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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 201 - 202

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Die siebente Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1910-03-01
Page
Seite 201 - 202 (sequence 4)
Language
German
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201 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die siebente Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft etc. 202 werktätiger mitarbeiten wollte. Wir unsererseits sind uns bewusst, dass wir auf alle uns vorgetragenen billigen Wünsche mit Freuden einsehen; niemals haben wir es in den Grenzen unseres Könnens an der erforderlichen Hilfsbereitschaft fehlen lassen. So hat sich auch unsere Fürsorgetätigkeit immer mehr ausgeweitet. Es gibt kaum einen Teil des Reiches, keine Provinz, wo das Deutsche Bnreau nicht helfend einträte, zumeist in Gemeinschaft mit den betreffenden Bezirksorganisationen. Wir haben auch im abgelaufenen Jahre neue Comites eingerichtet oder die vorhandenen ergänzt. So gelang es uns, an 27 Orten, an denen wir bisher überhaupt noch nicht vertreten waren, Mitgliedschaften zu gewinnen. Unser Organ „Ost und West" hat sich weiter als vorzügliches Bindemittel für die Mitglieder der A. I. U. im ganzen deutschsprachigem Gebiet, und man darf sojrar sagen, darüber hinaus, bewährt. Im vorigen Jahr hatte ich Ihnen von einer Anregung gesprochen, die von Herrn Jacob H. Schiff in Newyoik ausgegangen war, und an der noch unser unvergesslicher Freund Hallgarten innigen Anteil genommen hatte. Diese Anregung, die auch vom Hilfsverein der deutschen Juden ursprünglich warm aufgenommen war und die den Zweck hatte, dengrossen jüdischen Hilfsorganisationen im Bedarfsfalle schleuniges gemeinsames Vorgehen zu ermöglichen, hat im abgelaufenen Jahr zu einer Verwirklichung nicht geführt. Dem zustimmpnden Beschluss der I. C. A hatten sich die A. I.U., die D. C. G., die Anglo-Jewish Association, die Israelitische Allianz in Wien angeschlossen. Man machte den Versuch, die D. 0. G-. als selbständige Organisation auszuschalten; sie sollte als Anhängsel der A. L. U. betrachtet werden. Natürlich wurde dieser Versuch abgeschlagen. Auf die Anfänge einer anderen Kombination habe ich in meiuem vorjährigen Bericht hingewiesen. Diese Kombination bat inzwischen eine äusserlieh feste Form angenommen und firmiert: Allgemeine Jüdische Koionisations-Organisation. Gewisse Einzelheiten sind aus der Presse bekannt geworden. Irgendwie nennenswerte Beträge stehen dem Comiie für die Bewäliigung der Aufgabe, die ungezählte Millionen erfordern würde, zur Zeit noch nicht zur Verfügung. Ob die Jewish Colonisation Association, der dank ihres nach hundert en von Millionen zählenden Kapitals und dank ihrer Erfahrung die Kolonisation einzig und allein zustehen dürfte, der Mithilfe der neuen Organisation bedürfen wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Im kommenden Spätfrühling findet das fünfzigjährige Jubiläum unserer Alliance stait. Unser Präsident' schreibt eine mehrbändige Festschrift, deren erster Teil zum Jubiläum erscheinen wird. In der vorigen Tagung hatten wir zur Weitergabe nach Paris einhellig beschlossen: Die D. C. Gr. spricht die Erwartung aus, dass das C C. der A. I. LT. 1. Zöglinge der Ecole Normale Orientale in Paris auch in diesem Jahre zur Ausbildung in der deutschen Sprache nach Deutschland schicken wird, und stellt den dringenden Antrag, 2. dass der deutsche Sprachunterricht in den Orientschulen der Alliance immer mehr erweitert und ehestens in einigen dazu besonder ^geeigneten Allianceschulen in Marokko eingeführt werde. Der erste Teil ist in gegebenen Grenzen zur Ausführung gelangt. Die Durchführung des zweiten Teiles unseres Antrages steht noch aus. Als ein Grund dafür mag gelten, dass die Yerhältnisse in Marokko noch immer nicht genug geklärt sind, um eine Uuterrichtsreform zu gestatten. Das Central-Comite hat einstweilen alle Anstrengungen daraufrichten müssen, den neuen Sultan Mulay Bafid und seinen Grossvezier für den Gedanken der Gerechtigkeit gegenüber unseren Glaubensgenossen in Marokko zu gewinnen und entgegenstehende mächtige Einflüsse zu bekämpfen. Wir und die ganze Judenheit sind dem Central-Comite für seine Bemühungen und für deren bereits erzielten teilweisen Erfolg — über den Sie durch die Mitteilungen in „Ost und West" unterrichtet wurden — zu Dank verpflichtet. Der Sultan hat die vorzeiten durch Vermittlung Sir Moses Montefiores erlangten Privilegien und Rechte unseren marokkanischen Glaubensgenossen bestätigt und erneuert. Die Zeit scheint nicht mehr allzufern, in der die innere Ausgestaltung des marokkanischen Reichs friedliche Eutwickeluug in der Richtung der Kultur und Gesittung nehmen wird. Ist diese Zeit gekommen, die wir herbeisehnen, so wird die Möglichkeit einer Unterrichtsreform gegegeben sein. Bis dahin, glaube ich, haben wir unsere in dem vorjährigen Taguugsbeschluss erneut ausgesprochenen Wünsche zurückzustellen. Wir werden sie in Erinnerung bringen, falls sich wider Erwarten die Ausfühmng auch dann noch verzögern sollte. Jede unnötige Verzögerung wäre in höchstem Masse abträglich. Wir wissen, dass das Central-Comite mit uns in der Auflassung einig ist, dass der gesamte, und namentlich der Sprachunterricht in den Schulen der Alliance überall nach den örtlichen Bedürfnissen und im Hiublick auf das bessere wirtschaftliche Fortkommen unserer Zöglinge angelegt und eiogerichtet werden muss. In meinem vorjährigen Bericht habe ich auch davon Mitteilung gemacht, dass die Alliance und ihre Schwesterinstitute in London und anderwärts — auch wir in Berlin — den betreffenden Auswärligen Aemtern über die Lage unserer Glaubensgenossen in Rumänien ein erschöpfendes Promemoria überreicht haben, dessen Bekanntgabe für den rechten Zeitpunkt vorbehalten werden müsse. Dieser Zeitpunkt ist inzwischen eingetreten: Im Februarheft dieses Jahres ist der Wortlaut der Eingabe veröffentlicht worden. In der Erwiderung auf unsere Eingabe schrieb uns damals das Auswärtige Amt in Berlin, es habe „daraus von neuem ersehen, dass wir unsere Bemühungen zugunsten unserer

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